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NSU MAD warb um Neonazi Mundlos

Der Militärische Abschirmdienst wollte offenbar das NSU-Mitglied als Spitzel gewinnen. Dazu gibt es offenbar eine Akte, die dem Untersuchungsausschuss des Bundestags vorenthalten wurde. Die Abgeordneten sind empört.

11.09.2012 17:49
Markus Decker und Steffen Hebestreit
Uwe Mundlos (l.) und Uwe Böhnhardt (M.) im Herbst 1996 in Erfurt. Foto: dapd

Der militärische Abwehrdienst der Bundeswehr (MAD) soll Mitte der 90er-Jahre versucht haben, das spätere Mitglied der rechten Terrorgruppe NSU, Uwe Mundlos, als Informanten anzuwerben. Das geht nach Angaben von Mitgliedern des NSU-Untersuchungsausschusses des Bundestages aus einer bislang unbekannten Akte hervor. Mundlos habe sich jedoch geweigert, mit dem Geheimdienst zusammenzuarbeiten. Das Verteidigungsministerium bestreitet, dass ein solcher Anwerbeversuch stattgefunden hat.

Mundlos leistete vom 1. April 1994 bis zum 31. März 1995 in einer Thüringer Kaserne seinen Grundwehrdienst ab. Der MAD fragte ihn den Berichten zufolge in dieser Zeit, ob er bereit sei, über geplante Anschläge auf Asylbewerberheime zu berichten. Mundlos soll geantwortet haben, er selbst beteilige sich an solchen Angriffen nicht, würde sie aber auch nicht melden.

Der Thüringer, der 1998 untertauchte, wird als Mitglied der Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) für zehn Morde mitverantwortlich gemacht. Im vergangenen Jahr beging er zusammen mit seinem Komplizen Uwe Böhnhardt Selbstmord.

Eklat im Bundestag

Vor Bekanntwerden des Anwerbeversuchs hatte der Untersuchungsausschuss am Dienstag den MAD-Präsidenten Ulrich Birkenheier vor das Gremium zitiert. Es war publik geworden, dass dem Gremium ein Dokument über Mundlos über Monate vorenthalten worden war. Nun steht der Verdacht im Raum, das sei mit Absicht geschehen.

Der Militärgeheimdienst hatte den damaligen Bundeswehr-Rekruten im März 1995 gemeinsam mit fünf anderen Soldaten befragt, weil sie in der Kaserne Frankenhausen durch das Hören von Skin-Musik und durch rechtsextreme Äußerungen aufgefallen waren. Das Protokoll der Befragung kam in seine Personalakte und wurde etwa um das Jahr 2000 herum vernichtet.

Allerdings hatte der MAD mehrere Kopien des Protokolls an das Kölner Bundesamt sowie an die Landesverfassungsschutzämter in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen geschickt. Im März dieses Jahres, fünf Monate nach dem Tod von Mundlos und Böhnhardt sowie der Aufdeckung der Mordserie und zwei Monate nach Einsetzung des Ausschusses, fragte der sächsische Verfassungsschutz beim MAD an, ob die vorhandene Kopie denn an den Untersuchungsausschuss in Berlin und in Sachsen weitergegeben werden dürfe. Der Geheimdienst der Bundeswehr wusste also seit März von diesem Dokument, bestritt aber noch im Sommer, über weitere Papiere zu Mundlos zu verfügen. Die Fakten kamen erst durch eine Nachfrage des Grünen-Abgeordneten Hans-Christian Ströbele ans Licht. Entsprechend groß ist jetzt die Empörung.

Die SPD-Obfrau im Untersuchungsausschuss, Eva Högl, sprach von einem „unerklärlichen und auch unentschuldbaren Versagen des MAD“. Der Ausschuss-Vorsitzende Sebastian Edathy (SPD) zeigte sich entsetzt. Die Linken-Vertreterin im Ausschuss, Petra Pau, sagte, sie fühle sich von den Behörden belogen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Akten vernichtet wurden oder wie in diesem Fall zu spät auftauchen.

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