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Rumänische Akademie Beifall für Holocaust-Leugner

Das Leugnen des Holocaust steht auch in Rumänien unter Strafe, dennoch ist es gang und gäbe. Die jüngste Skandal-Rede ereignet sich ausgerechnet in der nationalen Akademie. Die Zuhörer applaudieren - angeblich aber nur, weil der ermüdend lange Vortrag zu Ende ist.

01.03.2013 14:10
Holocaust-Denkmal in Berlin. Foto: dpa

In Rumänien hat ein Historiker in einer Rede vor der nationalen Akademie die Beteiligung seines Landes am Holocaust geleugnet und anschließend Beifall der Zuhörer bekommen. Die Behauptungen des Historikers Vladimir Iliescu wurden erst bekannt, als der Verband der Jüdischen Gemeinden sowie das Holocaust-Museum in Washington protestiert hatten. Erst zwei Wochen nach dem Vortrag distanzierte sich die Leitung der Akademie von den Aussagen Iliescus, wie die rumänische Tageszeitung „Adevarul“ am Freitag berichtete.

Iliescu hatte bis vor kurzem auch als Gastlektor an der Universität Aachen gearbeitet. Das Leugnen des Holocaust steht in Rumänien seit 2002 unter Strafe, es drohen bis zu fünf Jahre Haft. Rumänien hat als Verbündeter von Hitler-Deutschland nach Expertenschätzung mindestens 220.000 Todesopfer des Holocaust zu verantworten.

Iliescu hatte am 14. Februar bei einer Veranstaltung in der Bukarester Akademie unter anderem gesagt: „Der Holocaust in Rumänien ist eine riesige Lüge auf kosmischer Ebene“. Juden seien während der Allianz Rumäniens mit Nazi-Deutschland „nur verfolgt“, aber nicht getötet worden. Von den in Konzentrationslager deportierten Juden seien „viele zurückgekommen“.

Unbezahlter Gastlektor an der Uni Aachen

In ihrer Stellungnahme erklärte die Akademie, der Beifall nach Iliescus Rede habe nicht deren Inhalt gegolten. Vielmehr sei er Ausdruck der Freude der „müden“ Zuhörer darüber gewesen, dass der lange Vortrag zu Ende sei. Man habe auf deren Inhalt in Bezug auf den Holocaust nicht sofort reagiert, weil man ihn als nebensächlich eingeschätzt habe.

Iliescu war bis vor kurzem als unbezahlter Gastlektor für osteuropäische Geschichte an der Universität Aachen aktiv. Wegen seines Auftritts als Holocaust-Leugner in Bukarest habe die Aachener Universität die Zusammenarbeit mit ihm beendet, schrieb „Adevarul“.

Auch Rumäniens heutiger Minister für Infrastruktur, Dan Sova, ein studierter Historiker, hatte im Sommer 2012 den rumänischen Holocaust geleugnet. Er entschuldigte sich nach öffentlichen Protesten und wurde ein halbes Jahr später von seinem Parteifreund, Ministerpräsident Victor Ponta, zum Minister nominiert.

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