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Nazi-Forum Thiazi.net Ein Rechter bei Maria Hilf

Nach der Razzia gegen ein Nazi-Forum kommen Hintergründe über die Betreiber ans Licht. Es sind Menschen mit ganz gewöhnliche Existenzen und verantwortungsvollen Berufen. Ihre Arbeitgeber ziehen erste Konsequenzen.

26.06.2012 17:52
Felix Helbig
Fackelzüge von Neonazis: Häufig koordiniert übers Internet. Foto: Youtube

Die Gangelter Einrichtungen Maria Hilf haben einen Stationsleiter ihrer Fachklinik für Psychiatrie entlassen. Keine große Nachricht, könnte man meinen. Der Mann hatte dort drei Jahre gearbeitet, wie alle Mitarbeiter der nordrhein-westfälischen Einrichtung war er Werten wie Nächstenliebe und Menschlichkeit verpflichtet. Nebenher bot er deshalb Deeskalationskurse an und war Antirassismusbeauftragter des Deutschen Vereins für Gewaltprävention. Vor zehn Tagen aber durchsuchte das Bundeskriminalamt bei einer Razzia gegen das größte deutsche Internetforum für Neonazis, Thiazi.net, auch seine Wohnung. Der Stationsleiter und Antirassismusbeauftragte soll auf Thiazi.net aktiv gewesen sein.

Es sind Lebensläufe wie dieser, die hinter den mit Pseudonymen getarnten Netz-Persönlichkeiten der Plattform stehen sollen. Nach der Großrazzia kommt nun allmählich ans Licht, wer sich hinter Benutzernamen wie „WPMP3“ oder „Fjörgyn“ verbirgt, die beim BKA als Hauptbeschuldigte gelten sollen: ein 30 Jahre alter Erzieher aus Mecklenburg-Vorpommern und eine gleichaltrige Hausfrau aus Baden-Württemberg, mithin ganz gewöhnliche Existenzen. Der Stationsleiter aus Gangelt soll nach Informationen dieser Zeitung unter dem Namen „Krafft“ als Chef-Moderator in dem Internet-Treff der Rechtsextremen tätig gewesen sein.

Der Geschäftsführung von Maria Hilf war am vergangenen Mittwoch von der Autonomen Antifa Freiburg zugetragen worden, wie sich ihr Stationsleiter privat noch so engagiert. Man habe nach einer Anhörung das Arbeitsverhältnis beendet, teilt die Einrichtung nun auf Anfrage mit. Während seiner Tätigkeit habe es „keinerlei Anzeichen“ auf eine Verbindung mit der rechtsextremen Szene gegeben. Maria Hilf distanziere sich „mit Nachdruck“. Ähnlich reagierte am Montag der Verein für Gewaltprävention. „Aus heiterem Himmel“ sei das gekommen, sagte dessen Vorsitzender, Holger Schlafhorst. Der Mann werde für den Verein, für den er auch „Deeskalation bei Gewalt und Rassismus“ lehrte, nicht mehr tätig sein.

Kein Einfluss auf Kinder

Die Neonazis, die hinter Thiazi stehen sollen, haben es offenbar verstanden, ihr bürgerliches Leben und ihr Treiben im Internet gut zu trennen – und doch das eine für das andere zu nutzen. So hatte „Krafft“ auf Thiazi etwa geschrieben: „Habe mich heute im Rahmen einer beruflichen Fortbildung (mal wieder) mit dem Thema Kommunikation/Deeskalation beschäftigen dürfen.“ Dabei „schwirrte mir auch bei dieser Veranstaltung der Gedanke im Kopf herum: Wie kann man solche Inhalte für Thiazi nutzen?“

Ein anderer Nutzer schlug „Krafft“ daraufhin als „Überwachungsinspekteur für Volksgesundheit und Euthanasie“ vor, wofür dieser sich prompt bedankte: „Lustiges Thema! Ich nehme die Wahl gerne an!“

Ähnlich bürgerlich soll der Hintergund bei „WPMP3“ gewesen sein, der als Hauptdrahtzieher des Forums mit 25.000 registrierten Nutzern gilt und weiter in Untersuchungshaft sitzt. Er arbeitete als Erzieher im Hort „Villa Kunterbunt“ in Barth an der Ostsee. Nach Angaben des Bürgermeisters von Barth, Stefan Kerth, führte der Mann „privat ein völlig anderes Leben“. Einflüsse auf Kinder soll es aber keine gegeben haben, das hätten Eltern bestätigt. Der Mann sei nun suspendiert.

„Krafft“ immerhin war sich möglicher Konsequenzen bewusst. „Um meinen Arbeitsplatz zu verlieren, reicht’s locker aus, was ich hier schreibe. Auch ohne Heil Hitler oder Hakenkreuze“, schrieb er 2010. Genau so scheint es nun gekommen zu sein.

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