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Rüstungsverkäufe Deutsche Waffenhändler dick im Geschäft

Weltweit verzeichnet das Stockholmer Sipri-Institut etwas weniger Rüstungsverkäufe als in den Vorjahren. Das Plus der deutschen Rüstungsunternehmen von 9,4 Prozent führen die Forscher vor allem auf die Umsatzsteigerung des Industrie-Konzerns ThyssenKrupp zurück.

Nein, es ist kein Computerspiel: Hier stellt ThyssenKrupp in Singapur Systeme für die Marine vor. Foto: REUTERS

Die weltweiten Verkäufe der größten Rüstungsunternehmen sind zum vierten Mal in Folge leicht gesunken. Zusammen erzielten die 100 wichtigsten Hersteller im Jahr 2014 einen Umsatz von 401 Milliarden US-Dollar (366 Millionen Euro). Das bedeutet einen Rückgang von 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie aus einem aktuellen Bericht des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri hervorgeht.

Der Rückgang lässt sich in erster Linie darauf zurückführen, dass US-amerikanische und westeuropäische Unternehmen weniger Geld mit Waffen verdienten. Es gibt in Westeuropa allerdings zwei Ausnahmen: nämlich Deutschland und die Schweiz. Das Plus der deutschen Rüstungsunternehmen von 9,4 Prozent führen die Forscher vor allem darauf zurück, dass der Industrie-Konzern ThyssenKrupp seinen Umsatz mit Waffengeschäften erheblich gesteigert hat. Das Unternehmen verkaufte für 2,31 Milliarden US-Dollar Waffen, für das Jahr davor sind noch 1,77 Milliarden verzeichnet.

Lockheed Martin steht auf Platz 1

Damit klettert ThyssenKrupp in der Liste der wichtigsten Waffenverkäufer von Platz 59 auf Platz 42. Rheinmetall liegt als stärkstes deutschen Unternehmen mit knapp drei Milliarden US-Dollar aus Waffenverkäufen sogar auf Platz 31, ist allerdings eher geringfügig gewachsen. Zu einem Schlüsselakteur hat sich Russland entwickelt. „Russische Unternehmen haben das Wachstum der Waffenverkäufe außerhalb der USA und Westeuropa entscheidend angetrieben, mit einem Wachstum von mehr als 48 Prozent ihres Gesamtumsatzes“, heißt es in dem Bericht. Elf russische Unternehmen befinden sich unter den 100, die Sipri als am wichtigsten ausmacht. Auch wenn sie an Umsatz verloren haben, sind es noch immer Unternehmen aus den USA, die mit Abstand am meisten Geld mit Waffen und Rüstungsgütern verdienen. 38 von ihnen stehen auf der Liste der wichtigsten 100 Unternehmen, sieben davon unter den ersten zehn. Auf Platz 1 steht Lockheed Martin mit 37,5 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz. Danach folgen der Boeing-Konzern mit 28,3 US-Milliarden Dollar und BAE Systems aus Großbritannien mit 25,7 Milliarden US-Dollar. Trotz des leichten Rückgangs weisen die Friedensforscher darauf hin, dass die 100 größten Waffenunternehmen noch im Jahr 2002 erheblich geringere Umsätze hatten, die dann bis 2010 kräftig anstiegen. Zudem stellt sich die Frage, wie der Gesamtwert ausfiele, wenn auch chinesische Firmen in der Liste aufgeführt würden. Die Wissenschaftler berücksichtigen diese nämlich nicht, weil es an einer sicheren Datenbasis fehlt.

Zahlen für das Jahr 2015 enthält der Sipri-Bericht noch nicht. Was Deutschland angeht, so ist zumindest klar, dass der Umfang der Rüstungsexporte auch in diesem Jahr wieder gestiegen ist. Denn bereits im ersten Halbjahr hatte die Bundesregierung Exporte in einem ähnlich großen Umfang genehmigt wie im Vorjahr. Ein Rückgang zeichnete sich immerhin bei den Kleinfeuerwaffen ab. „Es ist eine Schande, dass Deutschland zu den größten Waffenexporteuren gehört“, hatte Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) nach seinem Amtsantritt erklärt. Seitdem hat er viel Kritik aus der Opposition für genehmigte Exporte einstecken müssen. Doch auch eine andere Haltung ist nicht konfliktfrei. So hat Heckler & Koch Untätigkeitsklage gegen die Bundesregierung eingereicht, weil der Waffenhersteller derzeit keine Genehmigung erhält, um Teile für den Bau von G 36-Gewehren nach Saudi-Arabien zu liefern.

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