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Nazi-Feier Zittern und Bangen in Ostritz

Das Städtchen in Sachsen wird am Wochenende zum Nazi-Treffpunkt.

Ostritz
Bemalte Figuren mit dem Schriftzug „Wir halten zusammen“ stehen während der Eröffnung „Ostritzer Friedensfest“ als Gegenveranstaltung zum Festival „Schild und Schwert“ auf dem Markt. Foto: dpa

Die Hoffnung stirbt zuletzt, auch in Ostritz. Es wäre schön, meinte Michael Schlitt am Freitag, wenn das „Friedensfest mäßigend auf alle Extremisten wirkt“. Schlitt, Theologe und Politologe, hat das Fest auf die Beine gestellt, mit dem der 2300-Einwohner-Ort am Wochenende sein eigenes Zeichen setzen will gegen das, was sich über der Neiße-Stadt zusammenbraut.

1000 Neonazis und 1000 Gegendemonstranten, so die Schätzungen der Polizei, werden in Ostritz auftauchen. Die einen, um anlässlich Hitlers 129. Geburtstag auf dem Privatgelände eines Hotels zu feiern, sich zu betrinken und Nazi-Musik zu hören. Die anderen mit ihrem eigenen Festival „Rechts rockt nicht“, um genau das zu verhindern. Dazwischen die Polizei mit einem Aufgebot wie seit Jahren nicht mehr in Sachsen. Und der Herr Schlitt mit seinem Friedensfest, für dessen Eröffnung am Freitagabend er Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) gewinnen konnte. 

Am Freitagnachmittag setzten sich erste Gegendemonstranten in Bewegung. Angekündigte Musiker waren Sebastian Krumbiegel von den Prinzen und die Dresdner Völkerverständigungskapelle Banda Internationale. Für Sonnabend sind Fahrraddemos des DGB und eine Kundgebung im Gewerbegebiet angekündigt. Aufgerufen hat die Linken-Landtagsabgeordnete Juliane Nagel. 

Ostritz wirkt seit Freitag wie eine abgeriegelte Stadt. Etliche Einwohner sind übers Wochenende verreist. Landespolizei, Bundespolizei, Polizisten aus Polen und Tschechien, Straßensperren, Parkverbote, Kontrollen. In Ostritz richtete die Polizei einen Kontrollbezirk ein, wo Beamte die Identität feststellen, nach Waffen und Schutzausrüstung suchen dürfen. Der Bereich umfasst das Festivalgelände der Rechtsradikalen um das Hotel „Neisseblick“ des hessischen Unternehmers Hans-Peter Fischer und das Gelände der Gegenveranstaltung „Rechts rockt nicht“. 

Für das Neonazi-Treffen gilt absolutes Alkoholverbot. Das Sächsische Oberverwaltungsgericht (OVG) in Bautzen wies Freitagmittag eine Beschwerde des Veranstalters ab und bestätigte eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Dresden. Begründung: Es sei „von einer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit durch beabsichtigten Alkoholkonsum bei der Veranstaltung auszugehen“. Nach Auffassung der Richter liegt der Veranstaltung eine kämpferische Zielrichtung zugrunde. Es sei nicht fernliegend, dass bei den Teilnehmern eine latent vorhandene aggressive Grundstimmung vorhanden sei, die durch die aufputschende Musik und Alkoholkonsum deutlich gesteigert werde.

Michael Schlitt bedauerte, dass sich die linken Demonstranten nicht dem Fest angeschlossen haben. Dann hätte er weniger Sorgen, dass es zu Gewalt komme. Er habe frühzeitig das Friedensfest angemeldet, um zu verhindern, dass „möglicherweise 1000 Neonazis einen Fackelumzug über den Ostritzer Marktplatz mitten durch die Stadt machen“. 

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