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"Politically Incorrect" Die Islamhasser bitten zur Kasse

Spenden, Shops, Schweizer Firma: Das größte Blog der neuen Rechten will Geld verdienen. Ein Konzept zur "komerziellen Nutzung von PI News" gibt es schon.

23.09.2011 17:17
Steven Geyer und Jörg Schindler
Shirts kaufen und die neue Rechte unterstützen: Screenshot des PI-Online-Shops.

Spenden, Shops, Schweizer Firma: Das größte Blog der neuen Rechten will Geld verdienen. Ein Konzept zur "komerziellen Nutzung von PI News" gibt es schon.

. Am 9. Februar 2011 erhält Stefan Herre die E-Mail eines frustrierten Kompagnons. Er frage sich, wofür er sich eigentlich abstrampele, schreibt Michael Stürzenberger, der wie Herre zum Führungszirkel des islamfeindlichen Weblogs „Politically Incorrect“ (PI) zählt. Von irgendetwas müsse auch er leben. „Der ganze Zirkus, den wir da veranstalten, muss langsam mal Ernte abwerfen, Stefan, ganz ehrlich.“

Bei seinem Adressaten stößt Stürzenberger damit auf vollstes Verständnis. Noch am selben Abend antwortet Herre: „Geb ich dir recht, Michael“. Es sei höchste Zeit, sich zu überlegen, wie aus einer der größten Anti-Islam-Seiten im Netz Kapital zu schlagen sei, so der Gründer und Strippenzieher von PI. Was Herre in seiner Mail verschweigt: Er werkelt da schon längst an einem Geschäftsmodell, von dem vor allem einer profitieren würde – er selbst.

Sparsamer Spendenfluss

Nach Informationen der Frankfurter Rundschau und der Berliner Zeitung ließ sich der Kölner Lehrer bereits im Juni 2010 von einem Unternehmensberater ein Konzept für die „kommerzielle Nutzung von PI News“ schreiben. Es zeigt einmal mehr, dass sich der PI-Chef selbst nicht sicher ist, ob seine Aktivitäten mit Recht und Gesetz in Einklang stehen: Das Konzept sieht die Gründung einer PI-Firma in der Schweiz vor, weil sie dort „besser vor dem Zugriff deutscher Behörden geschützt ist“.

Warum Herre daran denkt, den Blog zur Firma auszuweiten, liegt auf der Hand: Auch nach sieben Jahren und mit bis zu 60000 Besuchern täglich lässt sich mit PI kaum Geld verdienen. Zwar werben auf PI alle möglichen Verlage, Initiativen und Organisationen, darunter obskure Gruppen wie die „Jüdische Verteidigungsliga“, die selbst das FBI schon verdächtigte, gewalttätig zu sein. Die Werbung aber kostete bisher nur 40 bis 50 Euro im Monat. Auch der Spendenfluss für PI hält sich in Grenzen. Zwar verfügt das Team inzwischen über eine erkleckliche Spenderliste – die Wohltäter lassen aber meist nur Kleinstbeträge springen. 2008 kamen so gerade mal rund 8?000 Euro zusammen. Beim Verkauf aus dem PI-Shop – wo Becher mit Bombensymbolen oder Aufkleber mit Slogans wie „Sarrazin statt Muezzin“ feilgeboten werden – sieht es noch mauer aus. Im ersten Quartal 2011 belief sich der Erlös auf nur 225 Euro.

Die Art der Kommerzpläne lässt dennoch aufhorchen. In dem dreiseitigen Konzept, das der Frankfurter Rundschau und der Berliner Zeitung vorliegt, wird die Gründung einer „PI Vermarktungsgesellschaft“ in der Schweiz vorgeschlagen. Dort saß mit der Pfarrerin Christine Dietrich praktischerweise bisher die wichtigste PI-Führungsfigur neben Herre. Von der Schweizer Presse mit unseren Enthüllungen konfrontiert, räumte Dietrich jetzt zwar ihre Mitarbeit an PI ein – verkündete aber offiziell ihren Ausstieg aus dem Team.

Kein Wunder: Vertreter aller großen Parteien sind inzwischen überzeugt, dass PI-Inhalte fremdenfeindlich und volksverhetzend sind und fordern eine Überwachung durch den Verfassungsschutz. Folglich sah auch der Kommerzplan vor, dass das neue Unternehmen nur Vermarkter der PI-Website sein solle, aber „nicht die Verantwortung für die hier veröffentlichten redaktionellen Beiträge“ trägt. Unter dem Dach der Vermarktungsgesellschaft sollten Tochterfirmen gegründet werden, die etwa Anzeigen, Bücher oder Fan-Artikel verkaufen.

„Ein geringes Entgelt“

Fürs Spendensammeln sollte wiederum ein Verein in Deutschland gegründet werden. Damit der als gemeinnützig anerkannt werde, müsste er einen entsprechenden Satzungszweck erfüllen. „Das können z.B. die Förderung der deutsch-israelischen Freundschaft bzw. die Bekämpfung des Antisemitismus und des Faschismus sein.“ Strukturell aber müsse der Verein von PI abgegrenzt sein, „damit niemand auf die Idee kommt, den Vereinsvorstand für Veröffentlichungen im Blog juristisch in Anspruch zu nehmen“.

Für Stefan Herre könnte dabei einiges herausspringen. Er wäre nach diesem Konzept nicht nur Mediaberater der PI-Vermarktungsgesellschaft, sondern auch Geschäftsführer des Vereins, „ohne selbst Mitglied zu sein“: „Für diese Tätigkeit erhält er ein geringes Entgelt, während die Spesen umso großzügiger bemessen sind (Dienstwagen, Büro usw.).“ Herre ist mit dem Unternehmensberater bis heute in Kontakt. Wie weit die Kommerzialisierung gediehen ist und ob er seine darbenden Führungsgenossen in die Dienstwagen- und Spesenpläne eingeweiht hat, ist dagegen nicht bekannt.

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