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Sachsen Neonazis greifen Sorben an

Neonazis greifen in Ostsachsen gezielt Jugendliche der slawischen Minderheit an. Offensichtlich handelt es sich bei den Überfällen und Angriffen um eine Serie. In sieben Fällen laufen Ermittlungen wegen Körperverletzung, Bedrohung und Sachbeschädigung.

Unverheiratete Paare in original sorbischer Festtagstracht tanzen beim traditionellen Zapust der sorbisch-wendischen Jugendfastnacht am 16.02.2014 in Drachhausen (Brandenburg). Foto: dpa

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Rechtsextreme greifen in Ostsachsen seit einiger Zeit offenbar gezielt Jugendliche aus der sorbischen Minderheit an.  „Wir haben Angst. Gewalt in solchen Dimensionen gab es bisher hier noch nicht“, beschreibt Dawid Statnik die Zustände. Der 31-Jährige ist Vorsitzender der Domowina, des Dachverbandes der sorbischen Minderheit in Sachsen und Brandenburg.„Es ist nicht mehr nur ein Dummer-Jungen-Streich“, so Statnik. „Wir haben es mit einem bedrohlichen Vorgehen zu tun, bei dem Menschen gezielt erniedrigt werden.“  So etwas habe es in dem Landstrich östlich von Bautzen noch nicht gegeben. „Die Jugendlichen haben Angst“, sagt Statnik.

Offensichtlich handelt es sich bei den Überfällen und Angriffen um eine ganze Serie. „Es hat solche Übergriffe jüngst gegeben“, erklärt eine Sprecherin des Operativen Abwehrzentrums der sächsischen Polizei, das die Ermittlungen übernommen hat. Junge Männer, zum Teil vermummt, sind in verschiedenen sorbischen Ortschaften der Oberlausitz aufgetaucht. In Schönau bei Görlitz hat eine Gruppe schwarz gekleideter Männer vor einem Monat sorbische Discobesucher in Schönau bei Görlitz beleidigt und eingeschüchtert. Zu ähnlichen Vorfällen soll es zuvor auch in Ostrow und auf einem Sommerfest in Ralbitz gekommen sein. „Das sind gezielte Angriffe auf sorbische Jugendliche und damit auf die sorbische Bevölkerung", schätzt Polizeipräsident Bernd Merbitz die Lage ein. Man nehme die Vorfälle sehr ernst.

„Sie beschimpften uns als „Sorbenschweine“ und versuchten die Autotüren aufzureißen“, schilderte ein Jugendlicher dem MDR die Vorfälle. „Die Angreifer nennen sich Jungsturm, beschimpfen uns und sagen, dass hier Deutsch gesprochen wird.“ Zudem werden seit längerer Zeit schon die sorbischen Namen auf den zweisprachigen Ortsschildern übermalt,  in einem Fall auch mit einem Hakenkreuz.

Polizei gründet Sonderkommission

Es wird nicht nur beleidigt und bedroht. Zwei Jugendliche wurden kürzlich vom rechten Gesindel zusammengeschlagen. „Wir können nicht mehr ungehemmt sorbisch sprechen und uns als Sorben frei entfalten", beklagte sich ein Jugendlicher aus der Nähe von Crostwitz im MDR. Maskierte Neonazis tauchten auch in einem Vereinshaus in Cunnewitz auf, wo sie den Hitlergruß zeigten und sorbische Besucher bedrohten.

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Die Polizei hat eine Sonderkommission gegründet. In sieben Fällen laufen Ermittlungen wegen Körperverletzung, Bedrohung und Sachbeschädigung. „Bei den Tätern werden wir null Toleranz haben“, verspricht Innenminister Markus Ulbig (CDU).

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich ist selbst Sorbe. Als er am Mittwoch vom Landtag wiedergewählt wurde und seine Eid ablegte, beendete der 55-jährige Christdemokrat den Schwur mit „So wahr mir Gott helfe“  - auf deutsch und auf sorbisch. Tillich ist entsetzt über das, was sich in seiner Heimat abspielt:  „Sorben und Deutsche leben seit mehr als 1000 Jahren friedlich zusammen. Ich bin mir sicher, beide werden das nicht tolerieren.“

Die Sorben sind eine nationale Minderheit. Sie haben keinen eigenen Staat, kein Mutterland oder Autonomiegebiete. Wie viele Sorben es noch gibt, ist unklar. Es gibt Schätzungen, wonach es noch ungefähr 20000 Sorben gibt, die ihre Sprache beherrschen und auch ihr Brauchtum pflegen.
In Sachsen leben die Obersorben, in Brandenburg die Niedersorben, auch Wenden genannt. Zu den bekannteren sorbischen Bräuchen zählen die Vogelhochzeit und das Osterreiten.

Die Sorben haben keine Extra-Rechte, außer, dass ihre Sprache und Kultur durch die Stiftung für das sorbische Volk gefördert wird, was in den Verfassungen Sachsens und Brandenburgs verankert ist.

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