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NSU Im Dienst Spuren verwischt

Nach dem Tod der NSU-Terroristen Mundlos und Böhnhardt in einem Wohnmobil wurden am Tatort mehrere Spuren verwischt. War es nur schlampige Arbeit? Der verantwortliche Polizeichef verteidigt sich.

28.04.2016 23:23
Andreas Förster
Der Chef der Sonderkommission liefert kaum überzeugende Antworten. Foto: picture alliance / dpa

Was geschah am 4. November 2011 nach dem Brand des Wohnmobils in Eisenach, in dem Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt starben? Seit Monaten schon befasst sich der Erfurter NSU-Untersuchungsausschuss mit dieser Frage und hat dabei immer mehr Merkwürdigkeiten bei den damaligen Ermittlungen zutage gefördert. Am Donnerstag sollte Michael Menzel, der nach dem Fund der Leichen die Ermittlungen der eingesetzten Sonderkommission „Capron“ geleitet hatte, als Zeuge vor dem Ausschuss diese Merkwürdigkeiten aufklären. Doch der Beamte vermochte viele Fragen nicht schlüssig zu beantworten.

Menzel, damals Chef der zuständigen Polizeidirektion in Gotha, war eine halbe Stunde nach dem Feuer im Wohnmobil in Eisenach eingetroffen. Vor Ort traf er – teils gegen den Widerstand anderer Beamter – eine Reihe von Entscheidungen, die sich letztlich nachteilig auf die weiteren Ermittlungen auswirkten: So ließ Menzel das Fahrzeug mitsamt den darin befindlichen Leichen und Waffen in eine nahegelegene Garagenhalle abschleppen, obwohl dabei die Spurenlage im Wohnmobil erheblich verändert wurde. Er zog zudem die von der Feuerwehr im Inneren des Fahrzeugs gefertigten Fotos ein, die erst jetzt, Jahre später, wieder aufgetaucht sind. Auch ließ er den Außenbereich um das Fahrzeug nach dem Abschleppen reinigen, ohne dass dort nach weiteren Spuren gesucht wurde.

So rechtfertigt sich Menzel

Diente Menzels Handeln der Vertuschung, um die Verwicklung weiterer Personen oder von Sicherheitsbehörden in die Ereignisse von Eisenach zu verbergen? Oder war der damalige Polizeiführer schlicht überfordert? Das bleibt auch nach Menzels Auftritt im Ausschuss unbeantwortet. Er begründete sein damaliges Vorgehen mit seiner Berufserfahrung – die Abgeordneten überzeugte er aber nicht. Und erst recht nicht mit seiner Erklärung dafür, dass er damals noch vor Eintreffen der Spurensicherung mit einer dreizackigen Gartenharke im Wohnmobil zwischen den Leichen und Waffen herumstocherte: Er habe Glutnester gesucht, rechtfertigte sich Menzel. Auch habe er die Lage der Waffen unter den Toten markieren wollen, damit sich die Rechtsmediziner bei einer späteren Obduktion das Muster von Leichenflecken erklären können.

Wenig überzeugend fiel auch seine Begründung dafür aus, warum er schon recht früh am 4. November 2011 die Existenz eines dritten Täters ausschloss, der etwas mit dem Tod von Mundlos und Böhnhardt zu tun haben könnte. Zwar hatten die als erstes am Tatort eingetroffenen Streifenbeamten keine flüchtende Person gesehen – einige Anwohner dagegen schon.

Auch gab es gut eine Stunde nach dem Fund der Leichen einen Anruf bei der Polizei, wonach in der Nähe von Eisenach eine auffällige Person an der Autobahn versuche, Autos anzuhalten. Dennoch schloss Menzel vor Ort weitere Suchmaßnahmen aus.

Dabei legt ein jetzt aufgetauchter brisanter Vermerk in den Thüringer Polizeiakten die Vermutung nahe, dass möglicherweise doch eine dritte Person zumindest an dem von Mundlos und Böhnhardt am Morgen des 4. November 2011 begangenen Bankraub beteiligt gewesen sein könnte. So ist im Arbeitsprotokoll der von Menzel geführten SoKo „Capron“ unter dem 5. November der Hinweis eines Polizeispitzels vermerkt. Diese V-Person hatte von einem Bekannten berichtet, der kurz zuvor bei einem „Thomas“ in Eisenach zu Besuch gewesen war. Dort habe er eine schwarze Maske und eine Waffe gesehen. „Thomas“ habe gesagt, er wolle eine Bank überfallen.

Auf die Frage, ob er diesem Hinweis seinerzeit nachgegangen sei, zuckte Menzel nur mit den Schultern. Daran habe er keine Erinnerung mehr, sagte er.

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