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Rudi Friedrich im Porträt Ein Stiller unter den Gerechten

Rudi Friedrich und seine Mitstreiter von Connection helfen Asylbewerbern und Kriegsgegnern. Das Engagement wird mit dem Förderpreis der Martin-Niemöller-Stiftung belohnt. Von Andreas Schwarzkopf

Rudi Friedrich, 46, Maurer, Soziologe und Helfer vieler Asylbewerber und Kriegsgegner, wird am Freitag geehrt. Foto: privat

Gibt es sie noch? Menschen, die sich für eine gerechtere Welt einsetzen und dabei auf die Kraft des Arguments vertrauen, um Menschen in Not zu helfen? Ja. Rudi Friedrich und seine Mitstreiter von Connection unterstützen seit 1993 andere dabei, nicht mit der Waffe auf Menschen in Uniform schießen zu müssen. Für dieses Engagement bekommen sie auch noch Geld. 5000 Euro und den Förderpreis der Martin-Niemöller-Stiftung.

Bei der Preisverleihung in Frankfurt wird einer im Rampenlicht stehen, der sonst im Hintergrund wirkt. Rudi Friedrich organisiert etwa Informationsreisen, bei denen die israelische Kriegsdienstverweigerin Keren Assaf erzählt, wie sie mit Hilfe verschiedener Organisationen israelische und palästinensische Jugendliche zusammenbringt, damit sie einander von ihrem Alltag erzählen. Oder er lädt zu Pressekonferenzen wie im Fall des US-Deserteurs André Shepherd. Der wollte nicht zurück in den Irakkrieg, entfernte sich deshalb unerlaubt von der Truppe, um erst in Deutschland unterzutauchen und anschließend mit Hilfe von Connection einen Asylantrag zu stellen.

Friedrich gehört nicht zu den Marktschreiern. Bei Veranstaltungen von Connection führt er unaufgeregt und mit ruhiger Stimme kurz ins Thema ein und lässt ansonsten seine Protagonisten reden. Nur wenn er über die Eritreer spricht, schwingt ein wenig Stolz mit. Als um die Jahrtausendwende viele vor dem Krieg ihres Landes mit Äthiopien nach Deutschland flüchteten, wurden fast alle als Asylbewerber abgelehnt. Friedrich und seine Mitstreiter informierten. So erfuhr die deutsche Öffentlichkeit, dass es in dem afrikanischen Land kein Verweigerungsrecht wie hier gibt, dass in Eritrea gefoltert wird, wer nicht zur Armee geht. Nach der Offensive von Connection und anderen Organisationen wurden dreißig statt zuvor fünf Prozent dieser Asylbewerber anerkannt.

Friedrich machte nach dem Abitur eine Lehre als Maurer, anschließend studierte er Soziologie. Über den Zivildienst kam er zur Deutschen Friedensgesellschaft - Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK). Als zu Beginn der 1990er Jahre Zigtausende vor den Kriegen auf dem Balkan oder im Irak nach Deutschland flohen, gründete Friedrich mit anderen Connection, um sich für internationale Verweigerer einzusetzen. Seither verdient seine Frau das Geld fürs Leben, und Friedrich bekommt als einziger hauptamtlicher Connection-Mitarbeiter so etwas wie ein Gehalt.

Für das Engagement sind Connection und Friedrich auf Spenden angewiesen. Dies ist sicher ein Grund, warum der sonst so zurückhaltende 46-Jährige plötzlich offensiv wird. "Denken Sie an die Internetadresse?" Klar. www.connection-ev.de.

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