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Rückkehr von Obama „Wir haben ihn so vermisst“

Barack Obama meldet sich nach neunmonatigem Schweigen in der US-Innenpolitik zurück. Seine Anhänger sind euphorisiert. Aber der ehemalige Präsident will nicht zur Anti-Trump-Ikone werden.

Barack Obama
Der ehemalige US-Präsident Barack Obama bei einer Wahlkampfveranstaltung in Richmond, Virginia. Foto: afp

Sie haben stundenlang in der Schlange gestanden und ihn dann wie einen Pop-Star empfangen. Nach ein paar Minuten hat der ganze Saal „Yes, we can!“ skandiert. Der drahtige Mann mit dem angegrauten Ultrakurzhaarschnitt könnte die 7500 Zuhörer in Virginias Hauptstadt Richmond leicht in den Rausch reden. „Four more years!“, haben sie kurz zuvor bei einem Auftritt in New Jersey gebrüllt: „Mach’s nochmal, Barack!“ Aber das will Barack Obama erkennbar nicht: Kein Ego-Trip, keine platte Anti-Trump-Kundgebung. In Richmond hält er die Stimmung knapp unter dem Siedepunkt und spielt den Ball ans Publikum zurück: „Wir entscheiden, in welche Richtung unser Land geht - nicht irgendein König oder Herrscher!“

Neun Monate lang hat sich der frühere US-Präsident aus dem politischen Getümmel herausgehalten. Ein Vortrag hier, eine Diskussionsveranstaltung dort, eine neue Stiftung zur Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements schließlich. Man hatte nie Zweifel, wie sehr der radikale Stimmungswechsel nach seinem Auszug aus dem Weißen Haus den 56-Jährigen umtrieb. Aber an diesem Donnerstag greift Obama erstmals wieder direkt in die amerikanische Innenpolitik ein: Bei zwei Kundgebungen schlägt er laut die Trommel für die demokratischen Bewerber bei Gouverneurswahlen.

Gegenentwurf zur Trump-Präsidentschaft

„Ich freue mich auf eine anregende und begeisternde Rede“, sagt Carole Anderton, die mit ihren zwei erwachsenen Kindern aus dem 170 Kilometer entfernten Virginia Beach angereist ist: „Hoffnung – das ist es, worauf wir so lange gewartet haben.“ Das gilt für andere Zuschauer durchaus im wörtlichen Sinn: Bereits um sieben Uhr morgens, zwölf Stunden vor der Obama-Rede,  hat sich Kenney Lewis mit einem Dutzend Freunde morgens in die Schlange gestellt, um auf jeden Fall einen guten Platz im Saal zu bekommen. „Wir haben ihn so vermisst“, sagt der 30-jährige Medizinstudent: „Ich hoffe, dass er aufzeigt, wie eine gute Politik aussehen könnte.“

So geht es vielen der 7500 Männer und Frauen, die schließlich Einlass in das Kongresszentrum erhalten. Manche von ihnen tragen Obama-T-shirts, andere kaufen sich draußen noch Handtaschen mit dem Konterfei von Präsidentengattin Michelle. Sie sind jung und alt, schwarz und weiß – ein Abbild der multiethnischen Ostküstengesellschaft. Und alle eint die Sehnsucht nach einem Gegenentwurf zur deprimierenden Trump-Präsidentschaft.

Barack Obama schafft es, in seinem halbstündigen Vortrag den Namen seines Nachfolgers kein einziges Mal zu erwähnen. Formal redet er über die regionalen Gouverneurswahlen. Aber viele Anmerkungen haben einen doppelten Boden. „Statt nach Wegen zu suchen, wie man zusammenarbeiten und Verbesserungen praktisch umsetzen kann, gibt es Leute, die absichtlich versuchen, die Bevölkerung wütend zu machen, Leute mit anderen Überzeugungen zu dämonisieren um einen kurzfristigen taktischen Vorteil zu erzielen“, ruft er in den Saal. Das kann man auf den republikanischen Gouverneurskandidaten Ed Gillespie beziehen. Aber mehr noch gilt es natürlich für Donald Trump. An anderer Stelle wird Obama überdeutlich: „Amerikas Demokratie ist in Gefahr“, warnt er mit ernster Stimme. Ein kurzer Satz ist das nur, aber eine Mahnung mit donnerndem Nachhall.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

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