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NSU-Prozess "Normale Freizeitgestaltung halt"

Im NSU-Prozess ist ein Zeuge sichtlich bemüht, seine Bedeutung in der damaligen rechten Chemnitzer Szene herunterzuspielen. An Einzelheiten kann oder will er sich nicht mehr erinnern - und mit der Beate habe er ohnehin kaum Kontakt gehabt.

06.03.2015 12:24
Harald Biskup
Demonstranten der linken und der rechten Szene demonstrieren am vor dem Oberlandesgericht München, wo der NSU-Prozess verhandelt wird. Foto: dpa

Es ist nicht gelogen, wenn der Zeuge Hendrik L. angibt, er sei „selbstständig im Einzelhandel“. Es ist nur die halbe Wahrheit: Er betreibt, wie sich nach vielleicht drei Stunden seiner quälend langen Vernehmung im NSU-Prozess herausstellt, einen „Streetwear-Laden“ mit dem unverfänglichen Namen „Backstreet Noise“, in dem es heute normale Klamotten zu kaufen gibt, früher aber auch Shirts mit eindeutigen Aufdrucken, rechtsradikale Szenemagazine und „bis zu meiner Lossagung vom Rechtsrock“ auch einschlägige Musik. Zu seinen Kunden, muss L. einräumen, zählt auch heute noch der auf freiem Fuß befindliche Mitangeklagte André E. Im Nachbargebäude sitzt die Platten-Firma „PC Records“, deren Gründer L. war. Als die CD „Döner-Killer“ dort herauskam, habe ihm das Label nicht mehr gehört.

Nur mühsam kann der Vorsitzende Richter Manfred Götzl dem Zeugen entlocken, dass er vom NSU-Trio am meisten Kontakt mit Uwe Mundlos gehabt habe. Er habe diesen um Hilfe beim Herstellen eines T-Shirt-Motivs gebeten. Der Entwurf („Die Skinsons“), angelehnt an die Zeichentrick-Serie „Die Simpsons“, habe von ihm gestammt, er habe Mundlos gebeten, ihn „ein bisschen zu verfeinern“. Das sei der einzige Grund für einen Besuch in der Wohnung in Chemnitz gewesen, die Beate Zschäpe und ihren beiden Komplizen als Unterschlupf diente.

An Einzelheiten kann oder will sich L. nicht mehr erinnern. Mit der Beate habe er kaum Kontakt gehabt, sie war manchmal dabei, „wenn wir mit unseren Bräuten unterwegs waren“. Ganz verschlossen ist L., wenn es um Namen früherer Mitstreiter und gemeinsame Aktivitäten geht. „Normale Freizeitgestaltung halt“, sagt er achselzuckend. Richter Götzl wird es da zu bunt: „Sie sollten sich überlegen, ob Sie uns mit solchen Sprüchen abspeisen.“

Gänzlich unbeeindruckt zeigt sich L. von der Rüge nicht, wenngleich es nicht sehr glaubwürdig klingt, wenn er zum Untertauchen des Trios 1998 in Chemnitz anmerkt, er habe die Situation „nicht als so extrem brisant empfunden“. Und wie ernst muss man seine Einschätzung nehmen, Mundlos sei „rechtskonservativ“ gewesen. Nach weiterem Bohren Götzls sagt er über das Weltbild von Mundlos schließlich, „die eigene Nation hat im Vordergrund gestanden“. Am Ende nennt er ihn, weil der Richter nicht lockerlässt, einen „strammen Rechten“.

Während der gesamten Befragung ist L. (Spitzname „Laschi“) sichtlich bemüht, seine Bedeutung in der damaligen rechten Chemnitzer Szene herunterzuspielen. Er sei nicht derjenige gewesen, „der das Sagen hatte“. Daran ändere auch das Platten-Cover nichts, mit dem ihn der Berliner Nebenklage-Vertreter Carsten Ilius konfrontiert: Dort posiert er mit drei anderen Kameraden mit Sturmhaube und Luftgewehr.

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