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Rüstungsexporte Windräder statt Panzergetriebe

Rüstungskonzerne sollten sich wandeln und ihre Unternehmen umstrukturieren.

Windkraftgetriebe aus Sachsen. Foto: imago/Rainer Weisflog

Wohnungen in alten Bunkern, Sportplätze auf ehemaligem Kasernengelände oder ein Gewerbepark auf einem stillgelegten Flugplatz. Wenn Streitkräfte abgezogen und die Rüstungsindustrie verkleinert werden, bleibt die Frage, was mit alten Fabriken und Geländen geschieht. Als Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel ankündigte, Rüstungsexporte an Drittstaaten zurückfahren zu wollen, war die Sorge unter den Rüstungsfirmen groß: Tausende Arbeitsplätze könnten wegfallen, sollten die Exporte nicht mehr für volle Auftragsbücher sorgen können.

Dabei gäbe es Möglichkeiten, die Unternehmen umzustrukturieren. Ziel der Bundesregierung für die nächsten Jahre ist eine Ausrichtung, die die Branche unter den Begriffen Konversion und Diversifikation zusammenfasst. Kurz gesagt sollen Rüstungsfirmen sich ein zweites Standbein aufbauen. Wer hochempfindliche Pistolen baut, kann auch präzise Maschinen bauen. Wer Panzergetriebe zusammenschraubt, sollte auch Windräder herstellen können.

Lieber einfach weiter machen

Bislang scheitert es allerdings am Willen der Firmen, die lieber so weiter machen würden wie bisher. Denn die Umrüstung ist teuer. „Die Unternehmen rücken immer mehr hohe Renditen ins Zentrum, auch weil sie sich zunehmend auf dem Finanzmarkt orientieren“, sagt IG-Metall-Vertreter Jürgen Bühl im Gespräch mit der FR. Denkbar sei daher etwa auch ein Fonds, mit dem die Bundesregierung die Konversion fördern könnte.

Ein Beispiel, wo öffentliche Gelder zu gelungener Konversion geführt haben, ist Rheinland-Pfalz. Seit 1989 ist kein anderes Bundesland stärker vom Abzug deutscher, amerikanischer und französischer Truppen betroffen. Etwa 83 000 militärische und 34 000 zivile Arbeitsplätze sind dadurch in den vergangenen 25 Jahren allein in Rheinland-Pfalz verloren gegangen.

Gelungener Neuanfang

Statt Flugplätze und Kasernen verfallen zu lassen, fördert die Landesregierung aber die Umwandlung für die zivile Nutzung – mit zuletzt knapp 34 Millionen Euro. Wo früher Soldaten geschossen haben, stehen jetzt Wohnungen und Photovoltaikanlagen. Zudem finanzierte die Landesregierung Schulungen und Qualifizierungsmaßnahmen ehemaliger Waffenbauer.

Das Bonner Institut für Konversion (BICC) beschäftigt sich intensiv mit dem Rückbau militärischer Anlagen. Das Argument der Rüstungsfirmen, wonach Mitarbeiter ihren Job verlieren können, scheint hier widerlegt. „Bei der Mehrheit der Beschäftigten in der Rüstungsindustrie handelt es sich um hochqualifizierte Fachleute, wie Ingenieure, Maschinenbauer oder Elektronik- und Comupterspezialisten“, sagt Marc von Boemcken vom BICC. In der zivilen Wirtschaft würden sie sehr wahrscheinlich leicht einen Job finden.

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