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Rechtsstreit um Hidschab Kenia erlaubt Kopftuch in Schulen

In Kenia landet der Streit um die Kleidung von Schülerinnen vor dem Kadi: Das Verbot, Kopftücher in der Schule zu tragen, gilt nach dem Urteil des Höchsten Gerichts nicht mehr.

Mit Kopftüchern verhüllte Frauen gehen auf einem Kleidermarkt in einem Stadtteil von Nairobi spazieren. Foto: rtr

Kenias Muslime haben einen lange anhaltenden Rechtsstreit gegen das Verbot des muslimischen Kopftuchs, des Hidschabs, in den christlichen Schulen des ostafrikanischen Landes gewonnen. Unter Verweis auf Kenias Bill of Rights hob jetzt ein Berufungsgericht in der Hauptstadt Nairobi das Urteil eines Landgerichtes auf, das das Hidschab-Verbot der Schulen zuvor bestätigt hatte. Auch innerhalb konfessioneller Privatschulen seien die vom Grundgesetz garantierten Rechte der Schülerinnen garantiert, befanden die drei Richter des Appellationsgerichts.

Es ist das erste Mal, dass auf dem afrikanischen Kontinent ein religiöser Kleiderstreit, wie gegenwärtig in Europa üblich, vor dem Kadi landete. Mehrere afrikanische Staaten haben bereits in den zurückliegenden Jahren die das gesamte Gesicht verschleiernde Burka verboten, ohne dass es dabei zum Widerstand der muslimischen Bevölkerung gekommen wäre.

Selbstmörder trug Burka

Den Anfang hatte der nordwestafrikanische Tschad gemacht, nachdem in der dortigen Hauptstadt N’djamena im Juni des vergangenen Jahres ein in eine Burka gekleideter Mann einen Sprengstoffanschlag verübt hatte, der 15 Menschen tötete und über 80 verletzte. Der Selbstmörder gehörte der nigerianischen Extremistenorganisation Boko Haram an, die außer in Nigeria auch im Tschad, in Kamerun und Niger tätig ist.

Nachdem junge, in Burkas gekleidete Frauen auch in Kamerun wiederholt Selbstmordanschläge verübt hatten, zog die Regierung in Yaoundé mit dem Verschleierungsverbot nach – auch der Niger untersagte nur wenige Wochen später die Schleier, zumindest in seiner im Südosten des Landes gelegenen Diffa-Region. Obwohl es dort bislang zu keinen Attentaten islamistischer Extremisten gekommen ist, folgten auch Gabun, die Republik Kongo sowie zeitweise der Senegal dem Beispiel.

Dass es in keiner dieser Staaten zu nennenswerten Protesten gegen den Burka-Bann kam, erklären Fachleute mit der erst jungen Geschichte des Schleiers in Afrika. Der bereits im 10. Jahrhundert islamisierte Westen und Osten des Kontinents folgte lange Zeit der gemäßigten, eher mystischen Sufi-Richtung: Erst in den vergangenen zwei Jahrzehnten breitete sich auf dem Kontinent der von Saudi Arabien unterstützte, wesentlich radikalere Wahabismus aus.

Mit saudischem Geld wurden in weiten Teilen Afrikas Moscheen und Koranschulen errichtet, viele afrikanische Imame reisten zum Studium nach Saudi Arabien. Erst in diesem Zusammenhang hielten die Burkas allmählich auch in Ost- und Westafrika Einzug. Traditionell bedecken sich muslimische Afrikanerinnen mit farbenfrohen Kopftüchern, selbst die auch Schultern und Hals umhüllenden Hidschabs sind selten.

Attacke auf Polizeistation

Die entsprechenden afrikanischen Regierungen begründeten ihr striktes Burka-Verbot, das sowohl das Tragen wie die Herstellung und den Verkauf des Schleiers umfasst, ausschließlich mit der Sicherheit und nicht mit kulturellen oder religiösen Erwägungen. Deswegen hat auch kein Staat des Kontinents etwas gegen die sogenannten Burkinis einzuwenden – Kleider, die beim Baden den ganzen Körper bedecken. Die diesbezügliche Debatte in Europa kommt vielen Afrikanern absurd oder heuchlerisch vor.

Dass Frauen oben ohne oder an ausgewiesenen Stränden völlig nackt baden können, während das Baden in Kleidern anrüchig ist, kann Amadou Tidian Wone beim besten Willen nicht verstehen. Eine Gesellschaft, in der Nacktheit normal und Keuschheit schockierend sei, müsse als „völlig dekadent“ betrachtet werden, meint der ehemalige Kulturminister des Senegals: Den Europäern sei offenbar jedes Mittel Recht, Muslime zu „stigmatisieren“.

Abzusehen ist indessen, dass die Debatte um „muslimische“ Kleidungsstücke auch in Kenia wieder aufflammen wird, nachdem es nur wenige Stunden nach der Bekanntgabe des Urteils zum Hidschab-Verbot zu einem Angriff dreier Frauen auf eine Polizeistation in der Hafenstadt Mombasa kam.

Die mit Hidschabs bekleideten Frauen hatten unter ihren weiten Gewändern Messer und Brandbomben versteckt, die sie im Gebäude zum Einsatz brachten: Das Gebäude ging in Flammen auf, zwei Polizeibeamte wurden niedergestochen und die drei Angreiferinnen schließlich erschossen.

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