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S21-Proteste Der S21-Widerstand ist noch lange nicht vorbei

Aufhören steht nicht zur Debatte im Schlossgarten der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg. Die Anti-S21-Bewegung hält nur inne, reflektiert und ordnet sich neu.

Die Parkwächterin Anke bleibt dem Widerstand gegen S21 treu - auch im Winter. Foto: dapd

Die Schlagzeilen kamen zu früh. „Stuttgart 21 kann gebaut werden“, war zu lesen, als Baden-Württembergs Wähler beim Referendum am 27. November für den unterirdischen Neubau des Stuttgarter Hauptbahnhofs gestimmt hatten. Auf den Protest, der als Modellfall bürgerlichen Aufbegehrens gewürdigt worden war, wurden erste Nachrufe geschrieben.

Das Aktionsbündnis der Bahnhofs-Gegner, Dachorganisation für Dutzende unterschiedlicher Protestgruppen, zog sich von den regelmäßigen Montags-Demos zurück, Brigitte Dahlbender vom BUND gab ihren Sprecherinnen-Posten auf. Den wöchentlichen Protest am Montag organisieren jetzt die „Parkschützer“ allein. Der „Widerstand“, wie sie hier etwas pathetisch sagen, stand vor der Zerreißprobe. Ministerpräsident Winfried Kretschmann, ließ wissen, nun werde seine grün-rote Regierung den Bau „konstruktiv-kritisch“ begleiten, Proteste seien nicht mehr angebracht.

Sechs Wochen später, in diesen Tagen nun, hätte es eigentlich losgehen sollen: Die Zeltdorf-Bewohner im Schlossgarten haben ihre Räumungsverfügung für kommenden Donnerstag in der Hand, Tausende Polizisten sind längst angefordert, Haft-Container auf dem Festplatz der Cannstatter Wasen installiert (der „Wasen-Knast“), die Bäume im Park sollen weg.

Ist der Widerstand noch legitim?

Doch kurz vor Weihnachten wurde das noch ein Mal abgewendet – oder aufgeschoben: Der baden-württembergische Verwaltungsgerichtshof bescheinigte der Bahn, bei Planungen für die Umleitung des Grundwassers den Naturschutz nicht genug beachtet und die zuständigen Verbände unzureichend beteiligt zu haben. Die Folge: Kein Baum darf fallen, bis der Fehler bereinigt ist. Nur der Abriss des Südflügels kann in dieser Woche wohl beginnen.

Nährt das neue Hoffnung bei den Neubau-Gegnern? Am Samstag demonstrierten sie wieder: 3000 bis 4000 seien es gewesen, sagen die Veranstalter, 1200, sagt die Polizei. Aber reicht es noch einmal zum Massenprotest? Wer fühlt sich nach der Niederlage durch das Referendum überhaupt noch legitimiert zum Widerstand – und warum? Protokolle aus dem Innenleben einer Bewegung.

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