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Rechter Terror NSU spähte Terror-Ziele im ganzen Land aus

Ermittler fanden Stadtpläne mit Adressen von Politikern, Parteien, Militärstandorten und jüdischen Einrichtungen, die als mögliche Anschlagsziele von der Zwickauer Zelle ausgespäht wurden.

02.10.2012 17:46
Andreas Förster
Halit Yozgat
Die Stadt Kassel hat einen Platz nach Halit Yozgat benannt. Der Internetcafé-Besitzer war 2006 von den Neonazis der NSU erschossen worden. Foto: dpa

Ermittler fanden Stadtpläne mit Adressen von Politikern, Parteien, Militärstandorten und jüdischen Einrichtungen, die als mögliche Anschlagsziele von der Zwickauer Zelle ausgespäht wurden.

Die rechte Terrorzelle NSU hat in mindestens 14 westdeutschen Großstädten mögliche Anschlagsziele ausgespäht. Diesen Verdacht legen Unterlagen der Bundesanwaltschaft nahe. Demnach fanden sich im Brandschutt der Zwickauer Wohnung Stadtpläne, auf denen fast 400 Adressen von Politikern, Parteien, Militärstandorten und jüdischen Einrichtungen markiert waren. Die Ermittler gehen davon aus, dass nach dem Auffliegen der Zwickauer Zelle keine Anschlagsgefahr mehr besteht.

Mehr als 50 Mal haben die drei Neonazis der mutmaßlichen Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) zwischen den Jahren 2000 und 2011 Wohnmobile angemietet – aber zu welchem Zweck? Das ist eine der zentralen Fragen, denen die Fahnder in den NSU-Ermittlungen nachgehen. Zwar konnte bei einigen der Mordanschläge und Banküberfälle eine zeitliche Übereinstimmung zwischen Fahrzeuganmietung und Tatausführung nachgewiesen werden. Was unternahmen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, die meist ohne Beate Zschäpe unterwegs waren, aber an den anderen Terminen?

Hinweise im Brandschutt

Die Ermittler halten es für möglich, dass Böhnhardt und Mundlos ihre Fahrten mit dem Wohnmobil zur Ausspähung von Anschlagszielen nutzten. Entsprechende Hinweise darauf fanden sich im Brandschutt des Hauses Frühlingsstraße 26 in Zwickau. Hier hatte das Trio von April 2008 bis November 2011 gelebt.

Die Ermittler stießen in den Trümmern der abgebrannten Wohnung auf Kartenmaterial mehrerer westdeutscher Städte. Dabei handelte es sich um Ausdrucke von Stadtplänen, die am Computer bearbeitet worden waren. Auf diesen Karten waren Anschriften markiert; zusätzlich fanden sich jeweils Adresslisten von Politikern, Parteibüros und Vereinen ausländischer Mitbürger sowie Militäreinrichtungen.

„Privat, guter Fluchtweg“

Zu folgenden Städten fand sich Kartenmaterial mit insgesamt 386 markierten Adressen: Hamburg (112 Adressen), München (78), Dortmund (30), Bielefeld (21), Kiel (19), Hamm (18), Kassel (17), Braunschweig (16), Münster (15), Osnabrück (14), Paderborn (11), Göttingen (9), Stuttgart (9) und Nürnberg (7). Auf den meisten Karten sind rote und gelbe Sternchen. Die roten Sternchen markieren offenbar die Adressen von Politikern – hierbei insbesondere Bundestags- und Landtagsabgeordnete – und Parteibüros von CDU, SPD und DKP. Die gelben Sternchen stehen für Integrationseinrichtungen und Ausländervereine, aber auch für Dönerimbisse und türkische Einkaufsläden. Auf einzelnen Karten gibt es auch blaue Punkte. Sie weisen offenbar auf Einrichtungen der Bundeswehr und der Nato hin. Ein weiteres Symbol – ein gelber Smiley mit Sonnenbrille – findet sich bei Adressen jüdischer Mitbürger und Einrichtungen.

Einige Einträge sind mit Notizen versehen, aus denen hervorgeht, dass sich ihre Verfasser die Lage des Zielobjekts vor Ort angesehen haben. So steht etwa hinter der Adresse des früheren bayerischen Landtagsabgeordneten Jakob Deffner (SPD): „Privat, guter Fluchtweg“. Beim SPD-Bürgerbüro in Dortmund-Mitte heißt es: „Keine besonders gute Lage. Nur bei schlechtem Wetter ein Gedanke wert, da Kneipe an der Ecke mit Bänken draußen.“ Auf einem Kartenausschnitt des Braunschweiger Friedrich-Wilhelm-Platzes stehen die Notizen „Türk Verein“ und „Jüdi“. Die Karten wurden spätestens in den Jahren 2004 bis 2006 erstellt. Jedoch hatten die Täter keine Tatorte von bis dahin schon erfolgten oder noch geplanten Morde vermerkt.

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