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Regierungssprecher Vater für die Kanzlerin

Knallhart, polemisch und bisweilen auch verletzend - zumindest, wenn es seiner Chefin an den Kragen geht. Die heißt demnächst Angela Merkel. Klaus Vater soll stellvertretender Regierungssprecher werden. Von Michael Bergius

11.07.2009 00:07
MICHAEL BERGIUS
Noch Sprecher im Bundesgesundheitsministerium: Klaus Vater. Foto: dpa

Berlin. Beim letzten Mal, als Klaus Vater so richtig im Rampenlicht stand, sah es eng aus. Es war kurz vor Weihnachten 2008, als der Sprecher des Gesundheitsministeriums zu Kreuze kriechen musste: Ausgerechnet bei der Bild-Zeitung musste er sich entschuldigen, dass er im Eifer des Gefechts überzogen und dem Massenblatt mit dem Entzug einer Anzeige gedroht hatte.

Er habe die Sache verbockt und müsse sie auch aus der Welt schaffen, soll ihm seine Chefin Ulla Schmidt damals bedeutet haben. Und die Ansage der resoluten SPD-Ministerin an ihren langgedienten Chef-Kommunikator soll recht ultimativ gewesen sein.

Ein gutes halbes Jahr später winkt dem 63-Jährigen die Abberufung der besonderen Art. In Koalitionskreisen gilt als ausgemacht, dass Vater noch im Juli stellvertretender Regierungssprecher werden und Thomas Steg beerben soll. Steg soll dem Wahlkampf von SPD-Vize Frank-Walter Steinmeier dringend benötigten Schwung verleihen.

Vater auf Steg? Undenkbar, ein Witz! Diese Reaktion musste zwangsläufig kommen, seitdem die Personalie das Stadium des Gerüchts hinter sich gelassen hat. Beide sind Sozialdemokraten, Meister des Wortes, bewährt in Stressjobs. Damit sind aber auch schon alle Gemeinsamkeiten genannt.

Verbindlich und öffentlich nie laut

Steg, 49, ist verbindlich, öffentlich nie laut oder gar ausfallend; er ist seit Amtsantritt der großen Koalition vor bald vier Jahren der Meister der doppelten Loyalität: gegenüber Kanzlerin Angela Merkel, die ihn jetzt offenkundig nur ungern ziehen lässt, und gegenüber seiner Partei, die weiß, warum sie ihn holt, um ihre Botschaften unter die Leute zu bringen.

Vaters Loyalität galt der Sozialpolitik im Allgemeinen, seit 2002 seiner Chefin im Besonderen. Wer für das Gesundheitsressort arbeite, betreibe tägliches Krisenmanagement, hat er seinen Job mal umrissen. So umgänglich-gemütlich der Rheinländer im privaten Plausch daherkommt, so knallhart, polemisch und bisweilen auch verletzend knöpft er sich jene vor, die seine Dienstherrin und ihre Politik angehen.

Bis zur Bundestagswahl Ende September wird er ein anderes Profil bekommen müssen. Vater wird auf der Bank der Berliner Regierungssprecher von links außen in die Mitte rücken. Er wird sich Tadel für böse Presseberichte über Ulla Schmidt verkneifen und Auskunft darüber geben, wie Angela Merkel die Welt sieht.

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