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Rechtsterror Beste Kontakte nach Sachsen und Thüringen

Karl-Heinz Hoffmann lebt auf einem Rittergut nahe Leipzig und pflegt seine Verbindungen zu Rechtsextremen. Der Ex-Anführer der Wehrsportgruppe Hoffmann steht der NPD nahe. Juristen sind für ein Parteiverbot.

Karl-Heinz Hoffmann mit Anhängern bei einer Veranstaltung im April in Nürnberg Foto: www.roggenthin.de

Karl-Heinz Hoffmann ist begeistert von seinen Mangalitza-Wollschweinen. „Die Fruchtbarkeit unserer Sauen hat unseren Schweinebestand auf über hundert Exemplare anschwellen lassen“, schwärmt der 74-Jährige. „Kaum sind zehn Schweine vermarktet, liegen schon wieder zwölf Ferkel am Gesäuge einer Muttersau.“

Hoffmann, der vor gut 30 Jahren in seiner „Wehrsportgruppe Hoffmann“ noch Neonazis für den Endkampf um Deutschland trainierte, macht jetzt also in Schweine. Ein Rittergut hat er sich dafür gekauft, in Sahlis im Kohrener Land, einer Gegend im Süden des Landkreises Leipzig. Die wuchtigen Gebäude des mehr als 600 Jahre alten Rittergutes allerdings sind bis auf das Herrenhaus verfallen und werden vom Hausschwamm zerfressen.

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Warum der Alt-Neonazi Hoffmann sich diese Ruine 2003 ans Bein gebunden hat, bleibt für viele rätselhaft. Er selbst, der für ein persönliches Gespräch nicht zur Verfügung stand, schwadroniert auf seiner Internetseite von selbstloser Verantwortung für ein historisches Gebäude. Die sächsischen Behörden immerhin haben ihm das geglaubt: 130.000 Euro hat er an Fördergeldern für die Restaurierung des Gutes in den letzten Jahren kassiert. Wohl nicht immer zu Recht, 2010 erhielt Hoffmann eine Rückforderung über 17.000 Euro.

Im Ort Kohren-Sahlis zweifelt man seit langem an dem vermeintlich selbstlosen Engagement des Alt-Neonazis. Auch weil Hoffmann allen Bürgern des kleinen Städtchens aus dem Weg geht. Die Wege zum Gut sind mit Baumstämmen blockiert, die Eingangstore mit Ketten verrammelt. Wenn der Gutsbesitzer mal da ist wie im vergangenen Sommer, dann lässt er sich nicht blicken. Und wer die auf dem Anwesen frei umherlaufenden Schweine füttert, weiß niemand so recht.

Viel Platz für ein Waffenlager

Die Einwohner haben sich schon seit einiger Zeit ihre Gedanken gemacht über den eigenbrötlerischen Rittergutsbesitzer. Nach den Berichten über die mutmaßliche Zwickauer Terrorzelle aber schießen die Spekulationen ins Kraut. „Vielleicht waren die drei auch hier mal untergeschlüpft, wer weiß das denn“, sagt eine Frau im Bäcker. Und ein Mann weist auf die alten, großen Gebäude des zu DDR-Zeiten als Landwirtschaftsbetrieb genutzten Anwesens hin. „Da sind Kellerräume, da können sie ein ganzes Waffen- und Sprengstofflager unterbringen, ohne dass jemand was merkt“, sagt er.

Nein, ihre Namen wollen die beiden Einwohner nicht nennen, „wir wollen nicht auf eine Abschussliste“, sagt die Frau. Angst ist plötzlich in dieser kleinen Stadt, alles hält man mit einem Mal wieder für möglich.

Wohl auch deshalb, weil Karl-Heinz Hoffmann seit gut einem Jahr ganz offen den Schulterschluss mit der rechten Szene in Sachsen und Thüringen sucht. Dort wird er bis heute als Mythos verklärt, als einer, der es einmal gewagt hatte, den militärischen Kampf gegen den Staat zumindest vorzubereiten. Noch heute tragen Rechte T-Shirts mit dem Konterfei Hoffmanns. 1980 war seine Wehrsportgruppe verboten worden, vier Jahre später machte man ihm den Prozess: Wegen Geldfälschung, Nötigung, gefährlicher Körperverletzung, Verstößen gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz sowie mehreren Fällen von Freiheitsberaubung wurde er zu neuneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Schon 1989 aber kam er frei, wegen guter Führung und einer günstigen Sozialprognose.

Das mit der Sozialprognose schien sich zunächst zu bestätigen. Er baute in und um Nürnberg eine ganze Gruppe von Baufirmen auf, betrieb Antiquitätenläden, kaufte die halbe Innenstadt in seinem thüringischen Heimatort Kahla auf und eröffnete dort eine Gaststätte. Das Lokal entwickelte sich aber schon bald zu einem Treffpunkt der Thüringer Rechten. Ende 2000 aber zog sich Hoffmann aus Kahla zurück. Warum er das tat und weshalb er drei Jahre später wieder zurückkam in den Osten und das leerstehende Rittergut übernahm, ist unklar. Insider weisen aber darauf hin, dass Hoffmann und seine Frau in den 70er-Jahren schon einmal ein verfallenes Schloss erwarben. Das Schloss Ermreuth in Oberfranken wurde dann 1976 das Hauptquartier der „Wehrsportgruppe Hoffmann“. Ausgebaut mit Hilfe seiner Neonazi-Kameraden.

Und auch im Rittergut Sahlis haben führende Thüringer Rechte schon mit Hand angelegt. Im September 2010 halfen fünf Mitglieder der Neonazi-Organisation „Freies Netz“ bei Dachdeckerarbeiten. Zwei Wochen zuvor hatte Hoffmann das erste Mal seit 30 Jahren in einem Vortrag vor Rechten seine Sicht auf das Oktoberfestattentat von 1980 dargelegt, bei dem 13 Menschen getötet und 211 zum Teil schwer verletzt worden waren. Weitere Vorträge folgten in diesem Jahr in München und Nürnberg. Der Anschlag von 1980 soll von Gundolf Köhler begangen worden sein, einem Neonazi, der zeitweise mit Hoffmanns Wehrsportgruppe trainiert hatte.

Der 74-Jährige hat vergangenes Jahr ein Buch über das Attentat veröffentlicht, in dem er nahelegt, Verfassungsschutz und Mossad hätten gemeinsam den Anschlag geplant, um ihn und seine Gruppe auszuschalten. Mit dieser kruden Theorie wird er am Sonnabend in einer öffentlichen Veranstaltung in Leipzig vor Rechten auftreten. Mehrere Gegendemonstrationen sind bereits angemeldet, die Polizei wird mit einem Großaufgebot vor Ort sein.

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