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Rückkehr aus Spanien Dogan Akhanli will unbequem bleiben

Der Erdogan-kritische Autor Dogan Akhanli steht nach einem Vorfall in Düsseldorf unter Personenschutz. Seinen Kampf gegen das Unrecht in der Türkei will Akhanli fortsetzen.

Dogan Akhanli
Der türkischstämmige Autor Dogan Akhanli ist zurück in Köln. Foto: dpa

Dogan Akhanli wirkt ein wenig schüchtern, als er am Freitag im Kölner Rathaus vor Kamera-Teams und Reportern steht. Seine Kämpfernatur bricht sich erst später Bahn. Am Tag nach seiner Rückkehr aus Spanien, wo der türkischstämmige Autor und Wahl-Kölner wegen eines Auslieferungsbegehrens der Türkei zwei Monate lang festsaß, lässt er aber erst mal seinen Anwalt Ilias Uyar sprechen. 

„Die Szene in Düsseldorf war ein Rückschlag“, sagt Uyar. Akhanli war am Donnerstag auf dem Düsseldorfer Flughafen von einem Mann als „Vaterlandsverräter“ beschimpft und bedroht worden. Das Wort habe in der Türkei eine besondere Bedeutung, erläutert Uyar: „Das ist der Punkt, an dem jemand für vogelfrei erklärt wird.“ Dann rief der Mann noch: „Dieses Land wird Dich nicht schützen können.“

Grund, sich in Deutschland vorm Einfluss des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan sicher zu fühlen, hat Akhanli offenbar nicht. Am Freitag stellte er Anzeige wegen Bedrohung, er steht nun auch unter Personenschutz. „Es ist klar, dass es jemand war, der etwas mit dem türkischen Staat zu tun hat“, sagt Uyar zu dem verbalen Übergriff. Akhanli räumte ein, von dem Vorfall, bei dem er emotional reagierte, „genervt und verletzt“ zu sein. Langfristig werde er sich seine Freude aber nicht nehmen lassen.

Dogan Akhanli ist erschöpft, aber unterkriegen lassen will er sich nicht. Das wird im Laufe der Pressekonferenz, auf der sich Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker „froh und erleichtert“ zeigt, dass er wieder „bei uns“ ist, deutlich. „Ich kämpfe gegen das Unrecht in der Türkei und ich tue es weiter“, sagt Akhanli: „Meine einzige Abwehr ist, dass ich schreiben kann.“ 

 Der 60-Jährige war am 19. August während eines Urlaubs in Andalusien festgenommen worden, wegen eines Auslieferungsersuchens der türkischen Behörden via Interpol. Vorgeworfen wird Akhanli unter anderem die Verwicklung in einen Mordfall in Istanbul, allerdings war er bereits 2010 in der Türkei davon freigesprochen worden. Vergangenen Freitag entschied die spanische Regierung, Akhanli nicht auszuliefern. Spanien habe seinen Fall in die Länge gezogen, so Akhanli, am Ende habe es aber der Türkei die rote Karte gezeigt. Er dankte auch den vielen anderen Unterstützern. Seine Festnahme habe den positiven Effekt gehabt, eine politische Diskussion zu starten.

Seit dem Putschversuch 2016 ist die Türkei unberechenbar, darin sind sich der Autor und sein Anwalt einig: „Die Staatsanwaltschaften führen das aus, was die AKP-Regierung vorgibt“, sagt Uyar. Die Europäische Union und insbesondere Deutschland müssten nun eine klare Haltung zur Türkei entwickeln. „Was ist dieses Land für Europa, darauf muss die EU eine Antwort finden.“ Sonst werde den Menschen, die für die Demokratie kämpften, geschadet. Deutschland müsse die Zusammenarbeit mit der Türkei einstellen. 

Oberbürgermeisterin Henriette Reker dankte Madrid für die Entscheidung, Akhanli nach Deutschland ausreisen zu lassen: „Das ist ein Zeichen dafür, dass wir uns in Europa auf Rechtsstaatlichkeit verlassen können.“

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Türkei

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