Lade Inhalte...

NSU-Prozess „Massenhafte Verbrechen gegen das Leben“

Die Bundesanwaltschaft fordert die Höchststrafe für Beate Zschäpe – und beantragt Haftbefehl gegen den Angeklagten André E.

NSU-Prozess
Beate Zschäpe am Dienstag im Oberlandesgericht in München. Foto: dpa

In den vergangenen viereinhalb Jahren hat Beate Zschäpe schon viele Gesichter gezeigt im NSU-Prozess. Mal lauschte sie konzentriert, dann wieder schaltete sie auf Durchzug, spielte an ihrem Laptop herum. In Verhandlungspausen scherzte sie mit ihren Anwälten oder strafte sie mit eisigem Schweigen. An diesem 382. Verhandlungstag jedoch erscheint eine andere Zschäpe vor Gericht.

Während des mehrstündigen Plädoyers von Bundesanwalt Herbert Diemer sitzt die 42-Jährige aufrecht auf ihrem Stuhl – regungslos. Die ganze Zeit über schaut sie ihren Ankläger an. Ihr Gesicht zeigt keinerlei Regung, als der Bundesanwalt schließlich seine Strafforderungen gegen die einzige Überlebende des Kerntrios des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) vom Blatt abliest: Lebenslange Freiheitsstrafe, Feststellung einer besonderen Schwere der Schuld, Sicherungsverwahrung.

Zschäpes „massenhafte Verbrechen gegen das Leben“ hätten einen „Abgrund an Menschen- und Staatsfeindlichkeit“ offenbart, der eine solche harte Bestrafung unumgänglich mache, sagt Diemer. Auch wenn sie ihre Hände selbst nicht schmutzig gemacht habe, habe die Angeklagte „mit ungetrübtem Geist und wachen Verstand“ die Mord- und Raubtaten des NSU auf ihre eigene Art mitgesteuert. Zschäpe sei ein „eiskalt kalkulierender Mensch, für den Menschenleben keine Rolle spielen, wenn es um die Verwirklichung ihrer ideologischen und materiellen Ziele geht“.

Hohe Strafe auch für Wohlleben gefordert

Es ist Tag 7 des Plädoyers der Bundesanwaltschaft. Seit Ende Juli haben die Ankläger detailliert vorgetragen, welche Rollen aus ihrer Sicht Zschäpe und ihre vier Mitangeklagten bei den Verbrechen der rechten Terrorgruppe gespielt haben. Diemer bleibt es nun vorbehalten, die sich daraus ergebenden Rechtsfolgen – vulgo Strafen – zu formulieren. Jeder im Saal A 01 des Münchner Oberlandesgericht geht davon aus, dass sich das Gericht mit seinem späteren Urteil sehr eng daran orientieren wird. Was nicht an irgendwelchen Absprachen liegt, sondern schlicht an der unfassbaren Dimension des Verbrechens, dass hier seit Mai 2013 verhandelt wird – den aus einer rassistischen und neonazistischen Ideologie heraus verübten Morden an zehn unschuldigen Menschen.

Eine hohe Freiheitsstrafe fordert die Bundesanwaltschaft auch für Ralf Wohlleben, der im Jahr 2000 die Beschaffung der Ceska für das NSU-Trio in Auftrag gab. Zwölf Jahre soll der Jenaer Neonazi dafür ins Gefängnis. Mit der von ihm beschafften Ceska töteten Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt neun Männer in mehreren deutschen Städten, weil sie nicht in ihr rassistisches Weltbild passten. In den Zeiten des Terrors, in denen Menschen aus ideologischen Motiven heraus ermordet werden, müsse der Staat ein Zeichen setzen, um auch in Zukunft die in links- und rechtsextremen Kreisen zunehmende Gewaltbereitschaft einzudämmen, sagt Diemer.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum