Lade Inhalte...

Neonazi-Terror NSU Zwickauer Terrorzelle größer als gedacht

Eine geheime Liste offenbart das erschreckende Ausmaß des Nationalsozialistischen Untergrunds. Demnach gehörten 129 Personen der rechtsextremen Szene zum Umfeld des NSU, weitaus mehr als bislang angenommen. Der NSU-Ausschuss will die Liste nun auf V-Leute überprüfen.

Im Eingangsbereich im Autobahnpolizeirevier Dresden hängt ein Fahnungsplakat von Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe. Foto: dpa

Der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) um Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos hatte offenbar noch mehr Unterstützer als bisher angenommen. Dem NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages ging neben den bis dato bekannten 100 Verdächtigen jetzt eine Liste mit 29 weiteren Namen zu. Damit summiert sich die Zahl auf 129. Sie ergibt sich aus dem aktuellen Ermittlungsstand der Bundesanwaltschaft und des Bundeskriminalamtes. Und das ist noch nicht das Ende. „Vielleicht haben wir in drei Monaten eine 150er-Liste“, sagte der grüne Ausschuss-Obmann Wolfgang Wieland dieser Zeitung.

Die Bundesanwaltschaft hatte sich zunächst darauf konzentriert, Anklage gegen Zschäpe und andere Hauptverdächtige wie den früheren NPD-Funktionär Ralf Wohlleben zu erheben. Währenddessen halten die Ermittlungen an. So erklärt sich, dass die Liste wächst.

Als harter Kern gelten neben Zschäpe und Wohlleben jene drei weiteren Angeklagten, denen ab dem 17. April vor dem Oberlandesgericht in München der Prozess gemacht wird. Sodann gibt es ein knappes Dutzend enger Helfershelfer, die allerdings mangels handfester Beweise noch nicht angeklagt werden können. Schließlich existiert ein sehr großes, weiteres Umfeld, das vielfach schon seit dem Untertauchen von Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos Ende der 90er Jahre mittelbar oder unmittelbar mit ihnen in Kontakt stand oder logistische Unterstützung leistete. Niemand weiß, ob diese Leute Kenntnis von den Taten hatten, die der NSU beging. Ihm werden zehn Morde und zwei Sprengstoffanschläge zur Last gelegt.

Wieland erklärte: „Es ist gerechtfertigt, von einem Netzwerk zu sprechen. Dieses Netzwerk wollte die drei schützen und ihnen als Kameraden im Untergrund helfen. Die Frage ist, ob sie wussten, was die Kameraden im Untergrund taten.“ Bei einigen, die ihnen Papiere gegeben, Wohnungen angemietet oder sie besucht hätten, werde der Nachweis nicht zu führen sein, so der Grüne. Es sei darum wünschenswert, dass Zschäpe rede.

Nach Angaben aus Ausschuss-Kreisen waren schätzungsweise zehn der zuletzt 100 bekannten Verdächtigen als V-Leute aktiv. Der Ausschussvorsitzende Sebastian Edathy (SPD) pocht nun gemeinsam mit den anderen Ausschussmitgliedern darauf, dass Polizei und Verfassungsschutzämter auch über die neu hinzu gekommenen 29 Verdächtigen Auskunft geben. „An einigen Stellen der Liste besteht nach meinem Dafürhalten deutlicher Klärungsbedarf, was mögliche V-Mann-Aktivitäten betrifft“, sagte er dieser Zeitung. Auch Wieland betonte: „Wir wollen alles auf dem Tisch haben.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum