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Kommentar In der NSU-Affäre ist eine neue Qualität erreicht

Kanzlerin Merkel hat in Sachen NSU-Morde Aufklärung versprochen. Doch nach all den Pannen klingt das wie eine Verhöhnung der Opfer.

Neonazis um Uwe Mundlos (l.) und Uwe Boehnhardt (m.) im Herbst 1996 in Erfurt. Foto: dapd

Bei einer bewegenden Trauerfeier zu Beginn des Jahres hat die Kanzlerin den Hinterbliebenen der NSU-Opfer Aufklärung versprochen. Sie hat das Versprechen in dieser Woche zweimal wiederholt. Angela Merkel sollte auf weitere Versprechen verzichten. Denn in Relation zu dem, was in ihrem Land tatsächlich geschieht, wirken sie zunehmend deplatziert. Ja, sie wirken wie eine Verhöhnung der Opfer und geben die zweifellos wohlmeinende Kanzlerin ungewollt der Lächerlichkeit preis.

Die NSU-Affäre jedenfalls hat am Donnerstag eine neue Qualität erreicht. Erstmals wurde bekannt, was viele argwöhnten, aber bisher nicht bewiesen werden konnte: dass der Staat in Gestalt des V-Mannes Thomas S. im Vorzimmer der Rechtsterroristen Platz genommen hatte, ohne dass dies auch nur ein Menschenleben gerettet hätte. Zudem wurde die Tatsache fast ein Jahr lang systematisch geheim gehalten. Nein, das ist keine Panne. Das ist eine Manipulation der Öffentlichkeit. Das ist eine Lüge. Es ist auch nicht mehr statthaft, von mangelnder Sensibilität zu sprechen. Die Verantwortlichen sind ja sensibel. Ihre Sensibilität gilt jedoch der eigenen weißen Weste.

Mehr als eine Dekade waren die Sicherheitsbehörden unfähig, den Tätern auf die Spur zu kommen. Nun verwenden sie alle Energie darauf, Spuren zu verwischen. Wie will man das den Hinterbliebenen noch erklären? Nein, es gibt nichts mehr zu erklären. Es gibt nur noch Grund für tiefe Scham.

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