Lade Inhalte...

Sachsen-Anhalt Rassismus Schutz für ausländische Studenten

Die Hochschule Anhalt in Köthen lässt ihr Gelände nach mehreren fremdenfeindlichen Überfällen auf Chinesen nun von einem privaten Sicherheitsdienst überwachen.

28.11.2012 19:43
Christian Schafmeister und Stefanie Greiner
Ein chinesischer Student wurde von Unbekannten beim Heraustragen seines Hausmülls zusammengeschlagen. Foto: dpa

Die Hochschule Anhalt in Köthen (Anhalt-Bitterfeld) will ihre ausländischen Studenten besser schützen und lässt Teile des Hochschulgeländes in Zukunft von einem privaten Sicherheitsdienst überwachen. Grund dafür sind mehrere Übergriffe auf chinesische Studenten. Erst Mitte November war ein 28 Jahre alter Student überfallen worden. Nach bisherigen Erkenntnissen wurde er von fünf Männern zwischen 15 und 42 Jahren vor seinem Wohnheim beleidigt und geschlagen, als er Abfall wegbringen wollte. „Solche Schlägertypen brauchen wir in Köthen nicht“, erklärte Dieter Orzessek, Präsident der Hochschule.

Sachsen-Anhalts Wissenschaftsministerin Birgitta Wolff (CDU) nannte den Überfall eine Schande. Es sei zudem „höchst bedauerlich, dass die Hochschule Geld, das eigentlich für Forschung und Lehre gedacht ist, nun für die Bewachung der Studenten ausgeben muss“, sagte sie. Dies sei „auch ein Zeichen von Hilflosigkeit“. Die Ministerin hatte sich bereits unmittelbar nach dem Vorfall geäußert. Sachsen-Anhalt laufe mit Übergriffen wie in Köthen „große Gefahr, den Ruf eines weltoffenen Landes und damit auch unsere Zukunft zu verspielen“.

Würden ausländische Studenten und Forscher dem Land den Rücken kehren, dann hätte dies „fatale Auswirkungen auf den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort“, warnte Wolff. Internationale Studenten seien unverzichtbar. Das gelte nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für Forschung und Wissenschaft. Die Zahl der ausländischen Studenten in Sachsen-Anhalt ist stetig gewachsen. Im Wintersemester 2011/2012 studierten 5200 Ausländer im Land, davon 900 Chinesen an der Hochschule Anhalt.

Fünf Tatverdächtige frei

Der Präsident der Landesrektorenkonferenz Sachsen-Anhalt, Armin Willingmann, befürchtet nun, dass es künftig schwieriger werden könnte, ausländische Studenten für ein Studium in Sachen-Anhalt zu begeistern. Nachrichten wie die von dem Übergriff in Köthen „verbreiten sich rasend schnell“, sagte er. „Das beschädigt ganz massiv den Ruf Sachsen-Anhalts“.

Das 28 Jahre alte Opfer des jüngsten Überfalls kündigte derweil an, nach China zurückzukehren. Er stehe weiter unter Schock und habe Angst, sagte der Mann. Mit dem Überfall seien Vorurteile aus seiner Heimat bestätigt worden. Man habe ihm dort gesagt, dass es wegen fremdenfeindlicher Übergriffe nicht gut sei, in Deutschland zu studieren.

Hochschul-Präsident Orzessek zeigte sich „sehr betroffen“. Wütend sei er nicht nur auf die Täter, sondern auch auf die Polizei. Zum einen habe er erst durch die Medien von dem Angriff erfahren. Zum anderen könne er nicht nachvollziehen, warum die Täter wieder freigelassen worden seien. „Natürlich gibt es eine Wiederholungsgefahr“, sagte der Präsident.

Eine Wiederholungsgefahr habe der zuständige Staatsanwalt bei der Haftprüfung nicht gesehen, sagte Christian Preissner, Sprecher der Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau. Bei einer Haftprüfung sei seine Behörde aber immer darauf angewiesen, wie die Polizei den Fall schildere.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen