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Russland Putins gruselige Presseshow

Russlands Staatschef Wladimir Putin meistert seine jährliche Fragerunde mit Bravour - weil es kaum Kritik gab.

Putin
Im Hintergrund läuft Putins Pressekonferenzshow, Mutter und Kind haben aber gerade Wichtigeres zu tun. Foto: afp

Es wird geklatscht, der Präsident springt mit zwei Sätzen auf die Bühne, vor den riesigen Bildschirm, der diesmal nicht in kühlen Blautönen, sondern goldgelb leuchtet. Wladimir Putin beginnt seine 13. Jahrespressekonferenz als russischer Staatschef gewohnt dynamisch.

„Warum ist nach 20 Jahren unter ihrer Regierung kein einflussreicher Oppositionskandidat aufgetaucht?“, fragt ein Reporter des kremlnahen TV-Kanal Life. „Ist Ihnen selbst nicht langweilig?“ Bevor Putin antwortet, schlägt er vor, einer anderen Journalistin das Wort zu geben: „Um Ihre Frage noch zuzuspitzen, ich sehe hier eine junge Frau mit einem Plakat, auf dem ,Putin bye bye‘ steht.“ Der 65jährige demonstriert von Anfang an, dass er keine kritischen Stimmen fürchtet. Aber Kritik bekommt er ohnehin kaum zu hören, im Gegenteil, die junge Frau, eine Tatarin, verbessert den Präsidenten: „Hier steht ,Putin Babai‘, das heißt auf tatarisch ,Väterchen Putin‘. So nennen die Kinder in unserer Republik Sie.“

Die „Große Pressekonferenz Wladimir Putins“, wie die Staatsmedien sie nennen, hat ihre eigenen Dimensionen und Rituale. Der Staatschef antwortete gestern 3,42 Stunden lang auf die 65 Fragen von 1640 akkreditierten Journalisten, das ist Rekord.

Aber trotz des Massenaufgebots, das Putin gegenübersaß, lief er nie Gefahr, ins Kreuzverhör zu geraten. Auf die Frage, ob er mangels ernsthafter Konkurrenten einen langweiligen Wahlkampf erwarte, erwiderte Putin ausführlich: „Warum gibt es bei uns scheinbar laute und aktive Oppositionspolitiker, die aber keine reale Konkurrenz für die Regierung darstellen?“ Bei allen Problemen Russlands, die es noch zu diskutieren gäbe, sei das Bruttosozialprodukt seit dem Jahr 2000 um 75 Prozent gestiegen, die Industrieproduktion um 60 Prozent, die Gehälter um das 3,6-fache, die Kindersterblichkeit hingegen sei um das 2,6-fache verringert. „Für eine nennenswerte Opposition ist es wichtig, nicht nur auf den Straßen Krach zu schlagen oder über das volksfeindliche Regime zu schimpfen. Wichtig ist, etwas vorzuschlagen, um es besser zu machen.“

Linientreue Fragensteller

Die Pressekonferenz besaß eine zusätzliche Dimension: Erst vergangene Woche hatte Putin seine Kandidatur bei den Präsidentschaftswahlen im März angekündigt. Aber da der Amtsinhaber es traditionell ablehnt, an TV-Debatten teilzunehmen, stellte diese Veranstaltung schon jetzt einen der letzten öffentlichen Termine vor dem Wahlgang dar, der die Gelegenheit bot, Fragen zu stellen.

Debattenstimmung kam trotzdem nur selten auf. Wie Kinder in einer riesigen Schulklasse versuchten die Presseleute mit Stofftieren oder Skimützen die Aufmerksamkeit Putins zu gewinnen oder mit Plakaten wie „Rettet die Kinder!“ Rechnerisch hatte jeder anwesende Reporter eine Chance von knapp vier Prozent, zu Wort zu kommen.

Aber wie immer war die Mehrzahl der Fragesteller linientreue Moskauer Staatsreporter oder Provinz- oder Fachjournalisten mit sehr eigenen Interessen. Da bedankte sich die Redakteurin des Portals „Talentierte Kinder“ freudestrahlend bei Putin, dass er bei seiner Pressekonferenz 2014 die Schaffung des Portals „Talentierte Kinder“ befürwortet hatte.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Russland

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