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Sachsen skurril Diese Gebrüder Hetze aus Clausnitz

Die Hassparade von Clausnitz sorgte für Entsetzen – dass der Heimleiter Hetze in der AfD war und sein Bruder die Demo organisiert hatte, für Empörung. Der dritte Hetze-Bruder verdient sein Geld mit der Flüchtlingskrise.

Die Flüchtlingsunterkunft in Clausnitz wurde vom Heimleiter Hetze betrieben. Der Mann hat noch zwei Brüder. Foto: dpa

Das Wichtigste an einer bösen Gesellschaftssatire ist, nicht zu dick aufzutragen. Etwa bei der Wahl der Namen: Denkt man sich zum Beispiel ein erschreckendes Stück über die Zustände in Sachsen aus, wo ein hundertköpfiger Mob einen ankommenden Flüchtlingsbus blockiert und Frauen und Kinder mit Geschrei und Gewaltandrohungen zum Weinen bringt, dann darf der Schauplatz ruhig nach dem preußischen Kriegsverherrlicher Clausewitz klingen. Weil eben Gewalt für manchen „eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“ ist. Man könnte das Städtchen also ruhig Clausnitz nennen.

Zu weit aber ginge die Idee, dass der Leiter des bedrohten Heims – der als einer der wenigen die Ankunftszeit der Flüchtlinge kennt – seit Dezember Mitglied der rechtspopulistischen AfD ist und schon im November Redner einer „Asylchaos stoppen!“-Demo war. Viel zu dick aufgetragen wäre es, wenn der Mann mit bürgerlichen Namen „Hetze“ hieße.

Im echten Clausnitz ist all das aber genauso. Inzwischen wurde Heimleiter Thomas Hetze (47), früher Bauingenieur und in der FDP, vom Heimbetreiber, einer kommunalen Betreibergesellschaft, versetzt. Kein Witz: CDU-Landrat Matthias Damm erklärte, dass das allein „zum Schutz seiner Person“ geschehe, wegen der „bundesweiten Diskussion über ihn“. Auch die AfD verteidigte Hetze gegen Kritik. Was für ein Satz.

Noch skurriler wurde die Geschichte, als bekannt wurde, dass ausgerechnet der Bruder des Heimleiters, Karsten Hetze, die Kundgebung gegen das Asylheim organisiert hatte. Es sei als „ruhige Demonstration“ geplant gewesen, sagte der bekennende Pegida-Freund dem MDR. Man wollte nicht, dass alles so eskaliert. Dafür lieferte Sachsens Polizei, die eben noch beim Schutz des Flüchtlingsbusses versagt hatte, eine satirereife Erklärung: Die 25 Asylsuchenden im Bus hätten „provoziert“. Kein Autor hätte sich wohl getraut, der Polizei die Ankündigung in den Mund zu legen, man ermittle bereits: gegen die Flüchtlinge. In Sachsen verkündete der echte Polizeipräsident, Uwe Reißmann, genau das.

Am Mittwoch nun veröffentlichte Spiegel Online die Krönung der Realsatire: Es gibt einen dritten Bruder Hetze. Der steht seinen Brüdern politisch nahe, wie seine Facebook-Seite illustriert. Das hält ihn nicht davon ab, finanziell von den Flüchtlingen zu profitieren: Frank Hetze ist Chef des Clausnitzer Betriebs Metallbau Hetze, an dessen Firmensitz – wenige Kilometer vom Asylheim entfernt – gerade Metallcontainer so umgerüstet werden, dass Flüchtlinge darin wohnen können.

Geliefert werden sollen die Behelfsbaracken nach Leipzig, wo ab März eine Erstaufnahmeeinrichtung für 900 Flüchtlinge öffnet, mitbetrieben vom Land Sachsen. Das bestreitet Metallbau Hetze nicht – wohl aber jede Verbindung zu „den Ereignissen zum Thema Asyl in Clausnitz“, wie die Firma schreibt. Frau Hetze, Gattin von Frank, distanzierte sich in der Bild-Zeitung zudem von Gewalt. Als Beleg fiel ihr ein: „Wir haben hier viele tschechische Mitarbeiter.“

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