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Reformkonflikt Teherans Parallelwelten

Der angebliche Suizid eines prominenten Umweltschützers in der Haft sorgt im Iran für Kritik an Hardlinern des Regimes. Umwelt wird zum Teil des Reformkonflikts.

Jahrestag der Islamischen Revolution im Iran
Teheran: Eine junge Frau nimmt an einer Feier zum 39. Jahrestag der Islamischen Revolution im Iran teil. Foto: dpa

Die Familie von Kavous Seyed Emami steht unter Schock. Auf seiner US-Tournee habe ihn die Nachricht vom angeblichen Selbstmord seines Vaters erreicht. „Das ist einfach unfassbar“, twitterte der Punk-Rock-Star Ramin Seyed-Emami, alias King Raam. „Ich glaube das nicht, wir alle glauben das nicht“, schrieb er und verlangte eine Autopsie.

Der Tote, der neben der iranischen auch die kanadische Staatsbürgerschaft besaß, gehörte zu den bekanntesten Umweltexperten des Iran. Er war Gründer und Chef der Persian Wildlife Heritage Foundation (PWHF), einer weltweit respektierten NGO, die sich um bedrohte Arten wie den persischen Leoparden und asiatischen Geparden kümmert, von dem noch maximal 50 Tiere leben – alle im Iran. Am 24. Januar wurde der 63-Jährige zusammen mit sieben Mitarbeitern vom Geheimdienst der Revolutionären Garden verhaftet. Die Justiz warf ihnen vor, unter dem Deckmantel des Umweltschutzes spioniert, strategische Informationen gesammelt und an Ausländer weitergegeben zu haben.

Zwei Wochen später war Kavous Seyed Emami tot, angeblich hatte er sich in seiner Zelle erhängt. Seitdem sorgt sein Ende in den sozialen Medien der Islamischen Republik für helle Empörung. Niemand glaubt den Angaben der Justiz, zumal ein Mit-insasse einem Journalisten die Nachricht zuspielen konnte, der Professor sei von seinem Vernehmungsoffizier erdrosselt worden.

Und so wandten sich am Montag führende Akademiker des Iran in einem offenen Brief an Präsident Hassan Ruhani und verlangten Aufklärung über den angeblichen Selbstmord. Der Tod von Kavous Seyed Emami habe die Gemeinschaft der Wissenschaftler und Umweltaktivisten schockiert, schrieben die Hochschullehrer und nannten, „die Nachrichten und Gerüchte über seine Verhaftung und seinen Tod nicht glaubhaft“.

Der Gestorbene sei nicht nur ein bekannter Lehrer, sondern auch ein hervorragender Wissenschaftler und eine einmalige Persönlichkeit gewesen. Das Mindeste, was man jetzt von Präsident Ruhani erwarte, sei eine seriöse Untersuchung. Zudem müssten alle Instanzen, die für „diesen schmerzlichen Verlust“ verantwortlich seien, zur Verantwortung gezogen werden.

Folter an der Tagesordnung

In einer ersten Reaktion twitterte ein enger Berater Ruhanis, die Justiz, die als Machtbastion der Hardliner gilt, müsse besser kontrolliert werden. Denn Irans Staatsanwälte, Vernehmungsbeamte und Richter üben ein intransparentes Willkürregime aus. Folter und Misshandlungen von Häftlingen sind an der Tagesordnung, Geständnisse werden erzwungen, die Prozesse sind unfair. Bereits starben Anfang Januar zwei Studenten, die während der landesweiten Unruhen verhaftet worden waren, unter mysteriösen Umständen im Gewahrsam, ebenfalls angeblich durch Selbstmord.

Am Samstag wurde dann sogar der junge Vize-Umweltminister Kaveh Madani verhaftet. Nach heftigem Tauziehen hinter den Kulissen kam der 36-Jährige tags darauf wieder frei, wie sein Chef, der Vizepräsident für Umweltfragen, Issa Kalantari, am Montag bestätigte. Die beiden gelten als führende Wasserexperten der Nation, die den ökologischen Raubbau der Islamischen Republik offen kritisieren.

Entsprechend spielt der iranische Wasserbankrott in dem sich zuspitzenden Machtkampf zwischen Moderaten und Hardlinern eine immer wichtigere Rolle. In den Jahresberichten der PWHF wurde das Versiegen der Quellen als zentrale Bedrohung für die einheimischen Wildtiere genannt. Denn nirgendwo ist 39 Jahre nach der Staatsgründung das Versagen der klerikalen Machtelite so augenfällig wie bei dem Umweltdrama des Landes, das übrigens auch einer der Hauptgründe für die Massenproteste Anfang des Jahres war.

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