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NSU-Prozess Wohlleben bestreitet Waffendeal

Im NSU-Prozess leugnet der ehemalige NPD-Funktionär Ralf Wohlleben, der Terrorzelle eine Waffe besorgt zu haben. Der Mitangeklagte will die Ceska-Pistole des NSU zwar in den Händen gehabt, nicht aber beschafft haben.

13.01.2016 17:59
Mirko Weber
Bestreitet, dem NSU eine Waffe besorgt zu haben: Ex-NPD-Funktionär und Mitangeklagter Ralf Wohlleben. Foto: dpa

Beim Blick auf den Zustand der Welt jenseits des Münchner Gerichtssaals erscheint die Verhandlung in Sachen NSU Außenstehenden mindestens langwierig. Muss das, ist eine wiederkehrende Frage, wirklich so lange dauern? Es muss. Jedenfalls, auch wenn der Fortgang oft schleppend anmutet, solange sich der Rechtsstaat ernst nimmt. Eine andere Frage ist, ob die Angeklagten den Rechtsstaat respektieren.

„Hatten sie selber jemals Waffen?“, fragt der Vorsitzende Richter Manfred Götzl im Münchner NSU-Prozess den Angeklagten Ralf Wohlleben (41). „Nie“, antwortet Wohlleben, „es sei denn, Sie rechnen das Luftgewehr von meinem Opa dazu.“

Genötigt von der schriftlichen Aussage Beate Zschäpes, hat Wohlleben sich kurz vor Weihnachten nach fast zweieinhalb Jahren Prozessdauer entschlossen, eine Erklärung abzugeben. Er las sie vor, seine Frau saß an seiner Seite, und seine Anwaltschaft wachte über jedes Wort.

Wohlleben, Mitbegründer der Kameradschaft Jena (mit Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe) und hoher NPD-Funktionär in Thüringen bis ins Jahr 2010 hinein (als ihm die „Solidarität der Partei“ fehlte), porträtierte sich als Unschuldslamm von Jena-Lobeda: von der DDR geprägt, suchte er angeblich nach fortdauernder Ordnung und Disziplin, hatte ein vaterländisches Herz (was immer das genau sei) und war darüber hinaus laut eigener Aussage abgesehen von kleineren Hilfeleistungen für das Trio („Schmiere stehen“, Autos besorgen) weder an Waffenkäufen noch an Weitergaben beteiligt. Gleichwohl ist Wohlleben als Angeklagter eminent wichtig: Während Beate Zschäpe die Fragen der Richter schriftlich nächste Woche beantworten will (was mutmaßlich wenig Erkenntnisgewinn bringen wird), gibt Wohlleben wenigstens direkt Auskunft. Wenn er Auskunft gäbe.

Beeindruckt von Disziplin

Wie wird einer wie Wohlleben, ein einflussreicher Mann der deutsche Ultrarechten mit Kontakt, zum V-Mann Tino Brandt? Wohlleben leugnet Formen des Zusammenspiels nicht. Nur habe er „bis zum Schluss (das war 2001) nicht daran geglaubt, „dass Brandt wirklich für den Verfassungsschutz arbeitet“. „Rhetorisch“, sagt Wohlleben auf Fragen des Richters, sei er keine große Begabung gewesen, auch „schriftlich“ nicht auf der Höhe. Aber er wollte dabei sein beim rechten Aufbruch im Ostdeutschland der Nachwende-Zeit, wo ihn als Jugendlicher alles beeindruckt, was eine straffe Organisation ausmacht – quasi-militärisch geschult in der DDR. „Disziplin“ ist eine der Vokabeln, die Wohlleben am häufigsten verwendet. Er sucht sie in politischen Apparaten, während er an Spielautomaten die eigene Souveränität fast einbüßt, bis er heiratet und Kinder kommen. Seine Daddel-Sucht, räumt Wohlleben ein, habe „ans Pathologische“ gegrenzt. Andererseits plädiert er dafür, dass während der Kameradschaftssitzungen nicht getrunken wird: „Weil der Alkohol die Zunge löst.“ Naturgemäß ohne Alkohol im Gerichtssaal macht Wohlleben keinen Hehl daraus, dass er nicht daran denke, die „deutsche Geschichte immer nur über zwölf Jahre zu definieren“. Man müsste „auch mal die Amerikaner fragen“, deren Opfer bei der Bombardierung Dresdens „konsequent runtergerechnet“ würden.

Für Ralf Wohlleben bleibt es dabei. Er hat die spätere Mordwaffe, die ominöse Ceska, zwar in den Händen gehabt, sie aber weder beschafft noch sich Gedanken gemacht, was damit passieren könne. Ralf Wohlleben ist sich keiner Schuld bewusst. Die Befragung wird bald von den Vertretern der Nebenkläger fortgesetzt.

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