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NSU-Ausstellung in Frankfurt NSU-Ausstellung würdigt Opfer

In der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt ist anlässlich des zehnten Todestags des Kasseler NSU-Opfers Halit Yozgat eine Ausstellung zum NSU-Komplex zu sehen. Auf schlichten Text-Bild-Tafeln werden die Lebensgeschichten der Ermordeten gewürdigt.

Ismael Yozgat (Mitte) betet in Kassel auf einer Gedenkveranstaltung zum Todestages seines Sohnes Halit, der von der NSU-Terrorgruppe ermordet wurde. (Archivbild) Foto: dpa

Ein Zitat steht über allem. „Es sind noch zu viele Fragen offen …“ heißt die Ausstellung zum NSU-Komplex, die von Mittwoch, 6. April, an in der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt zu sehen ist. Schon der Titel, der Worte von Gamze Kubasik aufgreift, Tochter des am 4. April 2006 ermordeten Mehmet Kubasik, zeigt den Fokus der Schau auf. „Wir möchten eine Perspektiverweiterung anbieten; weg von den Tätern, hin zu den Mordopfern, ihren Angehörigen und Unterstützern“, sagt Oliver Fassing von der Bildungsstätte. Die Ausstellung, die am heutigen 10. Todestag des Kasseler NSU-Opfers Halit Yozgat eröffnet, biete die Möglichkeit, sich mit den Biografien der Ermordeten auseinanderzusetzen – und mit der Perspektive ihrer Angehörigen auf den Terror des Nationalsozialistischen Untergrundes und dessen schleppende Aufarbeitung.

Fotos vom NSU-Terrortrio Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe sucht man deshalb vergeblich. Stattdessen werden auf schlichten Text-Bild-Tafeln die Lebensgeschichten der Ermordeten gewürdigt: Enver Simsek, Abdurrahim Özüdogru, Süleyman Tasköprü, Habil Kiliç, Mehmet Turgut, Ismail Yasar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubasik, Halit Yozgat und Michèle Kiesewetter. Auf weißem Grund steht ihr Leben, auf schwarzem Grund wird ihrer Ermordung gedacht. Zitate ihrer Angehörigen zieren die Wände.

Weitere Tafeln thematisieren den Kontext der Taten, die Aufarbeitung – und den Rassismus, der zum Tragen kam. „Wir möchten auf rassistische Mechanismen in den Behörden und der Öffentlichkeit hinweisen, die beförderten, dass bei den Ermittlungen und der Berichterstattung ein rechtsradikales Motiv geflissentlich ignoriert wurde“, betont Fassing. Rassismus und das kollektive Ermittlungsversagen sind deshalb auch Thema im umfangreichen Begleitprogramm, das die Bildungsstätte gemeinsam mit der Heinrich-Böll-Stiftung Hessen und der Beratungsstelle Response Hessen entwickelt hat.

Die von Birgit Mair im Auftrag des Nürnberger Instituts für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung erstellte Wanderausstellung wird in Frankfurt ergänzt durch weitere Elemente. So verweisen Video-Stelen mit Interviews der Gruppe „spot the silence“ auf die Kontinuität rechter Gewalttaten in Deutschland; in den Interviews kommt neben Zeugen des vom NSU verübten Kölner Nagelbombenattentats auch Ibrahim Aslan, Überlebender des Brandanschlags von Mölln 1992 zu Wort.

NSU-Watch Hessen beteiligt

Zusätzlich ist die Arbeit der Initiative „NSU-Watch Hessen“ einsehbar, deren Mitglieder regelmäßig die Sitzungen des Untersuchungsausschusses im Hessischen Landtag kritisch begleiten. Ein Auszug ihres Twitter-Streams ist an die Wand projiziert, ihre Ausschussberichte können nachgelesen werden. „Wir freuen uns, dass in der Ausstellung die Opferperspektive so viel Raum einnimmt“, sagt Sarah Müller von NSU-Watch Hessen. Im Untersuchungsausschuss sei diese kaum Thema. NSU-Watch greift sie in der Ausstellung über ein Interview mit Alexander Kienzle, Anwalt der Familie Yozgat, und den Film „Ich kenne meine Feinde“ von #R99 und Toralf Staud auf.

Über die Installation „Blackbox“ der Künstlerin Olcay Acet können auch Besucherinnen und Besucher ihre Fragen in die Ausstellung einbringen, sie werden über einen Bildschirm laufen.

Die Ausstellung „Es sind noch zu viele Fragen offen“ eröffnet am Mittwoch, 6. April, 20 Uhr, in der Bildungsstätte Anne Frank, Hansaallee 150. Zur Vernissage „Halitstraße!“ wird Alexander Kienzle, Anwalt der Familie Yozgat, sprechen. Die Ausstellung läuft bis 1. Juni. Offen dienstags bis freitags, 10 bis 17 Uhr, sonntags 12 bis 18 Uhr.

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