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Sarah Mardini Gute Nachricht für die Flüchtlingshelferin

Die syrische Flüchtlingshelferin Sarah Mardini kommt aus griechischer Untersuchungshaft frei. Mit einer spektakulären Rettungsaktion war die Schwimmerin zu Weltruhm gelangt.

Sarah und Yusra Mardini
Die syrischen Schwestern Yusra und Sarah (rechts) Mardini haben weltweit für Schlagzeilen gesorgt und 2016 sogar einen Bambi als „stille Heldinnen“ gewonnen. Foto: rtr

Für viele Menschen ist sie eine Heldin, für die griechische Justiz eine Schwerverbrecherin und ausländische Spionin – die in Berlin lebende syrische Flüchtlingshelferin Sarah Mardini. Jetzt kommt sie überraschend nach 105 Tagen in griechischer Untersuchungshaft vorerst auf freien Fuß und wird am Donnerstag in Berlin erwartet, wie ihre Unterstützer der FR mitteilten. Mardinis Rechtsanwalt Charalambos Petsikos hatte am Dienstag erklärt, dass die Justiz dem Antrag auf ein Ende der Untersuchungshaft gegen die 23-Jährige und vier weitere Mitglieder der Flüchtlingshilfsorganisation ERCI (Emergency Response Centre International) stattgegeben habe. Zu ihnen zählt auch der 24-jährige Deutsch-Ire Sean Binder. Beide werden gegen eine Kaution von je 5000 Euro aus der Haft entlassen.

„Alle sind superglücklich“, sagt Sven Spannekrebs, Mardinis Berliner Schwimmtrainer beim Klub „Wasserfreunde Spandau 04“. Er hatte am Dienstag Gelegenheit, mit Sarah im Athener Gefängnis zu telefonieren. „Sie war sehr aufgeregt wegen der Freilassung. Sie erfuhr die gute Nachricht erst, nachdem wir schon stundenlang versucht hatten, die Kaution zu organisieren.“ Das Geld sei dann schnell zusammengekommen. Nach Angaben von Spannekrebs, der Sarah Mardini auch einmal im Gefängnis besuchen konnte, sei sie dort stets gut behandelt worden. Sarah Mardini und ihre jüngere Schwester Yusra hatten 2015 Weltruhm erlangt, als sie auf ihrer Flucht vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat mit einem Schlauchboot von der Türkei auf die griechische Ägäis-Insel Lesbos übersetzten und der Motor ausfiel.

Daraufhin zogen die beiden Leistungsschwimmerinnen das Boot an einem Seil dreieinhalb Stunden lang bis zum Strand und retteten 18 Menschen das Leben. Im Lauf der großen Flüchtlingswanderung kamen sie damals nach Deutschland. Yusra trainiert in Hamburg und nahm 2016 als Mitglied einer Flüchtlingsmannschaft an den Olympischen Spielen in London teil. Sarah studiert in Berlin-Pankow am privaten Bard-College Sozialwissenschaften und engagierte sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe auf Lesbos. Für ihre Rettungstat von 2015 bekamen die Schwestern vor zwei Jahren den „Bambi“ als „stille Heldinnen“ verliehen. Ihre dramatische Fluchtgeschichte schrieb Yusra Mardini in dem kürzlich erschienenen Buch „Butterfly“ auf.

Im August wurden Sarah Mardini und ihre Freunde überraschend auf Lesbos festgenommen, nachdem die griechische Polizei monatelang die Aktivitäten der Hilfsorganisation ECRI und die von zwei weiteren Nichtregierungsorganisationen beobachtet hatte. Die Ermittler werfen den Flüchtlingshelfern Mitgliedschaft in einem illegalen Schleuser-Netzwerk vor. Sie sollen demnach systematisch und per Funk die Überfahrt von Migranten aus der Türkei unterstützt haben. Die Beschuldigten wiesen die Vorwürfe zurück und erklärten, sie hätten sogar eng mit der griechischen Küstenwache zusammengearbeitet. Ihre Anwälte warfen der Justiz „Kriminalisierung der Flüchtlingshilfe“ vor.

Zweifel an der Darstellung der griechischen Ermittler kamen sehr schnell auf, nachdem das Bard-College belegen konnte, dass Sarah Mardini zum Zeitpunkt angeblicher Schleusungen gar nicht auf Lesbos, sondern in Berlin war. Eine Anklageschrift wurde bisher nicht vorgelegt. Hochschuldirektor Florian Becker sagte der FR, bei den bisherigen gerichtlichen Anhörungen habe sich erwiesen, dass ERCI nur mit allgemein verfügbaren Informationen des offiziellen griechischen „Aegean Boat Report“ gearbeitet und eigene Informationen häufig mit der Küstenwache geteilt habe. „Den Unterlagen zufolge, die Hunderte Seiten umfassen, sind die Anschuldigungen gegen Sarah Mardini und ERCI völlig haltlos. Die Helfer haben keine geheime Kommunikation abgehört, alles war öffentlich.“

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