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NSU Im Gefängnis gibt sich Zschäpe unauffällig

Eine Mitarbeiterin der Justizvollzugsanstalt Stadelheim beschreibt das Verhalten der Hauptangeklagten im NSU-Prozess.

22.02.2017 15:36

Die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe bekommt regelmäßig „Geld von außen“ in die Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim geschickt. Das sagte eine Abteilungsleiterin der Anstalt als Zeugin im Münchner NSU-Prozess. Es handele sich jeweils um Beträge von „mal hundert, mal zweihundert Euro“.

Das Geld komme von nahen Angehörigen sowie einer dritten Person, deren Namen sie auch nannte. Nebenklage-Anwalt Thomas Bliwier äußerte den Verdacht, es handele sich um einen Mann, der auf Facebook und Twitter „Freiheit für Bea“ fordere und ausländerfeindliche Gesinnung äußere. Als Gefangene verhalte sich Zschäpe „unauffällig, freundlich, korrekt und höflich“, sagte die Beamtin weiter. Es habe nur kleinere Konflikte gegeben. Disziplinarisch habe die Anstalt seit Zschäpes Ankunft im März 2013 nie tätig werden müssen.

Zschäpe war kurz vor Beginn des NSU-Prozesses vor dem Oberlandesgericht München nach Stadelheim überstellt worden. Sie ist wegen Mittäterschaft an den zehn überwiegend rassistisch motivierten Morden des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ angeklagt.

Das Gericht schloss am Mittwoch die psychiatrische Begutachtung der Hauptangeklagten Beate Zschäpe ab und entließ den Sachverständigen Henning Saß. Keine der Prozessparteien widersprach am Mittwoch seiner Entlassung. Die drei ursprünglichen Pflichtverteidiger Zschäpes kündigten allerdings einen Antrag gegen die Verwertung des Gutachtens für das Urteil an.

Saß hatte Zschäpe am 17. Januar volle Schuldfähigkeit bescheinigt. Unter bestimmten Bedingungen könne sie auch in Zukunft noch als gefährlich gelten. In den folgenden Wochen richteten vor allem Zschäpes Verteidiger zahlreiche Nachfragen an den Sachverständigen.

Offen ist, ob Zschäpes Verteidigung noch ein Gegengutachten vorlegen wird, das sich kritisch mit der Methodik des Sachverständigen befassen soll. Die drei ursprünglichen Pflichtverteidiger hatten es mehrmals in Aussicht gestellt. Zschäpe hatte zudem über ihre Wahlverteidiger eine Besuchserlaubnis für den Freiburger Psychiater Joachim Bauer beantragt. Darüber hat das Oberlandesgericht München aber noch nicht entschieden.

Der Mammutprozess soll am 7. März fortgesetzt werden. Unmittelbar vor seiner Entlassung hatte Saß am Mittwoch auf Wunsch des Gerichts die Aussage der Beamtin der Justizvollzugsanstalt Stadelheim bewertet.

Saß sagte, es gehöre zu Zschäpes „besonderen Fähigkeiten“, dass sie sich „sehr gut kontrolliert und der jeweiligen Situation anpassen kann“. Sie sei auch über viele Jahre zu „Camouflage“ in der Lage, sagte Saß unter Hinweis auf die fast 14 Jahre, die Zschäpe zusammen mit den mutmaßlichen NSU-Mördern Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt im Untergrund lebte. Er sei darum nicht überrascht, dass sie in der JVA nicht auffalle. dpa

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