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Saudi-Arabien Vier Frauen ins Parlament gewählt

Premiere im Königreich Saudi-Arabien: Mindestens vier Frauen sind in Kommunalparlamente gewählt worden. Am Samstag durften Frauen erstmals wählen und gewählt werden.

Zum ersten Mal durften Frauen in Saudi Arabien wählen gehen. Foto: dpa

Lama al-Sulaiman weiß, wovon sie spricht. „Saudische Frauen sind Ärztinnen und Ingenieurinnen – es ist nicht so, als wenn Frauen bei uns nicht präsent sind“, sagt sie. Die internationalen Medien haben in ihren Augen manchmal einen zu engen Blickwinkel. „Sie schreiben nur über die negativen Seiten. Die gibt es, wir haben Schwächen, und jeder Bürger hat mit Problemen zu kämpfen, die man nicht kleinreden sollte“, fügt sie hinzu. Doch die Dinge seien in Bewegung gekommen. „Die Mentalitäten ändern sich – gerade in den letzten zehn Jahren gab es viele Fortschritte“, urteilt sie. Wie zum Beispiel jetzt die ersten saudischen Kommunalwahlen in der Geschichte des Königreiches, bei denen Frauen kandidieren und wählen konnten.

Seit Jahren gehört die 48-jährige Geschäftsfrau in ihrer erzkonservativen Heimat zu den Pionierinnen. 2009 wurde sie in Dschidda als erste Frau im ganzen Land zur Vizepräsidentin der Industrie- und Handelskammer gewählt. Seit dem Wochenende nun sitzt sie nach ersten Hochrechnungen zusammen mit der Frauenrechtlerin Rascha Hifsi auch im Kommunalparlament ihrer am Roten Meer gelegenen Heimatstadt. Im 60 Kilometer entfernten Mekka konnte sich Salma Hisab al-Utaibi durchsetzen. Als bisher vierte Frau siegte Hinuwf al-Hazmi in der Nordprovinz Dschauf.

Für die Heimat des Propheten Mohammed sind solche Erfolge eine gesellschaftliche Premiere, auch wenn das Land bei Frauenrechten immer noch zu den Schlusslichtern des Globus gehört. Erstmals können Frauen in der Kommunalpolitik politisch mitmischen. 980 Kandidatinnen konkurrierten mit 5900 männlichen Bewerbern um die 2100 Mandate.

Anders als die Männer, durften Frauen jedoch nicht auf Plakaten mit Fotos für sich werben. Und so organisierten die meisten ihren Wahlkampf im Internet, per Facebook und Twitter. Die lokalen Parlamente kümmern sich vor allem um Straßen, öffentliche Parks und die Müllabfuhr. Dagegen liegt die Hoheit über alle städtischen Budgets nach wie vor in der Hauptstadt Riad.

Schmunzelnd erinnert sich Lama al-Sulaiman noch an ihre ersten Jahre in der Handelskammer als einfaches Vorstandsmitglied. Damals 2005 habe ihr die Religionspolizei mitgeteilt, Männer und Frauen dürften wegen der Schariaregeln zur Geschlechtertrennung bei den Sitzungen nicht den gleichen Eingang benutzen. „Dann komme ich halt schon um neun Uhr morgens, eine Stunde vor den Männern“, habe sie geantwortet – und damit war den Sittenwächtern der fromme Wind aus den Segeln genommen.

„Man muss beharrlich sein, vorsichtig und offene Konfrontationen vermeiden“, lautet das Rezept der Karrierefrau und Mutter von vier Kindern. Wie sie das im Kommunalparlament machen will, wird sich zeigen.

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