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"Rote Flora" Hamburg Straßenschlacht im Schanzenviertel

Eskalation in Hamburg: Beim Kampf um die Zukunft des Kulturzentrums "Rote Flora" bekriegen sich Polizei und Demonstranten. Die Veranstalter der Demonstration werfen der Polizei vor, das Versammlungsrecht auszuhebeln.

Viele Verhaftungen und Verletzte bei den Straßenschlachten in Hamburg. Foto: dpa

Die Demonstration am Samstag endet, noch bevor sie richtig angefangen hat. Als die Spitze des Zuges knapp 20 Meter zurückgelegt hat, sprinten gegen 15.10 Uhr Polizisten nach vorne, einige von ihnen setzen noch im Laufen ihre Helme auf. Die Beamten stoppen die Demonstranten, schubsen die ersten Reihen zurück, setzen sofort Schlagstöcke ein. Die Situation eskaliert. Demonstranten werfen Flaschen, Steine, Fackeln. Zwei Wasserwerfer fahren vor und spritzen ohne Vorwarnung Wasser in die ersten Reihen. Der Protestzug weicht zurück, Böller explodieren.

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Rund 8000 Menschen haben sich am Samstagmittag im Hamburger Schanzenviertel versammelt, um dem Ausdruck zu verleihen, dass etwas aus den Fugen geraten ist in der Hansestadt. Sie wollen gegen die drohende Räumung des seit mehr als 20 Jahren besetzten Kulturzentrums Rote Flora protestieren, gegen den Abriss der maroden „Essohäuser“ auf St. Pauli, gegen die harte Linie des SPD-Senats in der Flüchtlingspolitik. Dies alles sind Konflikte, die die Stadt seit Monaten in Atem halten. Seit Mittag haben sich Hunderte vor der Roten Flora versammelt, viele von ihnen schwarz gekleidete Mitglieder der autonomen Szene, angereist aus dem ganzen Bundesgebiet und dem europäischen Ausland.

Schlagstock und Wasserwerfer

Statt eines Protestzugs erlebt Hamburg im Laufe des Tages die schwersten Straßenschlachten seit vielen Jahren. Die Polizei drängt die Demonstranten mit Schlagstock und Wasserwerfer zurück vor die Rote Flora, diese schleudern im Gegenzug alles auf die Beamten, was sie in die Finger kriegen. Schnell weiten die Auseinandersetzungen sich auf die Nebenstraßen aus. Die Polizei riegelt das Schanzenviertel weiträumig ab und kesselt in der Juliusstraße Demonstranten ein.Sanitäter tragen erste Schwerverletzte aus der Gefahrenzone.

Die Polizei, die den Aufzug um 15.30 Uhr wegen „Unfriedlichkeit“ offiziell auflöst, sieht die Schuld für die Eskalation bei den Demonstranten. Mehrere Tausend Gewaltbereite hätten sich an der Spitze des Zuges versammelt, heißt es später, der Aufzug sei dann zu früh losgelaufen, zudem seien „Steine und Flaschen sowie entzündete Pyrotechnik“ gezielt auf Beamte geworfen worden. Erst daraufhin habe man den Zug gestoppt. Viele Augenzeugen dagegen sind sich einig: Die Stein- und Flaschenwürfe gab es erst, als die Demonstration bereits stand.
Scharmützel an vielen Orten

Scharmüzel in der ganzen Stadt

In den folgenden Stunden gibt es im ganzen Stadtgebiet Scharmützel. Die Lage ist unübersichtlich. Immer wieder sammeln sich in der Schanze oder vor den „Essohäusern“. Hunderte Demonstranten, immer wieder zerschlägt die Polizei die Ansammlungen. Sanitäter versorgen Menschen, die durch Pfefferspray verletzt worden sind. In der Innenstadt, die von der Polizei präventiv zum Gefahrengebiet erklärt worden ist, rufen kleinere Gruppen von Aktivisten Parolen und liefern sich ein Katz-und-Maus-Spiel mit den Beamten. Im Schanzenviertel und auf St. Pauli brennen an vielen Stellen Müllcontainer und Barrikaden. In Eimsbüttel werfen Unbekannte die Fenster des Bezirksamts ein, auch auf der Schanze gibt es überall Glasbruch. In der Kastanienallee auf St. Pauli hält die Polizei rund 300 Personen stundenlang in einem Kessel fest.

Hunderte Verletzte

Die aus dem ganzen Bundesgebiet zusammengezogenen rund 3000 Polizisten sind mit der Situation an vielen Stellen überfordert. Am Pferdemarkt, unweit der Roten Flora, greifen Polizisten sogar zwei Medienvertreter an. Sie sei mit einem freien Journalisten zwischen die Fronten geraten und habe sich an eine Wand geflüchtet, schilderte eine Mitarbeiterin der Nachrichtenagentur dpa die Situation. Als zwei Beamte sie aufgefordert hätten, sich zu entfernen, habe sie ihren Presseausweis hochgehalten und deutlich gesagt, dass sie Journalistin sei. „Daraufhin hat der eine Polizist gesagt, das sei ihm egal“, so die Reporterin. Er habe sie an der Jacke gepackt, ein anderer Polizist habe ihrem Kollegen gezielt mit der Hand ins Gesicht geschlagen.

Am Ende des Tages teilt die Polizei mit, dass rund 300 Menschen vorübergehend in Gewahrsam genommen wurden. Gegen 19 Personen werde jetzt wegen Landfriedensbruchs ermittelt. Insgesamt 117 Polizisten seien verletzt worden, 17 hätten im Krankenhaus behandelt werden müssen. Der Hamburger Ermittlungsausschuss, eine linke Rechtshilfegruppe, spricht von 500 verletzten und 20 schwerverletzten Demonstranten.

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