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Rechte in Berlin-Neukölln „Das ist brauner Terror“

Erst flogen Steine in die Scheiben seiner Buchhandlung, dann brannten seine Autos: Ein Buchhändler stellt sich gegen Rechtsextremismus in Berlin-Neukölln.

Rechte Gewalt in Neukölln
Asche und verbrannte Bücher: Heinz Ostermann ist zum dritten Mal Ziel von rechts motivierter Brandstiftung in Neukölln geworden. Foto: Heinz Ostermann

Ostermann hat keine besondere Freude daran, mit der Presse zu reden, das spürt man. Aber es ist der einzige Weg, Aufmerksamkeit auf die Lage in Neukölln zu lenken. Denn Vertrauen in die Arbeit der Polizei hat er – wie fast alle der Angegriffenen – keines mehr. Am Anfang war das anders. Da habe er noch auf rasche Ermittlungserfolge gesetzt, erzählt der Buchhändler. Damals wurde eine sechsköpfige Sonder-Ermittlungsgruppe des Staatsschutzes namens RESIN („Rechtsextremistische Straftaten in Neukölln“) eingesetzt, nach ziemlich genau einem Jahr lassen sich die öffentlich bekanntgegebenen Erfolge mit einer Zahl zusammenfassen: null. Für Ostermann vollkommen unverständlich, vor allem bei der kleinen Anzahl potentieller Täter. „Ich kann nicht feststellen, dass die fähig sind, da jemanden festzunehmen.“

Staatsschutz untersuchte vier Wohnungen der Rechten

Am 2. Februar, gleich am Tag nach den Anschlägen auf Ostermann und Linkspolitiker Kocak, durchsuchte der Staatsschutz erstmals vier Wohnungen von Mitgliedern der rechten Szene. Laptops, Handys und Schriftstücke wurden dabei sichergestellt, berichtet der Tagesspiegel. Für Ostermann gut getimete „Spiele fürs Volk“. Hoffnung auf Ergebnisse oder sogar Festnahmen habe er dabei nicht. „Aber so lange niemand gefasst ist, wird es niemals enden.“ 

Genau das habe er auf einem Treffen von Betroffenen mit Lokalpolitikern auch der Neuköllner Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) gesagt. Die hat die Angriffe bereits mehrfach heftig verurteilt und dem Unverständnis der Betroffenen viel Verständnis entgegengebracht. Die Berliner Polizei teilt auf Nachfrage mit, die Kritik sei ihnen bekannt. Man könne Ermittlungsergebnisse nicht veröffentlichen, um die Täter nicht vorzuwarnen. Man ermittle mit Hochdruck. „Darauf können sich die Berlinerinnen und Berliner verlassen.“

Für Ostermann ist das kein Trost. Er wird – wie Kocak, Fendt und alle anderen Angegriffenen – weitermachen. Jetzt erst recht. Aber bevor er sich ein neues Auto anschafft, plant er den Kauf einer Garage. 

 

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