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Rente Verdi schlägt Alarm

44 Prozent verdienten 2015 weniger als 2500 Euro brutto im Monat. Verdi-Chef Frank Bsirske fordert deshalb eine Umkehr der Renten- und Lohnpolitik.

Rente
Bsirske und die Studie. Foto: dpa

Viele sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Deutschland werden nur Rentenansprüche auf Sozialhilfeniveau erwerben. Bleibt es bei der geplanten Absenkung des Rentenniveaus auf 43 Prozent des durchschnittlich erzielten Nettoeinkommens, würden 30 Prozent der west- und 40 Prozent der ostdeutschen Beschäftigten nach 45 Beitragsjahren auf Renten von rund 800 Euro und weniger kommen – die Grundsicherung im Alter lag 2015 im Bundesdurchschnitt bei 771 Euro. Das sind die zentralen Ergebnisse einer Studie im Auftrag der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Deshalb fordert Verdi-Chef Frank Bsirske eine Umkehr der Renten- und Lohnpolitik.

Grundlage der Berechnungen des Pestel-Instituts in Hannover sind die Bruttoarbeitseinkommen sozialversicherungspflichtig Beschäftigter von 2015. Danach verdienten 44 Prozent 2015 weniger als 2500 Euro brutto im Monat. Dabei stehen Beschäftigte in den ostdeutschen Ländern deutlich schlechter da. In Thüringen etwa lag der Verdienst von 62,1 Prozent der Beschäftigten unter der 2500-Euro-Schwelle, im wohlhabenden Baden-Württemberg waren es nur 37,8.

Bedeutsam ist dieses Einkommensniveau, weil es in etwa dem mittleren Nettoeinkommen entspricht. Wie die Berechnungen zeigen, reicht ein Bruttoeinkommen von 2500 Euro selbst nach 45 Beitragsjahren nicht aus, um Rentenauszahlungen deutlich über der Grundsicherung zu erreichen: Nach Abzug der Sozialabgaben bleiben bei einem Renteneintritt 2030 im Westen 904, im Osten 981 Euro im Monat. Legt man nur 40 Beitragsjahre zugrunde, was angesichts zunehmend unsteter Erwerbsbiografien wirklichkeitsnäher erscheint, sind es nur noch 804 und 872 Euro, nach 30 Jahren 604 und 654 Euro.

Für andere Arbeitnehmergruppen sieht es noch trister aus. Eine Teilzeitkraft mit 20 Wochenstunden und 15 Euro Stundenlohn kommt nach 45 Beitragsjahren auf 524 Euro im Westen und 569Euro im Osten. Ebenso klar unter der Grundsicherung bleiben Mindestlohnempfänger in Vollzeit und Beschäftigte mit 30 Wochenstunden bei einem Stundensatz von 12 Euro. Unter dem Strich bedeutet das: Etwa ein Drittel aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland kommen über das Grundsicherungsniveau nicht hinaus. „Wenn Personen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, im Ruhestand nicht mehr bekommen als andere, die nie einen Cent in die Rentenkassen eingezahlt haben, dann verletzt das das Gerechtigkeitsgefühl sehr vieler Menschen“, sagte Bsirske.

Der von der SPD jüngst vorgestellte Plan, das Rentenniveau bis 2030 auf dem derzeitigen Stand von knapp 48 Prozent des Arbeitsnettoeinkommens zu stabilisieren, reiche nicht aus, sagte der Gewerkschaftschef. Das Niveau müsse bis 2030 auf 50 Prozent steigen. Österreich mit einem Beitragssatz von derzeit 22,75 Prozent und durchschnittlich um 500 Euro höheren Monatsrenten zeige, dass auskömmliche Altersbezüge möglich seien. Stefan Sauer

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