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Fall Peggy Kein Zusammenhang zwischen NSU und Fall Peggy

Im Herbst entdeckten Ermittler eine DNA-Spur des Neonazis Uwe Böhnhardt am Fundort des Skeletts der seit 2001 vermissten Peggy Knobloch. Jetzt sind sie sicher: Es ist eine "Trugspur".

Ergebnisse zu Böhnhardt-Spur im Fall Peggy
In diesem Waldstück in Thüringen wurden im Sommer 2016 Knochen des seit 2001 vermissten Mädchens Peggy gefunden. Foto: Daniel Karmann (dpa)

 Zwischen dem Tod des Mädchens Peggy Knobloch und dem rechtsterroristischen „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) gibt es aus Sicht der Ermittler keinen Zusammenhang. Eine am Fundort der sterblichen Überreste des Mädchens sichergestellte DNA-Spur des Neonazis Uwe Böhnhardt habe sich als „Trugspur“ herausgestellt, sagte Staatsanwalt Daniel Götz am Mittwoch in Bayreuth. Inzwischen lasse sich der kleine Stoffrest, auf dem das Material entdeckt wurde, einem Kopfhörer Böhnhardts zuordnen. Das Textilstück gelangte demnach durch eine Verunreinigung bei der Spurensicherung in das Waldstück, wo die Knochen von Peggy entdeckt wurden.

Die damals neunjährige Peggy Knobloch war bereits im Mai 2001 in dem Ort Lichtenberg in Oberfranken verschwunden. Im Juli 2016 hatte ein Pilzsammler in einem Wald in Thüringen, etwa 20 Kilometer von Peggys früheren Wohnort entfernt, Knochen des Mädchens entdeckt. Als im Oktober 2016 bekannt wurde, dass Ermittler dort auch eine DNA-Spur von Böhnhardt identifiziert hatten, sorgte dies für große Aufmerksamkeit für den bis heute unaufgeklärten Fall.

Böhnhardt stammt aus Thüringen und war zudem in Zusammenhang mit einem anderen Kindsmord zeitweise ins Visier der Polizei geraten. Als Mitglied des NSU schreiben die Behörden ihm zehn überwiegend rassistisch motivierte Morde und mehrere Sprengstoffanschläge zu.

Nach „aufwendig und akribisch geführten Untersuchungen“, schließen Staatsanwaltschaft und Soko nun eine Täterschaft Böhnhardts im Fall Peggy aus. Bereits im Oktober war spekuliert worden, ob die Spur durch verunreinigtes Werkzeug der Ermittler an den Tatort gelangt sein könnte.

Die sichergestellte DNA stamme aus Hautpartikeln  des Neonazis auf einem nur zwölf mal vier Millimeter großen Textilstück, sagte Soko-Chef Uwe Ebner am Mittwoch. Ein Gutachten schließe mit „an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ aus, dass das winzige Stoffteilchen längere Zeit in dem Wald gelegen habe. Die Herkunft des Stofffetzens sei zudem „zweifelsfrei geklärt worden“.  Er gehöre zu einem Kopfhörer Böhnhardts, der im November 2011 in dem ausgebrannten Wohnmobil lag, in dem der Neonazi tot aufgefunden wurde. Die Ermittlungen hätten zudem keine Hinweise auf einen Bezug von Böhnhardt zu Peggy ergeben.

Zeitlich könne man den „Spurenübertrag“ gut eingrenzen, sagte Ebner. Wie genau es dazu kommen konnte, werde noch untersucht. Mehrere am Fundort von Peggys Knochen 2016 in Rodacherbrunn eingesetzten Ermittler aus Thüringen seien auch mit dem Fall Böhnhardt befasst gewesen, als dieser tot aufgefunden wurde. Das Thüringer Landeskriminalamt wollte sich am Mittwoch zunächst nicht weiter dazu äußern. Eine LKA-Sprecherin sagte der Deutschen Presse-Agentur nur: „Wir haben es zur Kenntnis genommen.“

Das Verschwinden und der Tod des Mädchens sind somit weiter unaufgeklärt. Die Untersuchungen „betreiben wir intensiv weiter“, sagte Ebner. „Die Ermittlungen gehen voran und wir ermitteln in alle Richtungen.“ Mehr als 30 Polizeibeamte seien daran beteiligt.  Details wollte er nicht nennen, um die laufenden Ermittlungen nicht zu gefährden. (mit dpa)

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