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Sankt Georgen Vatikan löst Empörung aus

Der Vatikan bestraft den Jesuitenpater Ansgar Wucherpfennig für seine positiven Aussagen zu Homosexualität. Theologen und Basisbewegung solidarisieren sich mit dem gemaßregelten katholischen Hochschulrektor.

Sankt Georgen
Ansgar Wucherpfennig kann sein Amt als Rektor der Theologisch-Philosophischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt nicht mehr ausüben. Foto: Rolf Oeser

Die Maßregelung des katholischen Hochschulrektors Ansgar Wucherpfennig durch den Vatikan sorgt für Aufsehen am Rande der Bischofssynode in Rom. Dort beraten derzeit 300 Delegierte aus der ganzen Welt unter Vorsitz von Papst Franziskus über die Lage der Jugend und die Glaubensweitergabe.

Der deutsche Synodale Thomas Andonie, Vorsitzender des katholischen Jugendverbands BDKJ, sprach von einem „unerträglichen Vorgang“. Andonie sagte der FR, ein mutiger Geistlicher werde „kaltgestellt“. Dies sei ein „Verrat an dem vom Papst verfolgten Ziel der offenen Rede und ein Schlag gegen das Anliegen der Jugendsynode“.

„Eindeutig politisch motivierte Strafaktion“

Der Jesuitenpater Wucherpfennig hatte sich positiv zu Homosexualität und zu kirchlichen Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare geäußert. Darauf verweigerte ihm die Bildungskongregation des Vatikans das „Nihil obstat“, die Unbedenklichkeitserklärung. Nun kann Wucherpfennig sein Amt als Rektor der Theologisch-Philosophischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt nicht mehr ausüben.

„Hier missbrauchen Akteure der Kirche ihre Macht“, sagte Andonie. Die Signalwirkung auf junge Menschen sei verheerend. „Welcher junge Mensch will denn noch Theologe oder Theologin werden, wenn das Studium nur in der Übernahme vorgefertigter, von Rom vorgegebener Meinungen besteht?“ Wieder einmal gehe es um die Glaubwürdigkeit der Kirche. Auf der Jugendsynode werde gerade deutlich, dass junge Menschen eine authentische und an der Lebenswirklichkeit der Menschen orientierte Kirche wünschten. „Eine Kirche mit Sprechverboten und ohne eine vielfältige Diskussionskultur ist eine Kirche der Vergangenheit.“

Auch Wucherpfennigs Kollegen, Theologen an staatlichen und kirchlichen Hochschulen, reagieren empört auf das Vorgehen gegen den Rektor der Jesuitenhochschule. Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller sprach von einer „eindeutig politisch motivierten Strafaktion“.

Die Vorwürfe hätten nichts mit Wucherpfennigs Amtsführung als Rektor zu tun, sagte Schüller der FR. Nach der Wahl von Papst Franziskus 2013 habe die Theologie gehofft, wieder „wissenschaftlich seriös über wichtige Fragen diskutieren zu können, aber von Teilen der Hierarchie im Vatikan wird weiter gnadenlos die alte Linie durchgezogen mit Intransparenz, Einschüchterung und – wie im Fall von Sankt Georgen – der Destabilisierung einer angesehenen wissenschaftlichen Institution“. Das Agieren der Vatikanbehörden bestätige den Eindruck eines „katholischen Bürgerkriegs“ in Rom.

Die katholische Basisbewegung „Wir sind Kirche“ rief zum Widerstand gegen die römische Entscheidung auf. Neben dem zuständigen Limburger Ortsbischof Georg Bätzing müsse auch die Deutsche Bischofskonferenz Einspruch erheben und an der vorgesehenen Amtsverlängerung Wucherpfennigs festhalten. Schon die Familiensynode im Vatikan 2014/15 habe einen abgrundtiefen Dissens zwischen den Positionen des Lehramts und dem Kirchenvolk ergeben. Auch die Vorlagen und Interventionen zur Jugendsynode zeigten, dass viele Jugendliche die Lehre der Kirche zur Homosexualität für falsch hielten.

Rom müsse die moralische Verurteilung homosexueller Beziehungen fallenlassen, hieß es weiter. Die Kompetenz für Personalentscheidungen an Hochschulen müsse im Sinne der von Papst Franziskus angestrebten Dezentralisierung vom Vatikan zurück in die Ortskirchen gehen.

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