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NSU V-Mann Im Ku Klux Klan waren noch mehr Polizisten

In Baden-Württemberg standen offenbar noch mehr Polizisten in Kontakt mit der rassistischen Organisation Ku Klux Klan (KKK) als bisher bekannt. Das geht aus dem Bericht eines V-Manns hervor.

12.10.2012 15:54
Andreas Förster
Zwei Mitglieder der amerikanischen Ku Klux Klan-Ablegers ziehen die typische Robe über. Foto: dpa

In Baden-Württemberg standen offenbar noch mehr Polizisten in Kontakt mit der rassistischen Organisation Ku Klux Klan (KKK). Bislang war bekannt, dass sich im Jahr 2001 zwei Beamte dem deutschen KKK-Ableger „European White Knights of the Ku Klux Klan“ angeschlossen hatten. In Berichten eines V-Manns des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) werden jedoch nach Informationen dieser Zeitung noch drei weitere Polizisten als KKK-Mitglieder erwähnt. Das Innenministerium in Stuttgart bestätigte, 2002 entsprechende Hinweise erhalten zu haben.

Die Informationen über die KKK-Kontakte der Polizisten lieferte dem BfV vor elf Jahren eine seiner Top-Quellen in der rechtsextremen Szene – der V-Mann „Corelli“. „Corelli“ alias Thomas R. gehörte 1998 zu den Mitbegründern und wichtigsten Aktivisten der „European White Knights“. R., um die Jahrtausendwende herum einer der führenden Neonazis in Sachsen-Anhalt, galt darüber hinaus als Verbindungsglied zu militanten Nazi-Strukturen in Thüringen und Baden-Württemberg.

"HJ Tommy", wie sein Spitzname in der Szene war, gehörte auch dem militanten Blood&Honour-Netzwerk an, das die 1998 untergetauchten Jenaer Neonazis Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt mit Waffen und Geld unterstützte. R.s Name und seine Postfachnummer fanden sich zudem in einer Adressenliste des mutmaßlichen NSU-Terroristen Mundlos.

Tätig im Rauschgiftdezernat

BfV-Unterlagen zufolge gab „Corelli“ dem Verfassungsschutz unter anderem Informationen über Aktivitäten und Mitglieder des deutschen KKK-Ablegers preis. Neben den bereits im vergangenen August bekannt gewordenen zwei Polizisten tauchen dabei noch drei weitere Beamte auf, die damals Kontakt zum deutschen KKK-Ableger gehalten haben sollen. Laut „Corelli“ soll darunter auch eine Polizistin aus Stuttgart gewesen sein, die im Rauschgiftdezernat tätig war.

Seine schon Monate zuvor von „Corelli“ gewonnenen Erkenntnisse gab das BfV erst im Mai 2002 an die Kollegen in Baden-Württemberg weiter. Als Quelle dieser Erkenntnisse wurde damals – das geht aus einem vom Stuttgarter Innenministerium vor zwei Monaten vorgelegten Untersuchungsbericht hervor – nicht ein V-Mann angegeben, was den Wert der Information gesteigert hätte. Vielmehr berief sich das BfV auf eine nicht näher bezeichnete Abhörmaßnahme, aus der man die Informationen über die KKK-Aktivitäten der Beamten gewonnen hätte.

Die Konsequenzen für die Beamten waren damals gering, obwohl „European White Knights of Ku-Klux-Klan“ vom Verfassungsschutz als rassistischer und stark antisemitisch ausgerichteter Geheimbund eingeschätzt wurde. Die zwei KKK-Mitglieder, über die auch diese Zeitung im August berichtet hatte, erhielten 2005 lediglich eine „Zurechtweisung“, die mildeste Disziplinarstrafe. Die anderen drei Polizisten, die sich laut V-Mann „Corelli“ mit dem KKK eingelassen hatten, blieben gar unbehelligt.

Noch keine Akte aus Köln

Im Untersuchungsbericht des Innenministeriums vom August dieses Jahres heißt es dazu, das Material des BfV über die drei Beamten sei „nicht belegbar“ gewesen. Im weiteren Verlauf der nachrichtendienstlichen Beobachtung hätten diese Hinweise daher nicht erhärtet oder überhaupt belegt werden können.

Die Identität des V-Manns „Corelli“ ist erst im September bekannt geworden. Der NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages hat die Akte des V-Manns in Köln angefordert, sie aber bislang nicht erhalten. Allerdings fanden sich mehr als zwei Dutzend „Corelli“-Berichte – darunter auch seine Angaben über den deutschen KKK-Ableger – im Archiv des Thüringer Landesamtes. Das LfV hatte die Dokumente vor vielen Jahren vom BfV übermittelt bekommen.

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