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NSU-Prozess Zschäpe beantwortet Fragen nur schriftlich

Beate Zschäpe wird sich am Mittwoch erstmals persönlich im NSU-Prozess äußern. Auch auf Fragen des Gerichts möchte die Angeklagte antworten. Ihre Stimme wird man im Gerichtssaal wohl trotzdem nicht hören.

08.12.2015 10:49
Wird sich wohl auch am Mittwoch nur schriftlich durch ihren Anwalt Mathias Grasel (r.) äußern: Beate Zschäpe (l.) Foto: dpa

Im Münchner NSU-Prozess will die Hauptangeklagte Beate Zschäpe nur schriftliche Fragen des Gerichts beantworten. Seine Vorstellung sei, einen schriftlichen Fragenkatalog vom Gericht zu bekommen, diesen mit Zschäpe zu besprechen und dann schriftlich zu beantworten, sagte ihr Verteidiger Mathias Grasel am Dienstag vor dem Oberlandesgericht München. Zschäpe wolle am Mittwoch über ihn eine Erklärung abgeben, mit den Fragen des Gerichts würde er sich mit ihr über das kommende Wochenende beschäftigen.

Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl machte zunächst keine Angaben, ob er sich auf dieses Prozedere einlassen wird. Bislang stellte der Richter nur mündlich Fragen an die Angeklagten und Zeugen im NSU-Prozess.
Zschäpe machte in dem seit zweieinhalb Jahren laufenden NSU-Prozess bislang keine Angaben. Ihre Erklärung zu der dem NSU angelasteten Serie aus zehn Morden und fünfzehn Überfällen wird mit Spannung erwartet. Medienberichten zufolge ist Zschäpe psychisch und physisch angeschlagen, sie soll zuletzt in Untersuchungshaft einen Weinkrampf bekommen haben. Auf die Frage des Richters, wie es ihr gehe, antwortete sie aber laut Götzl "gut".

Zschäpe beantragte am Dienstag außerdem, ihren neuen Wahlverteidiger Hermann Borchert als Pflichtverteidiger zu bestellen. Sollte das Gericht dem Antrag folgen, hätte sie fünf vom Staat bezahlte Pflichtverteidiger: Mit ihren drei ursprünglichen Verteidigern redet sie bereits seit längerer Zeit nicht mehr, der im Juli zum Verfahren gestoßene Grasel und Borchert haben zusammen mit ihr die angekündigte Erklärung formuliert.

Derweil kündigten die Verteidiger des mutmaßlichen NSU-Helfers Ralf Wohlleben nun auch im Prozess eine Aussage ihres Mandanten an. "Eine Einlassung ist geplant, allerdings können wir noch keinen Termin sagen", sagte seine Verteidigerin Nicole Schneiders. Diese Woche werde ihr Mandant aber noch keine Erklärung abgeben.

Das rechtsextreme Trio Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Zschäpe soll 1998 in den Untergrund gegangen sein und dort unerkannt die Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) gebildet haben. Bis zu einem Banküberfall, nach dem sich Böhnhardt und Mundlos 2011 das Leben genommen haben sollen, soll das Trio zehn Morde, zwei Bombenanschläge und fünfzehn Überfälle verübt haben. Zschäpe ist als Mittäterin dieser Taten angeklagt, mit ihr stehen vier mutmaßliche NSU-Helfer in München vor Gericht.

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