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Rechtsterror Anklage gegen rechte „Gruppe Freital“

Der Generalbundesanwalt erhebt laut Medienbericht Anklage gegen sieben Männer und eine Frau aus Freital, die unter anderem Anschläge auf Flüchtlingsheime verübt haben sollen.

07.11.2016 18:20
Die Stadt Freital mit etwa 40.000 Einwohnern in der Nähe von Dresden erregte im vergangenen Jahr Aufsehen, als es auf den Straßen zu heftigen Protesten gegen die Unterbringung von Flüchtlingen kam.

Ein Jahr nach einer Anschlagsserie von Rechtsextremen in der sächsischen Stadt Freital bei Dresden hat der Generalbundesanwalt laut einem Medienbericht sieben Männer und eine Frau angeklagt. Er wirft ihnen vor, eine rechtsterroristische Vereinigung gegründet zu haben, berichteten „Süddeutsche Zeitung“, NDR und MDR am Montag. Die mehr als 160 Seiten starke Anklageschrift sei den Anwälten in diesen Tagen zugestellt worden. Eine Bestätigung der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe gab es zunächst nicht.

Von Juli 2015 an hätten die Mitglieder der „Gruppe Freital“ versucht, ihre rechtsextremistische Gesinnung durchzusetzen, indem sie Anschläge begingen. Ziele waren etwa Wohnprojekte von politisch Andersdenkenden und Flüchtlingsheime. Dazu sollen sich die Verdächtigen eine große Menge pyrotechnischer Sprengkörper aus Tschechien beschafft haben.

Nach früheren Angaben der Bundesanwaltschaft soll die Gruppe 2015 drei Sprengstoffanschläge begangen haben: im September auf eine Flüchtlingsunterkunft in Freital, im Oktober auf ein alternatives Wohnprojekt in Dresden und in der Nacht zum 1. November auf eine weitere Asylbewerberunterkunft in Freital. Bei diesem Anschlag wurde ein Bewohner verletzt.

Es kam zwar niemand ums Leben, die Ermittler gehen gleichwohl von versuchtem Mord aus: Die Täter hätten den Tod der Opfer billigend in Kauf genommen, heißt es laut Medienbericht in der Anklageschrift.

Zum dritten Anschlag hatte der Generalbundesanwalt im April mitgeteilt: „Zu schwereren oder gar tödlichen Verletzungen kam es nicht, weil sich die übrigen Bewohner noch rechtzeitig im Flur der Unterkunft in Sicherheit bringen konnten.“ Auch gefährliche Körperverletzung und das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion wird den Angeklagten zur Last gelegt. Die Terrorgruppe soll Sprengsätze am Auto eines Stadtrats der Linkspartei angebracht haben sowie am Freitaler Büro der Partei.

Prozess im Speisesaal einer Flüchtlingsunterkunft

Der Prozess gegen die unter Terrorverdacht stehenden Mitglieder der „Gruppe Freital“ soll im Speisesaal einer neuen Flüchtlingsunterkunft in Dresden stattfinden. Das Oberlandesgericht Sachsen hatte im Juli mitgeteilt, das öffentliche Interesse sei so groß, dass die Sitzungssäle am Gericht nicht ausreichten. Das künftige Flüchtlingsdomizil werde für die Zwecke des Prozesses angepasst, hieß es. Erst nach Ende der Verhandlung soll das Gebäude dann seinem ursprünglichen Zweck dienen.

Als Rädelsführer der Gruppe sieht die Bundesanwaltschaft Timo S. und Patrick F., beide sind den Angaben zufolge Mitte zwanzig. Timo S. hatte Anfang 2015 eine Bürgerwehr gegründet. Ursprünglich hatte die Dresdner Generalstaatsanwaltschaft gegen die Verdächtigen ermittelt, unter anderem wegen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion, nicht jedoch wegen Terrors. Kritiker warfen der sächsischen Justiz vor, den Fall nicht ernst genug zu nehmen. Im April übernahm dann der Generalbundesanwalt in Karlsruhe den Fall und ermittelte wegen Terrorismusverdachts.

Die Stadt Freital mit etwa 40.000 Einwohnern in der Nähe von Dresden erregte im vergangenen Jahr Aufsehen, als es auf den Straßen zu heftigen Protesten gegen die Unterbringung von Flüchtlingen in einem ehemaligen Hotel kam. (dpa/epd)

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