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NSU-Terror Neonazis international bestens vernetzt

Das Umfeld des NSU hatte Verbindungen bis nach Südeuropa und in die Schweiz. Der Neonazi Thomas G. soll illegal Waffen für die rechtsextremen Hammerskins in Portugal beschafft haben. Außerdem soll er Kontakte zu militanten Rechtsextremisten in Südtirol unterhalten haben.

19.02.2013 17:06
Andreas Förster
Die Neonazi-Szene unterhält offenbar enge Kontakte zu Gruppen im Ausland. Foto: Getty Images

Erneut rückt ein Geheimdienstbericht die enge Verflechtung des NSU-Umfeldes mit ausländischen militanten Nazi-Organisationen ins Blickfeld. Demnach soll der den Behörden als Neonazi bekannte Thomas G. um das Jahr 2006 herum in illegale Waffenbeschaffungen für die rechtsextremen Hammerskins in Portugal verwickelt gewesen sein. Der 34-jährige Thomas G. aus Meuselwitz in Ostthüringen wird von den NSU-Ermittlern als Verdächtiger eingestuft, weil er über „nachgewiesene Kontakte zu Tätern oder Beschuldigten des Ermittlungsverfahrens“ verfügt.

Bereits der italienische Geheimdienst hatte 2011 auf die Verbindungen des mutmaßlichen NSU-Helfers Ralf Wohlleben – einem engen Vertrauten von Thomas G. – zu militanten Rechtsextremisten in Südtirol hingewiesen.

Justiz ordnet Kommunikationsverbot an

Diesmal war es der portugiesische Nachrichtendienst SIRP, der im Jahr 2006 einen Bericht an das Kölner Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) gesandt hatte. Nach Informationen dieser Zeitung ging es darin um deutsche Verbindungen zum portugiesischen Ableger der Hammerskins, einem internationalen, 1986 in den USA gegründeten Netzwerk der Naziskinhead-Bewegung. Portugal hatte damals mehrere Aktivisten der Gruppe wegen Waffenhandels und illegalen Schießübungen zu Haftstrafen oder Hausarrest mit elektronischen Fußfesseln verurteilt. Gleichzeitig verhängte die Justiz ein Kommunikationsverbot zwischen den Hammerskins.

Nach Erkenntnissen des SIRP soll dieses Kommunikationsverbot mit Hilfe eines deutschen Neonazis unterlaufen worden sein. Thomas G. – selbst ein führender Hammerskin-Aktivist aus Thüringen – soll demnach Nachrichten zwischen seinen unter Arrest stehenden portugiesischen Gesinnungsleuten transportiert haben.

Mittelsmann der Hammerskins

Außerdem soll er dem SIRP-Bericht zufolge beauftragt gewesen sein, für bestimmte Waffen, die von den Hammerskins bei ihren Schießübungen benutzt wurden, Schalldämpfer nach Portugal zu schmuggeln. Thomas G., so heißt es in dem SIRP-Bericht weiter, soll zugesagt haben, diese Schalldämpfer über seinen deutschen Kontaktmann Alexander L. zu besorgen.

Spätestens an dieser Stelle dürften seinerzeit bei der Lektüre des SIRP-Berichts im Bundesamt für Verfassungsschutz in Köln sämtliche Alarmglocken angegangen sein. Stand doch Alexander L., der 2003 den Namen seines italienischen Vaters R. angenommen hatte, bei den deutschen Behörden im Verdacht, mit Waffen zu handeln. Außerdem stand er einem BfV-Bericht von 2004 zufolge im Verdacht, den Aufbau einer rechten Terrororganisation in Deutschland zu planen.

Bewaffneter Kampf gegen den Staat

Auch die Hammerskins bekennen sich zum bewaffneten Kampf gegen den Staat. Das äußert sich bei den Mitgliedern in der geradezu mystischen Verehrung der vor 25 Jahren in den USA zerschlagenen Terrororganisation The Order (Brüder Schweigen). Die Gruppe, die wie später der deutsche NSU nach dem Prinzip bewaffneter Zellen und des „führerlosen Widerstandes“ handelte, hatte in den Jahren 1983 und 1984 einen jüdischen Radiomoderator ermordet und weitere schwere Verbrechen in den USA begangen, bevor sie vom FBI infiltriert und zerschlagen werden konnte.

Auch Thomas G. gehört seit vielen Jahren der inzwischen in Deutschland zwar verbotenen, aber im Untergrund weiter existierenden Hammerskin-Bewegung an. Antifa-Recherchen zufolge soll er besonders enge Kontakte zu Hammerskins in Portugal pflegen. Auf Fotos, die Antifa-Blogs im Internet veröffentlicht haben, ist G. bei dortigen Treffen zu sehen. Auch trägt er ein T-Shirt mit dem Schriftzug „Hammerskin Portugal“.

Die Bundesanwaltschaft ordnet Thomas G. dem Umfeld des NSU in Deutschland zu. So soll der auch unter dem Namen „Ace“ in der Szene bekannte G. zusammen mit dem Mitangeklagten von Beate Zschäpe, Holger G., 1999 auf die Geburtstagsparty eines Neonazis in Niedersachsen gereist sein.

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