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"Politically Incorrect" Vulgär, enthemmt, rassistisch

Das Internetportal "Politically Incorrect" ist Teil eines international agierenden Netzwerks von Islamfeinden und Volksverhetzern. Das belegen Recherchen der FR. Wie Macher und Fans von PI gegen Andersdenkende hetzen, hat FR-Autorin Mely Kiyak erlebt.

19.09.2011 09:15
Bestens organisiert: Islamfeinde wie die Bewegung Pro-Köln.. Foto: ddp

Das Internetportal "Politically Incorrect" ist Teil eines international agierenden Netzwerks von Islamfeinden und Volksverhetzern. Das belegen Recherchen der FR. Wie Macher und Fans von PI gegen Andersdenkende hetzen, hat FR-Autorin Mely Kiyak erlebt.

In der vergangenen Woche haben wir die Recherchen von Jörg Schindler und Steven Geyer über das Internetportal „Politically Incorrect“ veröffentlicht. PI, so der Tenor unserer Berichte, ist Teil eines international agierenden Netzwerks von Islamfeinden und Volksverhetzern. Die Organisation selbst reagierte mit wütenden Tiraden gegen die „ultralinke“ DuMont-Mediengruppe, zu der die Frankfurter Rundschau und die Berliner Zeitung gehören, und nannte unsere Berichte einen Frontalangriff auf die Meinungsfreiheit. Zugleich stellte sie in eigener Sache klar: „PI ist nicht rassistisch. Hier wird nicht beleidigt, diffamiert oder verächtlich gemacht.“

Unsere Kolumnistin Mely Kiyak hat das Gegenteil erlebt. Woche für Woche organisierte sich, kaum dass ihre Texte online verfügbar waren, die rechte Szene in den Anti-Islam-Blogs, aber auch in den Kommentarspalten der Frankfurter Rundschau. Gerade das Forum PI geriet zu einem vulgären Schauplatz von enthemmten, radikalen und rassistischen Äußerungen, wobei die Autoren ihre Identität regelmäßig hinter Fantasienamen verbergen. Mely Kiyak dokumentiert in der folgenden Textgalerie diese Art der organisierten Angriffe.

Stefan Herre, der sich als Gründer und Moderator des Internet-Blogs "Politically Incorrect" (PI) bezeichnet, betont oft, dass das Blog ein reines Nachrichtenportal sei, das zudem nur friedliebenden Menschen ein Forum biete.Die Recherchen der Frankfurter Rundschau belegen jedoch, dass PI keine harmlose Internetseite ist, sondern eine Organisation, die zum die zum Teil hochkonspirativ an der Verteufelung einer ganzen Glaubensgemeinschaft arbeitet. Die in einem internationalen Netzwerk von Islamhassern eine entscheidende Rolle spielt und diese noch auszuweiten gedenkt. Die Gewaltverherrlichern und Rassisten, deren Weltbild dem des norwegischen Massenmörders Anders Breivik ähnelt, ein Forum bietet.

Der innerste Führungszirkel ist nicht nur eng verwoben mit anti-islamischen Parteien innerhalb Deutschlands, wie "Die Freiheit" und der PRO-Bewegung. Er pflegt auch Kontakte zu rechtspopulistischen Parteien in ganz Europa und zu Islamfeinden. Dass PI weit mehr ist, als ein virtueller Treffpunkt von Fanatikern, belegt auch die Existenz von etwa 50 PI-Gruppen in deutschen Städten, aber auch in Österreich, in der Schweiz und in Tschechien. Deren Aufgabe besteht darin, sich regelmäßig konspirativ zu treffen, um Strategien für die Beeinflussung der Öffentlichkeit zu entwerfen.

Kampfplatz Kommentarspalte

Die PI-Macher lassen es zu, dass in dem Blog Muslime als Gesindel, Abschaum und Türkendreck beschimpft und zum bewaffneten Kampf gegen den Islam aufgerufen werden kann. Für den renommierten Historiker Wolfgang Benz ist klar: Was auf PI läuft ist "eindeutig Volksverhetzung". Hier sei der Verfassungsschutz gefragt, forderte Benz. In der Methodik der Islamfeinde sieht Benz Parallelen zum Antisemitismus: "Gesteuert und angetrieben aus der Mehrheit mit Überfremdungsängsten werden Minderheiten mit negativen Eigenschaften belegt.

Die deutlichste Parallele ist das religiöse Argument: Im 19. Jahrhundert wurden Juden als Feinde stigmatisiert, weil ihre Religion ihnen angeblich gebietet, aggressiv gegenüber Nichtjuden zu sein." Er habe zudem selbst erlebt, wie massiv diese Szene mobilisieren könne: "Seit ich mich zur Islamfeindlichkeit äußere, kann ich kaum noch auf Veranstaltungen dazu auftreten, ohne dass sie gestört werden."

Verfassungsschutz gefordert

Benz' Forderung nach einer Beobachtung von PI durch den Verfassungsschutz wird von einer Reihe von deutschen Spitzenpolitikern unterstützt. So sagte Grünen-Vorsitzende Claudia Roth, für sie sei klar, dass PI mit "rassistischer Hetze, planvollen Diffamierungskampagnen und Texten, die offen zur Gewalt aufrufen, regelmäßig den Grenzbereich zur Verfassungsfeindlichkeit überschreitet". Auch aus der Linken und der SPD mehren sich Stimmen, die vor der Hetze der Islamfeinde warnen.

Auch im schwarz-gelben Lager beginnt man, die bisherige Einschätzung von der Ungefährlichkeit PIs zu überdenken. Unionsaußenpolitiker Ruprecht Polenz warnte die Politiker demokratischer Parteien in der FR und BLZ davor, mit dem islamfeindlichen Weblog in Kontakt zu treten: „PI Interviews zu geben oder auf ihren Veranstaltungen aufzutreten, würde eine Grenze überschreiten, die ich als Demokrat zu dieser Szene ziehen würde.“ Das sehen offenbar nicht alle CDU-Politiker so. Der Geschäftsführer der Senioren-Union, Dirk Hülsenbeck, hatte PI im Mai eine Zusammenarbeit angeboten. (FR)

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