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Rumsfelds Memoiren Rückblick eines rechthaberischen Feldherrn

Ex-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld lässt in seinen Memoiren jede Einsicht vermissen. In "Known and Unknown" bekommen George W. Bush, Condoleezza Rice und andere ihr Fett weg.

07.02.2011 16:00
Dietmar Ostermann
Donald Rumsfeld hat seine Memoiren geschrieben. Foto: dpa

Nun hat also auch Donald Rumsfeld seine Memoiren geschrieben. „Known and Unknown“ (Bekannt und unbekannt) kommt in den USA am heutigen Dienstag in die Buchläden. 815 Seiten aus dem Leben jenes Mannes, der als Verteidigungsminister zwischen 2001 und 2006 die Ära von George W. Bush mitprägte. Am Ende ging Rumsfeld in Schimpf und Schande als starrköpfiger Feldherr, der den Irak ins Chaos und Amerika fast in die Niederlage gestürzt hatte.

Auch der düstere Folterskandal von Abu Ghraib, bei dem irakische Gefangene von US-Soldaten sadistisch gequält wurden, fiel in seinen Verantwortungsbereich. Dazu hatte man im Lebensbericht des heute 78 Jahre alten Ex-Ministers vor allem auf das „Unknown“ gehofft, das bislang Unbekannte. Dass Rumsfeld Einsicht und Reue zeigen würde wie einst sein Vorgänger Robert McNamara, der Architekt des Vietnamkrieges, stand indes nie zu erwarten. McNamara hatte in seinen Memoiren und in dem Oscar-prämierten Dokumentarfilm „The Fog of War“ mit dem Vietnamdebakel abgerechnet. Man konnte sehen, wie der Tod von Zehntausenden US-Soldaten und zwei Millionen Vietnamesen auf dem Gewissen des alten Mannes lastete, der vor der Kamera Tränen der Scham vergoss.

Derlei dürfte Rumsfeld beim Schreiben seiner Memoiren nicht widerfahren sein. Rumsfeld sieht keinen Grund für Entschuldigungen. Wäre Saddam Hussein noch an der Macht, wäre „die Region viel gefährlicher, als sie heute ist“, schreibt er. Wo etwas schiefging, sind andere schuld: George Tenet etwa, damals CIA-Chef, habe falsche Informationen über Saddams angebliche Massenvernichtungswaffen geliefert. „Wir wissen, wo sie sind“, hatte Rumsfeld bei Kriegsbeginn behauptet. Als Bagdad nach dem US-Einmarsch in Anarchie verfiel, tat Rumsfeld das gefährliche Machtvakuum mit flotten Sprüchen ab. Im Leben laufe halt nicht alles glatt, Demokratie sei unordentlich.

Irak versank im Bürgerkrieg

Jetzt bestreitet er, den irakischen Widerstand unterschätzt, trotz des Chaos auf eine möglichst kleine US-Streitmacht gedrungen zu haben. Im Rückblick hätten mehr Truppen vielleicht geholfen, doch die Generäle hätten sie nie angefordert, behauptet Rumsfeld.

Freilich wussten die Militärs, dass der Minister „nation building“ verabscheute. Rumsfeld wollte den Irak an eine Regierung aus US-treuen Exilanten übergeben und schnell abziehen. Dass es anders kam, schreibt er seinem Intimfeind, Außenminister Colin Powell, und dem ersten Statthalter in Bagdad, Paul Bremer, zu, die langfristige Wiederaufbaupläne schmiedeten. „Diese wichtigen Differenzen wurden im Nationalen Sicherheitsrat nie gelöst“, schreibt Rumsfeld. So bekommen auch die damalige Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice und Präsident Bush ihr Fett weg.

Aber warum änderte Rumsfeld seine Strategie nicht, als der Irak im Bürgerkrieg versank? Erst nach dessen Entlassung 2006 schickte Bush mehr Truppen, um die Gewalt einzudämmen. Nicht Folter und Guantánamo, sondern dass er nach dem Abu-Ghraib-Skandal 2004 im Amt blieb, weil Bush zwei Rücktrittsgesuche ablehnte, bedauert Rumsfeld heute. Einige seiner Sprüche wie der vom „alten Europa“ seien vielleicht nicht geschickt gewesen, räumt er ein. Sonst aber zeigt er sich, wie man ihn kennt: rechthaberisch und angriffslustig.

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