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NSU-Ausschuss in Hessen Das Leid der Familie Yozgat

In einer bewegenden Zeugenaussage berichten die Eltern des Kasseler NSU-Opfers vom Mord an ihrem Sohn und von ihren Erfahrungen mit den Behörden. Ismail Yozgat sagt, er habe heute nur einen einzigen Wunsch.

Ayse und Ismail Yozgat vor dem NSU-Untersuchungsausschuss
Ayse und Ismail Yozgat berichten am Montag vor dem NSU-Untersuchungsausschuss vom Mord an ihrem Sohn Halit. Foto: dpa

Ayse Yozgat, die neben ihrem Mann im Zeugenstand sitzt, berichtet davon, wie sie unter dem Mord an ihrem Sohn gelitten hat. „Für mich war das Ende der Welt gekommen“, sagt sie. „Er war mein einziger Sohn, und selbst wenn ich zehn Söhne gehabt hätte: Er ist mein Leben gewesen, mein ein und alles, mein Kind.“ Es sei unerträglich gewesen, nach dem Mord die vielen Spekulationen zu hören, Halit habe vielleicht mit Drogen oder illegalen Geschäften zu tun gehabt. Erst 2011, als der NSU aufflog, hätten die Mutmaßungen aufgehört, und es sei allen klar geworden, „dass mein Sohn ein Märtyrer geworden ist“.

Über die Arbeit der Polizei sagt Ayse Yozgat, die jahrelange Beschattung und das Abhören ihres Telefons während der Ermittlungen hätten ihr sehr zugesetzt. Fünf Jahre lang habe sie die Wohnung nicht verlassen und ohne jede Unterstützung mit psychischen Problemen gekämpft. Auch sie verstehe, dass die Beamten ihren Job gemacht hätten. „Aber wir sind leider hierbei zu Opfern geworden.“

Als die Befragung des Ehepaars nach gut zwei Stunden endet, erheben sich die meisten Zuschauer im Saal und applaudieren. Ismail Yozgat legt bewegt eine Hand auf seine linke Brust, er dankt schweigend. Dann verlässt er mit seiner Frau den Raum.

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