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Russlands Bin Laden Staatsfeind Nr. 1 - Wer ist Umarow?

Auf das Konto des "russischen Osama bin Laden" gehen viele Blutbäder. Nun bekennt sich der tschetschenische Terroristenführer Doku Umarow auch zu den Anschlägen in der Moskauer Metro. Ein Porträt.

01.04.2010 15:04
Ulf Mauder, dpa
Doku Umarow Foto: afp

Moskau. Der tschetschenische Terroristenführer Doku Umarow (45) ist nicht erst seit den jüngsten Selbstmordattentaten in Moskau und im Nordkaukasus Russlands Staatsfeind Nummer eins. Auf das Konto des "russischen Osama bin Laden" gehen viele Blutbäder. Dass sich der selbst ernannte Herrscher des "Kaukasus-Emirats" per Video zu den Metro-Anschlägen in Moskau mit 39 Toten vom Montag bekennt, hat jeder erwartet.

Moskaus Ermittler fahnden seit langem nach dem "Emir vom Kaukasus", der sich wohl in der bergigen Vielvölkerregion im Wald versteckt hält. Umarow will den Nordkaukasus gegen den Widerstand des Kreml zu einem unabhängigen islamischen Staat machen.

"Der Krieg wird in Eure Straßen kommen und Ihr werdet ihn in Euren eigenen Leben spüren", drohte Umarow auf Russisch auf dem Video, das auch die Internetseite kavkaz.tv veröffentlichte. Der frühere Kämpfer der Tschetschenienkriege kündigte als Reaktion auf die "blutige Besatzungspolitik Moskaus" im Nordkaukasus neue Racheakte an. In dem von Islamismus-Experten als echt eingestuften Video gibt der Mann mit dem Bart und einer glatten Stoffmütze dem russischen Regierungschef Wladimir Putin die Schuld an der andauernden Gewalteskalation.

Putins Truppen hätten in den russischen Teilrepubliken Tschetschenien und Inguschetien die "ärmsten der ärmsten Menschen" entführt, gefoltert und getötet, sagt Umarow in einem Wald sitzend in seiner Videoansprache. Auch Menschenrechtler und kremlkritische Journalisten hatten das oft gewaltsame Vorgehen russischer Sicherheitskräfte als "Staatsterrorismus" bezeichnet.

Umarow hat sich nach Angaben der russischen Generalstaatsanwaltschaft selbst früh wegen Raubes, Mordes und Entführungen mit Lösegeldforderungen schuldig gemacht. In der tschetschenischen Hauptstadt Grosny, wo er einst an der Hochschule für Erdölförderung studierte, hat ihm auch sein Erzfeind, der kremltreue Republikchef Ramsan Kadyrow, den Krieg erklärt.

In seinem Video spricht Umarow, der selbst viele Verwandte durch die Gewaltexzesse im Nordkaukasus verlor, ruhig und entschlossen.Zwar meinen russische Sicherheitsexperten, dass das Video noch überprüft werden müsse. Dass es dem Mann ernst ist, daran zweifelt aber keiner. Immer wenn Behörden in der Vergangenheit Umarows Tod gemeldet hatten, sprengte er sich mit neuer Gewalt zurück ins Gedächtnis der Russen.

Der am 13.April 1964 in dem Dorf Charsenoj in der damaligen Tschetschenisch-Inguschetischen Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik geborene Umarow leitet ein Terror-Netzwerk, das Ermittler zufolge auch Selbstmordattentäter ausbildet. Erst unlängst machte der Vater von sechs Kindern deutlich, dass er leicht zehntausende "Heilige Krieger" mobilisieren könne - wenn er das Geld habe. Experten gehen aber davon aus, dass in den Bergen des Nordkaukasus höchstens noch 500 Untergrundkämpfer ausharren.

Als Präsident der selbst ernannten tschetschenischen Separatisten-Republik Itschkerien hat sich Umarow jedoch immer wieder auch in den eigenen Reihen Feinde gemacht. Dass der Führer des "kaukasischen Emirats" nicht mehr nur Russland als Feind des Islam sieht, sondern auch die USA, Großbritannien und Israel, sorgt bei einigen islamistischen Ideologen im Nordkaukasus für Unruhe.

Umarow fordert Rache für die "Morde an unseren Brüdern im Irak und in Afghanistan". Kadyrow warnte vor diesem Hintergrund, dass die Islamisten im Nordkaukasus längst in internationale Terror-Netzwerke wie El Kaida eingebunden seien - und von dort mit finanziert würden. (dpa)

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