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Rechtsextremismus im Osten Das braune Erbe der DDR

Ostdeutschland hat ein Problem mit dem Rechtsextremismus. Wissenschaftler finden dafür eine Erklärung im System der DDR. Bis heute lehnen Bürger im Osten stärker als im Westen Ausländer ab, außerdem gebe es in Osten mehr autoritäres Denken.

Fremdenfeindlich: 59 Prozent der Ostdeutschen meinen, es gebe zu viele Ausländer in Deutschland. Foto: dpa

Ostdeutschland hat ein Problem mit dem Rechtsextremismus. Wissenschaftler finden dafür eine Erklärung im System der DDR. Bis heute lehnen Bürger im Osten stärker als im Westen Ausländer ab, außerdem gebe es in Osten mehr autoritäres Denken.

Die von der Hochschule am Niederrhein angereiste Wissenschaftlerin wollte im ehemaligen Ost-Berlin niemandem auf die Füße treten. „Nein, im Osten ist nicht alles schlimmer“, sagte Beate Küpper. „Manches ist im Osten sogar besser.“ So gebe es in der ehemaligen DDR weniger Sexismus.

Der Kernbefund ließ sich zumal unter dem Eindruck des von Jena und Zwickau ausgehenden Rechtsterrorismus in Gestalt des„Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) jedoch nicht leugnen. Im Osten, so Küpper, stimmten 59 Prozent der Bürger der These zu, es gebe zu viele Ausländer in Deutschland – im Westen seien es 44,5 Prozent. Auch seien in den neuen Bundesländern mit zehn Prozent der Befragten mehr Menschen bereit, Gewalt anzuwenden. Es herrsche auf diesem Feld eine gewisse Spaltung.

Im Osten wird Pluralismus eher abgelehnt

Küpper ist Mitarbeiterin des renommierten Forschungsprojekts Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit unter der Leitung des Bielefelder Soziologen Wilhelm Heitmeyer. Sie sprach bei einer Veranstaltung der Bundesstiftung Aufarbeitung unter dem Titel: „Das braune Erbe der Diktatur? Rechtsextremismus in der DDR und im vereinigten Deutschland“. Anders als sonst bei derlei Debatten kam es freilich nicht zu einem Ost-West-Konflikt. Die Diagnose war vielmehr Konsens: Der Osten hat mit dem Rechtsextremismus nicht allein ein Problem; er hat damit allerdings ein besonderes Problem.

Küpper erklärte, es gebe hier mehr Ablehnung von Pluralismus. Es gebe im Zuge der DDR-Erfahrung mehr autoritäres Denken. Und es gebe ein Gefühl der Benachteiligung gegenüber Westdeutschen, das viele Menschen an Minderheiten ausließen. Neben ihr saßen drei Ostdeutsche auf dem Podium: der Historiker Patrice Poutrus von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Anetta Kahane von der Amadeu-Antonio-Stiftung und Bernd Wagner, Gründer von Exit Deutschland, einer Aussteiger-Initiative für Rechtsextremisten.

Offener Rassismus in der DDR

Poutrus befand, die DDR-Gesellschaft sei entgegen anders lautender (Vor-)Urteile „überhaupt nicht kuschelig“, sondern vor allem im Umgang mit Randständigen sehr hart gewesen; die staatlichen Autoritäten hätten dies gestützt. Die Nachwende-Zeit habe lediglich sichtbar gemacht, was vorher schon angelegt gewesen sei. Wagner, ehemals Kriminalbeamter, erinnerte daran, dass 1985 ein erster polizei-interner Bericht über rechte Umtriebe in der DDR vorgelegen habe. In den letzten 20 Jahren sei die Misere „politisch deutlich unterschätzt worden, was wir heute merken. Das ist tragisch.“

Kahane berichtete von offenem Rassismus und gab zu Protokoll: „Ich habe mich in der DDR überhaupt nicht wohl gefühlt.“ Dauernd hätten Neonazis in Ost-Berlin Leute zusammen geschlagen. Auf all das sei nicht der staatlich verordnete Anti-Faschismus die richtige Antwort gewesen. Vielfalt habe gefehlt.

Kahane war es übrigens, die Küpper aufforderte, gegenüber dem Osten weniger nachsichtig zu sein. Der Westen mische sich beim Thema Rechtsextremismus in den neuen Ländern nicht zu viel ein, bemerkte sie, sondern viel zu wenig.

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