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Russland Der Schelm aus Paris

Frankreichs Präsident Macron lässt Putin in St. Petersburg alt aussehen.

Emmanuel Macron mit  Wladimir Putin.
Hatte offensichtlich Spaß: Emmanuel Macron (l.) mit Wladimir Putin. Foto: afp

Es endete mit einem Podium, auf dem unter anderem Japans Premier Shinzo Abe, IWF-Chefin Christine Lagarde, und der französische Präsident Emmanuelle Macron saßen. Sie alle hörten Wladimir Putin zu, der eine „weitere Ausweitung der Freiheiten“ in Russland ankündigte. Abe scherzte über ein WM-Finale Russland-Japan, Macron philosophierte über Selbstvertrauen als Voraussetzung für Vertrauen. Und aus dem Plenum frohlockte der russische Senator Alexei Puschkow per Twitter: „Russland ist nicht zu isolieren.“ Dass sich mit Macron zum ersten Mal seit Beginn der Krim-Krise 2014 ein westeuropäischer Staatschef auf dem alljährlichen St. Petersburger Forum blicken ließ, hatten russische Medien als neuen diplomatischen Triumph ihres Präsidenten Putin gefeiert.

Macron kam mit über 50 bilateralen Vereinbarungen im Gepäck, darunter der Einstieg des französischen Rohstoffkonzerns Total in ein neues russisches milliardenschweres Flüssiggasprojekt. Und er verzichtete im Gegensatz zu seinem ersten Treffen mit Putin in Versailles vor einem Jahr auf frontale Kritik. Als wolle er die russischen Erwartungen bestätigen, das schwache und unselbstständige Europa suche angesichts der Verwerfungen mit Donald Trumps USA neue Nähe zu Russland. 

Frankreich sei wie Russland für den Fortbestand des Atomvertrages mit dem Iran, den Trump gekündigt hatte, sagte Macron. Und er wolle mit Russland einen neuen Mechanismus zur Koordinierung der Verhandlungsplattformen von Astana und der sogenannten Kleinen Gruppe interessierter Mächte entwickeln, um den Syrienkonflikt zu lösen.

Ein „sehr offenes“ Gespräch

Paris akzeptiere auch die Führungsrolle, die Russland sich in der eigenen Nachbarschaft, aber auch im Nahen Osten aufgebaut habe. Aber es erwarte ebenso, dass Russland die Interessen Europas und seiner Partner akzeptiere. Macron redete von gemeinsamen Wurzeln, von Peter dem Großen, de Gaulle, Puschkin und von Jules Vernes „Kurier des Zaren“.

Je länger Macron plauderte, umso tiefer sanken Putins Mundwinkel. Das mag an den vierstündigen Verhandlungen vorher gelegen haben, beide Staatschef hatten sie als „sehr offen“ bezeichnet, eine diplomatische Umschreibung für Streit. Wladimir Putin redete auf der Pressekonferenz 18, Macron knapp 36 Minuten. Er duzte seinen Amtskollegen, erklärte ihm altklug, Petersburg sei ja seine Stadt, Putin sei hier aufgewachsen, habe hier gelernt, die Stadt verwaltet. Außenminister Sergej Lawrow blickte auf die Uhr, Verteidigungsminister Sergei Schoigu pumpte wiederholt die Backen auf.

In Russland ist man nicht gewöhnt, dass jemand die Verbaldominanz Putins streitig macht. Der russische Staatschef selbst stolperte über Fakten, bezeichnete den als angeblichen Terroristen zu 20 Jahren Haft verurteilten Filmregisseur Oleg Senzow als Journalisten. Und auf eine Frage nach Internetattacken, derer man Russland oft verdächtigt, begegnete er: „Es heißt doch, dass Aktionen Gegenreaktionen hervorrufen …“Das klinge fast wie ein Eingeständnis, kommentierte die Zeitung „Kommersant“. „Aber viel eher wohl hat Herr Putin die Frage nicht richtig verstanden.“

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