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Russland Tod eines kritischen Jugendlichen

Der plötzliche Tod des Berufsschülers Wladimir Kolesnikow hat in Russland heftige Debatten ausgelöst. Die Behörden stellen den Tod aufgrund eines Drogen-Cocktail fest, doch vieles spricht für einen Suizid.

Der tote Berufsschüler war ein Kritiker der kriegerischen Politik seines Landes. Foto: afp

Für die Staatsanwaltschaft der Region Samara ist der Fall klar: „Am Abend des 25. Dezember tranken zwei 18-Jährige alkoholische Getränke, einer der beiden konsumierte auch Psychopharmaka und Energiedrinks“, heißt es auf der Website der Behörde. Die Notärzte hätten ihn nicht mehr retten können.

Aber der so banal klingende Tod des Berufsschülers Wladimir Kolesnikow hat in Russland heftige Debatten ausgelöst. Denn viel spricht dafür, dass Wladimir Suizid begangen hat. Claire Bigg, Russlandreporterin von „Radio Swoboda“, veröffentlichte auf Twitter die letzten Worte, die ihr Wladimir gemailt hatte: „Wenn ich mich in den nächsten 2 bis 6 Tagen nicht melde, können Sie schreiben, ich sei gestorben. Ich habe eine tödliche Dosis genommen.“ Auf ihre Anrufe antwortete er nicht mehr.

Held russischer Liberaler

Wladimir war das, was die Russen einen „weißen Raben“ nennen, ein Quertreiber. Als 17-Jähriger hatte er begonnen, öffentlich gegen die kriegerische Politik seines Landes gegenüber der Ukraine zu protestieren. In der Kochfachschule in Podolsk bei Moskau, wo er damals lernte, kam er in einem T-Shirt zum Unterricht, mit ukrainischer Fahne darauf und dem Spruch: „Gebt die Krim zurück!“ Vor der Einberufungskommission im Wehrersatzamt schaltete er die ukrainische Nationalhymne ein und erklärte, er wolle nicht in der russischen Armee dienen. Mit einem Freund hisste er auf einem Hausdach ein Spruchband mit der Aufschrift: „Scheiß Krieg!“

Der Teenager wurde zum Helden russischer Liberaler und ukrainischer Patrioten. Aber seine Mitschüler verprügelten ihn, die Polizei verhörte ihn. Der Großvater, bei dem er wohnte, warf Wladimir aus dem Haus. Danach gab der alte Mann der staatlichen Massenzeitung „Komsomolskaja Prawda“ ein Interview, indem er sich beschwert, sein Enkel sei fresssüchtig, gewalttätig, er lerne verdächtig eifrig Englisch. Das Blatt denunzierte Wladimir mit vollen Namen, Wohnort und Foto.

„In der Provinz mobben die Menschen Dissidenten viel heftiger als in Moskau“, sagt der Menschenrechtler Lew Ponomarjow. „Der totalitäre Sowjetstaat ist weg, seine totalitäre Praxis ist geblieben.“ Viele Medien unterstützen die Mobber. Der Bursche habe ständig Russland und Putin beschimpft, schreibt das Portal „Njuinform“. „Er wusste doch, dass die Schulkameraden diese Beleidigungen persönlich nehmen.“ Schuld an seinem Tod seien liberale Oppositionelle und Auslandsmedien, die ihn zum Rebellieren ermutigt hätten.

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