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Sacharow-Preis Preisträgerinnen fordern Schutzzone für Jesiden

Ehrung für Nadia Murad und Lamija Adschi Baschar: Das Europaparlament zeichnet die Jesidinnen für ihren Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat mit dem Sacharow-Preis aus.

13.12.2016 13:15
Nadija Murad Bassi Taha (l.) und Lamija Adschi Baschar wurden mit dem Sacharow-Preis ausgezeichnet. Foto: rtr

Die Sacharow-Preisträgerinnen Nadija Murad Bassi Taha (23) und Lamija Adschi Baschar (19) haben in Straßburg eine Schutzzone für die Jesiden im Norden des Irak gefordert. Nur auf diese Weise könnten Tausende Jesiden, die derzeit noch im Nahen Osten lebten, geschützt werden, sagte Murad Bassi Taha am Dienstag in Straßburg. Sie verurteilte die systematische Entführung und Versklavung von Kindern und Frauen.

„Wir blicken auf Europa als Symbol für die Menschlichkeit“, sagte sie. „Mein Herz ist froh, dass sie sich auf unsere Seite gestellt haben“, sagte Murad Bassi Taha zu den EU-Abgeordneten.

Adschi Baschar betonte in ihrer Rede, dass der Preis jedem Opfer des IS gewidmet sei. „Jeder Mensch, der Opfer von Terroristen wurde, verdient diesen Preis“, sagte sie. Die Jesidin erzählte erneut, wie sie vergewaltigt wurde und schließlich fliehen konnte. Bei der Flucht starb ihre Freundin. „Die Todesschreie waren das Schlimmste, was ich je gehört habe“, sagte sie. Sie habe für sich entschieden, die „Stimme der Stimmlosen zu werden“ und auf das Schicksal der Jesidinnen aufmerksam zu machen.

Der scheidende Parlamentspräsident Martin Schulz lobte den Mut der beiden Frauen aus dem Irak. Sie seien Heldinnen, die unbeschreibliche Gräueltaten erlitten hätten, sagte Schulz am Dienstag bei der Verleihung. Er sei mit Stolz erfüllt, zwischen diesen beiden Preisträgerinnen zu sitzen, die trotz ihrer Erlebnisse nicht aufgegeben hätten zu kämpfen. Schulz appellierte an die internationale Gemeinschaft, nicht „tatenlos zuzusehen“. Es dürfe keine Straflosigkeit für Verbrechen gegen die Menschlichkeit geben. Die Täter müssten vor dem internationalen Strafgerichtshof zur Verantwortung gezogen werden.

Die jesidischen Aktivistinnen erhielten am Dienstag in Straßburg vom EU-Parlament den Sacharow-Preis für Menschenrechte. Die vom IS versklavten, misshandelten und vergewaltigten Frauen kämpfen dafür, dass die Gräueltaten des IS im Nahen Osten als Völkermord gewertet werden.

2015 hatte Raif Badawi, Blogger aus Saudi-Arabien, die Auszeichnung erhalten. Der EU-Parlamentspräsident appellierte bei der Verleihung in diesem Jahr abermals an den saudischen König Salman, Badawi freizulassen.

Die Pressekonferenz mit den jesidischen Preisträgerinnen war die Letzte von Schulz als Parlamentspräsident. „Ich bin wirklich froh, dass die letzte Pressekonferenz, die ich als Präsident gebe, diese ist“, sagte er. (kna)

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