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Rüstung Asien wird zur gefährlichen Waffenkammer

Weil Peking das komplette Südchinesische Meer für sich beansprucht, rüstet ganz Asien auf. Am Wettrüsten rund um China wollen laut Sipri-Experten auch die Deutschen verdienen.

Eine Schaufensterpuppe auf einer internationalen Rüstungsschau in China. Foto: dpa

Chinas Aufstieg als Weltmacht und der Territorialstreit im Südchinesischen Meer machen Asien mehr und mehr zur größten und gefährlich dicht gefüllten Waffenkammer der Welt. Nach neuen Erhebungen des Stockholmer Friedensforschungsinstitutes Sipri ist in den letzten fünf Jahren mit 46 Prozent fast die Hälfte der globalen Rüstungsexporte in die asiatischen Länder gegangen. Der europäische Anteil fiel im Zeitraum 2011 bis 2015 von 21 auf elf Prozent aller Importe. Durch die Aufrüstung von Golfstaaten, allen voran Saudi-Arabien, überholte die Kriegs- und Krisenregion Nahost Europa als zweitgrößten Rüstungsimporteur der Welt mit einem Anteil von 25 Prozent.

„Vor allem in Südasien ordern etliche Länder schnell und massiv große neue Waffensysteme und schaukeln sich dabei gegenseitig hoch,“ sagte Sipris Asienexperte Pieter Wezeman. Wichtigster Auslöser sei das aggressive Vorgehen Pekings bei seinem Anspruch auf das komplette Südchinesische Meer. Mit Indien, China, Australien, Pakistan, Vietnam und Südkorea gehören sechs der zehn wichtigsten Rüstungsimporteure zu Asien.

Allein Vietnam hat in den letzten fünf Jahren die Rüstungseinfuhren um 699 Prozent gesteigert und stieg damit vom 43. zum achtgrößten Importeur der Welt auf. Die Regierung in Hanoi hat unter anderem acht Kampfflugzeuge vom Typ SU 30 in Russland und erstmals in der Geschichte des Landes überhaupt U-Boote bestellt. Wie 90 Prozent aller Rüstungslieferungen an Vietnam kommen sie aus russischer Produktion. „Die Russen liefern billig, schnell, haben gut erprobte Waffensysteme und stellen keine großen Fragen zu Menschenrechten“, so Wezeman.

Er hob die Bedeutung von U-Booten beim Rüstungswettlauf in Asien „als perfekt zur Bekämpfung unerwünschter Territorialansprüche“ heraus. Auch arme Länder wie die Philippinen, Bangladesch und Myanmar legten sich dieses extrem teure Kampfmittel zu. Australien, militärisch mit Malaysia und Singapur verbündet, will zwölf U-Boote ordern und bestellt Waffensysteme mit großer Reichweite. Japan baut seine U-Boot-Flotte mit eigenen Kapazitäten aus. Stetig wachse bei dieser Entwicklung im Südchinesischen Meer die Gefahr von militärischer Eskalation nach „Missverständnissen“, sagte der Sipri-Experte: „Es gibt immer mehr permanent aktive Waffensysteme in Gebieten ohne klare Regelsätze, wo jeder Kommandant sich auf eigenem Territorium wähnt.“

Rüstung um 699 Prozent gesteigert

„Sehr aktiv“ auf diesem wichtigsten Wachstumsmarkt für Rüstungsprodukte sind nach den Sipri-Angaben auch deutsche Anbieter, allen voran ThyssenKrupp (TKMS) mit seinen U-Booten aus Kiel. TKMS hat an Singapur geliefert, Lizenzaufträge an Südkorea verkauft und kämpft um Aufträge aus Australien, Singapur, Indonesien und Thailand. In Indien, dem größten Rüstungsimporteur der Welt vor Saudi-Arabien, kämpft Airbus unter deutscher Federführung um eine Bestellung von Eurofighter-Kampfflugzeugen.

„Der Druck auf die deutsche Rüstungsindustrie ist enorm, Verluste auf dem europäischen Markt gutzumachen“, sagte Siemon Wezeman, bei Sipri auch für Deutschland zuständig (und Bruder von Pieter). Dessen Anteil an den Ausfuhren von größeren Waffensystemen ist seit 2011 um 51 Prozent gefallen. Der Weltmarktanteil sank von elf auf 4,7 Prozent. Wichtigster Grund waren leere Kassen bei europäischen Kunden wie Griechenland und Spanien. Neben Asien haben sich als Ersatz vor allem Golfstaaten in Nahost angeboten. „Durchschlagend“ hätten sich Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Kuwait und Oman in den letzten Jahren mit neuesten Hightech-Waffensystemen ausgerüstet. „Im Jemen haben sie diese Systeme nun auch erstmals ohne jede Beteiligung von Nato oder Vereinigten Staaten selbstständig eingesetzt“, sagt Wezeman.

In den letzten fünf Jahren sind die Rüstungsimporte in Nahost um 61 Prozent gestiegen. Saudi-Arabien bestellte 275 Prozent mehr als 2006-2010. Das wird sich nach den Sipri-Daten auch durch den extrem niedrigen Ölpreis nicht ändern: Längst sind für die nächsten fünf Jahre 175 neue Kampfflugzeuge, Tausende Luft-Boden-Raketen und anderes mehr geordert. Die Golfstaaten haben ungebrochen weiter Interesse an deutschen Leopard-Panzern, für die der Markt in Europa in den letzten Jahren markant geschrumpft ist.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier China

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