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Salafisten Salafistenszene in Deutschland wächst

Die Zahl der Salafisten in Deutschland wächst rasant. Nach Erkenntnissen des Bundesamtes für Verfassungsschutz gehören derzeit rund 6300 Menschen diesen Gruppen an. Vor allem Jugendliche fühlen sich vom Salafismus angezogen.

25.10.2014 11:48
Der salafistische Prediger Pierre Vogel im Sommer auf einer Kundgebung mit rund 300 Anhängern. Foto: dpa

Die Islamistenszene in Deutschland wächst nach Erkenntnissen des Bundesverfassungsschutzes rasant. Inzwischen zählten 6300 Menschen zu den radikalislamischen Salafisten, sagte der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, am Samstag dem RBB. Bis zum Jahresende könnten es schon 7000 sein. "Das ist besorgniserregend", warnte Maaßen. Vor wenigen Jahren habe es lediglich 2300 Salafisten in Deutschland gegeben. Aus der Szene heraus seien inzwischen mehr als 450 Islamisten in den Krieg nach Syrien gezogen. Sieben bis zehn von ihnen hätten dort Selbstmordanschläge verübt. Viele der Islamisten schließen sich der Miliz Islamischer Staat (IS) an, der radikalsten Organisation in der Region.

Der Salafismus ist seit Jahren die am stärksten wachsende islamistische Bewegung in Deutschland. Er ist eine fundamentalistische Strömung des Islam und für junge Muslime häufig eine Zwischenstation auf dem Weg in den Dschihad. Ziel der Salafisten ist die Abschaffung der Demokratie und die Errichtung eines Gottesstaats. Bei der Missionierung bedienen sie sich stark des Internets, setzen aber auch auf öffentliche Hasspredigten und Aktionen zur Koranverteilung.

Vor allem Jugendliche fühlten sich vom Salafismus angezogen, weil er offenbar für Menschen in einer Umbruchsituation attraktiv sei, sagte Maaßen. Der Salafismus gebe eine klare Vorgabe, wie man zu leben habe. "Salafisten sagen, was weiß und was schwarz ist", erklärte der Geheimdienstchef. Anhänger der Gruppierung seien häufig Jugendliche mit den vier "M" in ihrer Biographie: "Männlich, muslimisch, Migrationshintergrund, Misserfolge in der Pubertät, der Schule oder in der sozialen Gruppe", sagte Maaßen. Die Salafisten vermittelten solchen Jugendlichen das Gefühl, zu einer Avantgarde zu gehören.

Der deutsche Inlandsgeheimdienst verzeichne 150 Rückkehrer aus dem Krieg in Syrien. Welche Bedrohung von ihnen ausgehe, lasse sich aber nicht in jedem Fall einschätzen, weil häufig unklar sei, was sie in Syrien getan hätten. Von 25 Islamisten sei bekannt, dass sie gekämpft hätten.

Maaßen setzt auf Prävention

Im Kampf gegen die weitere Ausbreitung des Salafismus in Deutschland plädierte Maaßen vor allem für eine bessere Prävention und nicht in erster Linie für Gesetzesverschärfungen. Es müsse dafür gesorgt werden, "dass diese Menschenfänger, die auf Marktplätzen auftreten, vor Schulen stehen und Korane verteilen, dass diese Leute keine Zugänge mehr haben zu jungen Menschen", forderte er. Dies lasse sich aber nur schwer durch neue Gesetze bewerkstelligen. Zugleich müsse dafür gesorgt werden, dass junge Häftlinge in Gefängnissen nicht salafistischen Mitgefangenen ausgesetzt und durch sie radikalisiert würden.

Bei einer Razzia vor einer Woche in Deutschland enttarnte die Bundesanwaltschaft einem Medienbericht zufolge ein hoch professionell operierendes logistisches Netzwerk für den IS. In abgehörten Telefonaten habe dessen mutmaßlicher Anführer, der Tunesier Kamel Ben S., erklärt: "Wir haben Zweigstellen in Deutschland, die dem Islamischen Staat im Irak und Syrien untergeordnet sind. Wir kümmern uns um viele - Tausende Familien", berichtete das Magazin "Focus" unter Berufung auf Ermittlungspapiere. Der Inhaftierte habe laut Bundesanwaltschaft etliche deutsche IS-Kämpfer mit Geld und Kleidung unterstützt und über Mittelsmänner neue Rekruten in die Ausbildungslager in Syrien geschleust. (rtr)

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