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Rechtsextremismus Rechtsrock-Hochburg Thüringen

Für die rechte Musikszene ist Thüringen von zentraler Bedeutung. Die größten Veranstaltungen sind im Freistaat. Jüngstes Beispiel: das Festival „Rock gegen Überfremdung“ im südthüringischen Themar.

12.07.2017 07:00
Thüringen als Rechtsrock-Hochburg
Am Wochenende werden in Südthüringen mehr als 5000 Rechtsextreme erwartet. Foto: dpa

Thüringen, immer wieder Thüringen. Rechtsextreme Musikveranstaltungen haben im Freistaat ein Zuhause wie in keinem anderen Bundesland. Jüngstes Beispiel: das Festival „Rock gegen Überfremdung“ im südthüringischen Themar, zu dem am Samstag mehr als 5000 Rechte erwartet werden. Es gilt als das bundesweit wohl größte Rechtsrock-Festival des Jahres.

„Während die Anzahl der Nazi-Konzerte überall stagniert oder zurückgeht, steigt sie in Thüringen weiterhin an“, sagt Rechtsrock-Experte Jan Raabe. Er hat bereits mehrere Bücher zu dem Thema veröffentlicht. Wie hält eine Kleinstadt mit knapp 3000 Einwohnern das aus? Und warum ist Thüringen bei den Rechtsextremen so beliebt? Raabe nennt vor allem strukturelle Gründe.

Thüringen sei nicht nur von allen Seiten gut erreichbar. Die Rechtsextremen seien hier zudem gut aufgestellt und hätten viel Erfahrung mit derlei Veranstaltungen. Ähnlich sieht es Janine Patz, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Rechtsextremismusforschung, Demokratiebildung und gesellschaftliche Integration an der Universität Jena. In Thüringen seien schon zur Jahrtausendwende große Festivals veranstaltet worden. „Das ist eine gewachsene Struktur und kam nicht über Nacht.“ Wie konnte diese Struktur wachsen?

Den Nazis wurde es zu einfach gemacht

Die Behörden hätten ihren Ermessensspielraum in den vergangenen Jahren nicht ausgereizt und es den Nazis zu leicht gemacht, sagt Patz. Die Sicherheitsbehörden müssten im Vorfeld beispielsweise genauer schauen, wer hinter den Veranstaltungen steht. „Sind das vielleicht sogar verbotene Strukturen?“ Dann dürfe das Konzert nicht stattfinden. Andernfalls könnten Ordnungsämter strengere Auflagen erteilen. „Wir haben es den Nazis an vielen Stellen zu einfach gemacht und sie gewähren lassen“, sagt Madeleine Henfling von den Thüringer Grünen.

Die Linken-Politikerin Katharina König-Preuss stellt fest: „Es gab in den letzten Jahren einfach zu wenig Protest und Widerstand gegen diese fast schon alltäglich gewordenen Konzerte.“ Während bundesweit nach den Krawallen rund um den G20-Gipfel in Hamburg über linke Gewalttäter diskutiert wird, rückt in Thüringen die rechte Szene wieder einmal in den Fokus.

Die drei bundesweit größten rechten Musikveranstaltungen im vergangenen Jahr waren Raabe zufolge in Thüringen. Laut Landesinnenministerium fand 2016 rund ein Fünftel der bundesweit 68 rechten Konzerte in dem Bundesland statt. Themar versucht derweil, seinen Ruf zu wahren. Bis Dienstag waren nach Polizeiangaben bereits neun Gegenveranstaltungen angemeldet, die Stadt selbst organisiert ein Marktfest.

Den Rechtsextremen nicht die Stadt überlassen

„Wir werden den Rechtsextremen die Stadt nicht überlassen!“, kündigt das Bündnis für Demokratie und Weltoffenheit aus dem benachbarten Kloster Veßra an. An den Protesten will sich auch Barbara Morgenroth beteiligen. Die 68-Jährige spricht von einer Aufbruchsstimmung in der Stadt. Der ganze Ort solle mit Bannern plakatiert werden, damit die Rechten sich nicht wohlfühlen. „Die sollen sich verdünnisieren.“

Die letzte Hoffnung der Menschen in dem Ort hängt an Gerichten. Ein Landwirtschaftsbetrieb hat am Dienstag einstweilige Verfügungen gegen das Konzert beim Amtsgericht Hildburghausen eingereicht, weil es auf einer Wiese über die Bühne geht, für die es einen Pachtvertrag habe. Außerdem ist eine Beschwerde des Landratsamts Hildburghausen beim Oberverwaltungsgericht gegen eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Meiningen anhängig. Dieses sieht das Konzert als politische Versammlung. Das Landratsamt hatte zuvor anders entschieden und es als kommerzielle Veranstaltung gewertet. (dpa)

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